Tiefe Geothermie
Bundesverband nimmt Kritikern Wind aus den Segeln

Die sogenannte tiefe Geothermie nutzt die in 400 und mehr Metern Tiefe vorhandene Erd­wär­me und wäre in vielen Teilen Deutschlands eine zuverlässige Quelle für Er­neu­er­bare Energie – stieße sie nicht seit einigen Monaten auf zunehmenden Widerstand in der Bevölkerung. Der Grund: Um die Wärme an die Oberfläche zu transportieren, sind ent­spre­chend tiefe Bohrungen nötig. Diese Bohrungen bzw. vorausgegangene geo­lo­gi­sche Unter­su­chungen haben in einigen Fällen Erschütterungen und damit Angst vor einem Erdbeben ausgelöst. Nun soll ein Positionspapier des GtV-Bundesverband Geothermie (GtV-BV) der Branche helfen, weitere Imageschäden dieser Art zu vermeiden.

Das Positionspapier zur Induzierten Seismizität (durch Menschen verursachte geo­lo­gi­sche Erschütterungen) des GtV-BV wurde gemeinsam mit führenden internationalen Seismologen entwickelt und anlässlich des Workshops Tiefe Geo­thermie und Seismizität des Verbands heute, am 8. Juli, der Öffentlichkeit vorgestellt.

In diesem Positionspapier versichert der GtV-BV, dass durch die bisherigen Geo­ther­mie­pro­jekte induzierte seismische Ereignisse weltweit noch nie strukturelle Schäden an Gebäuden ausgelöst, die Infra­struktur beschädigt oder gar Menschenleben gefährdet haben. Dennoch fordert das Positionspapier für zukünftige Tiefen-Geothermieprojekte einen umfassenden Versicherungsschutz, der hohe Versicherungssummen und eine unbürokratische Schadensabwicklung bei kleineren Schäden umfassen solle.

Der Verband schlägt außerdem vor, bei derartigen Geothermieprojekten nach der Methode des kon­trollierten Betriebs vorzugehen. Das bedeutet, dass jede Maßnahme, die Einfluss auf die Seismizität haben kann, so gestaltet werden muss, dass das Risiko nur langsam und kontrolliert anwächst. Dazu gehöre ein umfassendes Monitoring aller Betriebsphasen, das Aufstellen eines öffent­lich zugänglichen Reaktionsplans sowie die Begleitung jedes Projekts durch einen Seismologen als Gutachter.

Der Verband empfiehlt darüber hinaus, darauf zu achten, dass alle Ereignisse möglichst unterhalb der Schwelle der Fühlbarkeit bleiben sollen. Es sei auch wichtig, „die Menschen vor Ort frühzeitig und umfassend in die Planung einzubeziehen, um Ängste nicht entstehen zu lassen“, so Hartmut Gaßner, Präsident des GtV-BV.

Der GtV-BV spricht sich auch dafür aus, die Erweiterung der Beteiligungsrechte der Bürger bei solchen Projekten zu prüfen. Eine Pflicht zum Planfeststellungsverfahren, wie sie in der vergangenen Woche von der rheinland-pfälzischen Landesregierung als Bundesratsvorlage beschlossen wurde, lehnt der Verband aber als überzogen ab.

(GtV-BV / ml)