Strommarkt
Stromversorgung 'noch beherrschbar'

Dem Aufruf der Bundesregierung, über die Zukunft der Stromversorgung in Deutschland eine ”ehrliche Debatte“ über die Möglichkeiten und Gegebenheiten zu führen, sind am Mittwoch Energieexperten aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik nachgekommen. Ihre Stellungnahmen im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie des Deutschen Bundestags waren zwar verhalten optimistisch, es fehlte aber auch nicht an Warnungen. So bemängelte ein Regierungsvertreter, in der ganzen Diskussion komme bisher die technische Seite zu kurz. Aber: „Der Strom fließt nach physikalischen Gesetzen und nicht nach politischem Willen.“

Dieser Satz dürfte den meisten Praktikern im Energiemarkt aus der Seele sprechen. Der Regierungsexperte nannte die derzeitige Situation im Strommarkt nach Abschaltung der ältesten Kernkraftwerke als „noch beherrschbar“. Allerdings seien die Puffer im Netz heute viel geringer als früher. Daher müssten die geplanten 19 Kraftwerksprojekte, davon 11 Kohlekraftwerke, möglichst schnell realisiert werden.

Der Vertreter der Bundesnetzagentur bezeichnete die derzeitige Situation als „Mangelverwaltung“. Es bedürfe einer großen Anstrengung, das deutsche Stromnetz stabil zu halten. Er erläuterte die Situation am Beispiel des 19. Januar, für den entsprechende Daten vorliegen. So betrug zu diesem Zeitpunkt die installierte Leistung 160 Gigawatt beträgt. Die gesicherte Leistung, die dauerhaft zur Verfügung steht, betrug 93 Gigawatt. Die geschätzte Last an jenem dritten Mittwoch im Januar habe 80 Gigawatt betragen. Zu dieser Last sei eine Referenzmarge zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit von 7 Gigawatt hinzuzurechnen. Die rechnerische Reserve lag an jenem Tag also gerade einmal bei 6 Gigawatt.

Wie problematisch eine solche Situation bei einer Versorgung mit überwiegend erneuerbaren Energien sein könnte, zeigt folgende Rechnung: Von den 51 Gigawatt installierter Leistung an erneuerbaren Energien sind laut Bundesnetzagentur derzeit nur 10 % auch eine gesicherte Leistung. Sie liegt demnach bei gerade einmal 5 Gigawatt, während die gesicherte Leistung der Kernkraft bei einer installierten Leistung von 20 Gigawatt 17 Gigawatt beträgt.

Auf Rückfrage aus den Reihen der Fraktionen nach der Strompreisentwicklung erklärte ein Vertreter des Bundeskartellamtes, das Preisniveau auf dem Spotmarkt habe sich zwar nicht verändert, das liege aber nicht zuletzt am guten Wetter, das einerseits die Menge an erneuerbaren Energien steigen und andererseits den Energieverbrauch sinken lasse. Langfristig würden die Marktteilnehmer aber einen „relativ scharfen Preisanstieg“ erwarten.

(Deutscher Bundestag / ml)