Studie
Mittelstand noch nicht bereit für Cloud Computing

Entgegen den heftigen Anpreisungen der IT-Branche ist für die meisten mittelständischen Unternehmen in Deutschland das sogenannte Cloud Computing noch kein Thema, denn derzeit nutzt erst jeder zehnte Mittelständler derartige Angebote. Das ergab eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter IT-Verantwortlichen von 351 Unternehmen. Unter Cloud Computing versteht man Rechenkapazitäten und Services, die auf externen Servern von Anbietern vorgehalten und über das Internet je nach Bedarf abgerufen und abgerechnet werden.

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Die große Mehrheit (78 %) der Befragten sieht auch auf absehbare Zeit keinen Bedarf für das „Rechnen in der Wolke“, wobei 70 % der Nicht-Nutzer die Sorge vor mangelhafter Datensicherheit im Internet als Argument gegen Cloud Computing anführen.

„Im Mittelstand sind die Vorbehalte gegenüber Cloud Computing ausgesprochen groß. Viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten Cloud Computing bietet“, bedauert Markus Vehlow, Experte für Cloud Computing bei PwC. Er glaubt, dass die Aussicht auf Kostenvorteile allein nicht reichen wird, um die Zielgruppe zur Umstellung auf die neue Technologie zu bewegen. Serviceanbieter müssten vielmehr ein überzeugendes und für die Kunden auch nachvollziehbares Sicherheitskonzept vorlegen.

Überhaupt ist der Wissensstand bei den Nicht-Nutzern von Cloud Computing nach eigener Einschätzung der Befragten gering. Nur knapp jeder fünfte glaubt, sich sehr gut oder zumindest gut mit der Technologie auszukennen. Mit den möglichen Vor- und Nachteilen für das eigene Unternehmen haben sich erst 54 % auseinandergesetzt.

Nur knapp sechs von zehn Befragten wissen überhaupt, was sich hinter Cloud Computing verbirgt und können den Begriff auch zutreffend erläutern. Hingegen gab bei der Umfrage ein Drittel der Entscheider eine überwiegend falsche oder gar keine Definition.

Dennoch scheint das nicht das eigentliche Problem zu sein. Auch die Unternehmen, die bereits Cloud-Services nutzen, sehen als größten (potenziellen) Nachteil den Kontrollverlust über die eigenen Daten sowie die wachsende Abhängigkeit von Fremdfirmen (44 %). Eine nicht ausreichende Datensicherheit befürchten 34 % der Nutzer. Dabei wissen immerhin zwei von drei Befragten, in welchem Land der Server mit ihren Unternehmensdaten steht. Demnach beziehen sämtliche dieser Unternehmen Cloud-Services entweder von deutschen Servern (89 %), aus einem anderen EU-Land (11 %) und/oder aus den USA (15 %).

Von den Unternehmen, die Cloud Computing einführen wollen (12 % aller Befragten), versprechen sich die meisten Kosteneinsparungen (83 %). Ein weiteres wichtiges Motiv ist für knapp 80 % der Befragten dieser Gruppe, dass Mitarbeiter dank Cloud Computing zu jeder Zeit und an jedem Ort auf Daten zugreifen können.

Diese Erwartungen sind gemessen an den Erfahrungen, die Nutzer von Cloud-Services bereits gemacht haben, laut PwC weitgehend realistisch. So brachte die Auslagerung von IT-Services ins Internet bei 76 % der Unternehmen Kostensenkungen. Den ortsunabhängigen Datenzugriff nutzen 66 %. Eine deutliche Diskrepanz zeigt sich allerdings bei der Bewertung der Flexibilität der Dienstleistung. So glauben rund 70 % der Nicht-Nutzer, dass sich Cloud-Services einfacher und schneller an veränderte Organisationsprozesse oder Geschäftsmodelle anpassen lassen als eine im Unternehmen vorgehaltene IT-Infrastruktur. Diese Einschätzung teilen jedoch nur 46 % der Nutzer von Cloud Computing.

Bei den weitaus meisten Unternehmen haben sich die in Cloud Computing gesetzten Hoffnungen gänzlich (46 %) oder zumindest teilweise (ebenfalls 46 %) erfüllt, unzufrieden sind lediglich 7 % der Nutzer.

Eine vollständige Auslagerung der IT kommt derzeit aber für die wenigsten infrage. Lediglich fünf der befragten Unternehmen, die Cloud-Services nutzen, haben sämtliche Daten und Anwendungen auf externe Server verlagert oder planen dies für die kommenden drei Jahre. Für die große Mehrheit ist dies frühestens in fünf Jahren (24 %) oder gar nicht vorstellbar (51 %).

„Unsere Umfrage zeigt, dass eine Auslagerung mit Augenmaß mehr Flexibilität und klare Kostenvorteile bringt. Mittelständische Unternehmen sollten sich daher eingehend mit den Möglichkeiten des Cloud Computing auseinandersetzen und die Technologie nicht vorschnell als vorübergehenden Trend abtun“, rät Peter Bartels, Vorstand bei PwC und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand den mittelständischen Unternehmen.

(PwC / ml)