Erneuerbare Energien
EU-Biokraftstoffquote erhöht die Agrarpreise

Die in vielen Ländern geplante weitere Förderung von Biokraftstoffen wird sich spürbar auf die Weltagrarmärkte auswirken, errechneten Umweltexperten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in einer Studie. Allein die EU-Biokraftstoffquote könne künftig zu einem Anstieg der durchschnittlichen Preise für Energiepflanzen in Europa von bis zu 6,5 % führen. Da weltweit ähnliche umweltpolitische Fördermaßnahmen gestartet wurden oder zumindest geplant sind, dürften die Preiseffekte nach Meinung der Experten insgesamt noch deutlich höher ausfallen.

Die Studie The Economic Effects of the EU Biofuel Target der IfW-Umweltexperten Bettina Kretschmer, Daiju Narita und Sonja Peterson wurde vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift Energy Economics veröffentlicht.

Die Kieler Experten kritisieren, die Nutzung von Biokraftstoffen sei, angefacht durch politische Vorgaben, in den letzten Jahren stark gewachsen, obwohl sie umstritten ist. So ist im Zusammenhang mit den Preisspitzen von Agrargütern in den Jahren 2007/2008 der Beitrag der Bioenergie zu steigenden Agrarpreisen in den Vordergrund gerückt. Diese könnten die Nahrungsmittelsicherheit besonders in Entwicklungsländern gefährden. Auch wenn die Bioenergieproduktion wohl nur den geringeren Beitrag zu den damaligen Preissteigerungen geleistet hat, stellten sich die Kieler Forscher die Frage, inwieweit die vorgesehene massive Ausweitung der Bioenergieproduktion – nicht nur in Europa – die Agrarpreise in Zukunft beeinflussen wird.

Die Forscher haben deshalb mit Hilfe des IfW-Klima-Ökonomie-Modells DART die Rolle der Biokraftstoffförderung im Rahmen der europäischen Klimapolitik und ihren Einfluss auf Agrarmärkte untersucht. In verschiedenen Modellsimulationen wurden die Auswirkungen der EU-Vorgabe, bis 2020 bei den erneuerbaren Energien im Transportsektor einen Anteil von 10 % zu erreichen, im Zusammenspiel mit den anderen europäischen Klimazielen untersucht. „Die errechneten Preissteigerungen von bis zu 6,5 % betreffen nicht allein die hauptsächlich als Energiepflanzen verwendeten Agrargüter Weizen, Zuckerrüben, Ölsaaten und Mais. Auch gute Substitute für Energiepflanzen, die ebenfalls den knappen Faktor Land beanspruchen, machen den Preisanstieg mit“, erläutert Projektleiterin Sonja Peterson. Und sie ergänzt: „Die Tank-versus-Teller-Debatte ist nur zu relevant. Berücksichtigt man, dass auch in anderen Regionen der Welt das Ziel verfolgt wird, die Biokraftstoffquote auszuweiten, so dürften die Preiseffekte noch deutlich höher als in unseren Berechnungen ausfallen“.

Wie die Studie zeigt, üben die politischen Strategien im Energiesektor einen direkten Einfluss auf die globalen Märkte für Agrarprodukte aus. Die damit verbundenen Verschiebungen im globalen Preisgefüge betreffen nicht nur – über die Lebensmittelpreise – die Konsumenten, sondern auch Investitionen in Agrarwerte und die Nahrungsmittelindustrie. Investoren tun deshalb gut daran, in Zukunft neben ihrem eigenen Markt den der Erneuerbaren Energien aufmerksam zu verfolgen.

(IfW/ml)