EU-Verbraucherbarometer
Kommission will sich Internetdienste vorknöpfen

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Finanzdienstleistungen, Angebote rund um Immobilien und Internetdienste schneiden bei den Dienstleistungen in der Gunst der Verbraucher EU-weit am schlechtesten ab. Das geht aus dem neuen Verbraucherbarometer hervor, das die Europäische Kommission am letzten Freitag vorstellte. Bei den Konsumgütern stehen Gebrauchtfahrzeuge, Bekleidung und Schuhe sowie Fleischerzeugnisse am unteren Ende der Zufriedenheitsskala. Deshalb will sich die Kommission demnächst die Internetdienste und die Fleisch­wa­ren­her­stel­ler vorknöpfen.

Erstaunlich gut schneidet im Verbraucherbarometer trotz eines im Frühjahrs 2010 verzeichneten Rückgangs der Flugverkehr ab. Aber auch mit den Gütern und Dienstleistungen im Bereich Kultur sind die EU-Bürger weitgehend zufrieden.

Für die Wertung berücksichtigt das Verbraucherbarometer unter anderem, wie einfach den Verbrauchern der Vergleich von Produkten und Dienstleistungen gemacht wird, wie hoch das Verbrauchervertrauen und die Verbraucherzufriedenheit sind, wie viele Probleme und Beschwerden von Verbrauchern vorgebracht werden, wie einfach den Verbrauchern ein Anbieterwechsel gemacht wird und wie die Preise ausfallen. Damit will die EU-Kommission besonders störanfällige Märkte identifizieren, um diese dann eingehender zu analysieren und politisch zu bereinigen.

In der jetzt vorgestellten Ausgabe Herbst 2010 des Verbraucherbarometers sind erstmals insgesamt 50 Marktsektoren – von Lebensmitteln über Elektrohaushaltsgeräte bis hin zu Autoreparaturen – für alle EU-Mitgliedstaaten erfasst und klassifiziert worden. Auf diese Marktsegmente entfallen über 60 % des Budgets der Verbraucherhaushalte.

Die finanziellen Einbußen, die Verbraucher in Europa aufgrund von Problemen erleiden, die ihrerseits Anlass zu Beschwerden gaben, belaufen sich auf geschätzte 0,3 % des Bruttoinlandsprodukts der EU.

EU-Kommissar John Dalli, für Gesundheit und Verbraucherpolitik zuständig, zieht aus den Ergebnissen des aktuellen Verbraucherbarometers den Schluss, dass in zwei Bereichen akuter Handlungsbedarf besteht. Er droht, die Kommission werde sich die Internet-Dienste und Fleischerzeugnisse vornehmen und eingehender untersuchen. Anschließend würden die nationalen Behörden aufgefordert werden, die Erkenntnisse der Kommission „verstärkt bei ihrer Arbeit zu berücksichtigen.“

Internetdienste stehen laut Barometer in der allgemeinen Gunst der Verbraucher an drittletzter Stelle. Dieser Sektor sticht durch die ausgeprägte Preisschere zwischen den einzelnen EU-Mitgliedstaaten deutlich hervor. Der Zugang zum Internet gilt darüber hinaus auch als wesentlich für die sogenannte digitale Integration und für den digitalen Binnenmarkt.

Fleischwaren belegen laut Verbraucherbarometer einen der hintersten Plätze. Fleisch gehört mit zu den absatzstärksten Nahrungsmitteln, nimmt aber auch einen erheblichen Teil des Budgets der Verbraucher in Anspruch.

Das aktuelle Verbraucherbarometer mit ausführlichen Daten und Grafiken steht (derzeit nur in englischer Sprache) als kostenloser Download im Internet bereit.

(Europäische Kommission / ml)