Konsumentenkredite
Deutsche verhielten sich 2009 erstmals antizyklisch

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Im vergangenen Jahr haben die Deutschen anders als in vorherigen Wirtschaftskrisen trotz wirtschaftlichem Abschwung auf hohem Ni­ve­au weiter konsumiert und sogar mehr Kredite nachgefragt als in den vorausgegangenen Boom-Jahren. Typisch für Krisenzeiten war bisher ein prozyklischer Verlauf: Aufgrund der pessimistischen Ein­schät­zung der wirtschaftlichen Lage wird weniger konsumiert und die Nachfrage nach privaten Krediten sinkt. Lediglich Auf­schwung­pha­sen waren bisher von verstärkter privater Kreditnachfrage ge­prägt. Aus­ge­rech­net 2009, in der größten Rezession seit Bestehen der Bun­des­re­pu­blik ist die Nachfrage nach Ratenkrediten jedoch um 17 % gestiegen. Das zeigt der brandneue Kredit-Kompass 2010 der Kreditauskunftei Schufa.

„Anders als bei Unternehmen kann man die ausgeweitete Kreditnachfrage von den Konsumenten nicht als Zeichen finanzieller Engpässe werten“, so der Schufa-Vorstandsvorsitzende Rainer Neumann bei der Präsentation des aktuellen Kredit-Kompasses. Neumann begründet das antizyklische Verhalten im Gegenteil damit, dass diese Krise 2009 bei der überwiegenden Mehrheit der Bürger noch nicht angekommen ist. Außerdem hätten sich die Abwrackprämie, niedrige Zinsen, Rabattaktionen des Handels und ein relativ stabiler Arbeitsmarkt stimulierend auf die Konsumtätigkeit ausgewirkt.

Kernergebnisse aus dem Schufa Kredit-Kompass 2010:

  • Die Bundesbürger haben 2009 trotz Wirtschaftskrise 17 % mehr Kredite nachgefragt als im Jahr 2008.
  • Die Banken haben 10 % mehr Kredite vergeben als im Vor­jah­res­zeit­raum. Insbesondere in den ersten beiden Quartalen liegen die Abschlüsse deutlich über Vorjahresniveau.
  • Von 100 Ratenkrediten sind weniger als drei ausgefallen. Die durchschnittliche Kreditausfallquote lag 2009 bei 2,4 % und bewegt sich damit in den vergangenen drei Jahren auf einem stabilen Niveau (2,5 % in 2008, 2,3 % in 2007).
  • Die durchschnittliche Ratenkreditverpflichtung pro Kopf hat um 126 Euro auf 8382 Euro abgenommen. Diese Raten­kre­dit­ver­pflich­tung benennt die durchschnittliche Restschuld laufender Kredite. Das bedeutet, dass von den Verbrauchern im Jahr 2009 mehr Kreditverpflichtungen abgebaut als neue aufgenommen wurden.
  • Zu über 90 % der Personen liegen bei der Schufa nur Informationen zu vertragsgemäßem Verhalten bei Krediten vor.

Als Ergänzung zum eigenen Zahlenwerk hat die Schufa das Institut für Demoskopie Allensbach mit einer repräsentativen Umfrage zur Stimmung und zum Konsum- und Kreditverhalten der Bevölkerung in der Wirtschaftskrise beauftragt. Das Ergebnis: Zwei Drittel der Bevölkerung fühlten sich 2009 nicht von der Krise beeinflusst. Bei günstigen Angeboten gab rund ein Viertel an, dass sie dafür einen Kredit aufnehmen würden, weil die Angebote so günstig seien. Dennoch wurde deutlich, dass die Grundhaltung der Deutschen gegenüber Krediten von einer spürbaren Zurückhaltung geprägt ist. „Kredite sind für die große Mehrheit nur für Sonderfälle im Leben akzeptabel. Auch die Tugend der Sparsamkeit wird von den Deutschen hoch geschätzt“, so Dr. Thomas Petersen, Projektleiter am Institut für Demoskopie Allensbach.

Die Zahlen und Umfragen bestätigen im Nachhinein die Prognosen der Schufa vom November 2008, dass 2009 keine kritische Entwicklung einsetzen werde. „Für 2010 sehen wir allerdings eine leicht höhere Gefahr der Überschuldung bei Privatpersonen. Mit unserem Zahlenmaterial haben wir eine Überschuldungsgefahr errechnet, die 2,5 Prozent höher liegt als in 2009“, erklärte Rainer Neumann. Bei der Nachfrage nach Krediten erwartet die Schufa einen Rückgang in 2010. Dies sei aber nicht unmittelbar als Folge der Krise zu werten, sondern vielmehr die Folge vorgezogener Käufe in 2009.

Der Schufa Kredit-Kompass 2010 steht als kostenloser Download im Internet zur Verfügung.

(Schufa/ml)