Steuerpolitik
Neuer Anlauf für ein einfacheres Steuersystem

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Über ein einfacheres und dabei möglichst gerechtes und effizientes Steuersystem wird in Deutschland seit vielen Jahren diskutiert. Bewegt hat sich trotz mehrfacher Anläufe renommierter Experten und Politiker – z. B. des Verfassungs- und Steuerrechtlers Paul Kirchhof und des CDU-Finanzexperten Friedrich Merz – in dieser Hinsicht allerdings wenig bis nichts. Nun versucht der Kieler Steuer­experte Alfred Boss vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) mit einem eigenen Vorschlag Bewegung in die festgefahrene Diskussion zu bringen. Wer sich für die Details des Reformvorschlags interessiert, kann die vollständige Studie kostenfrei per Download aus dem Internet beziehen.

Der Vorschlag von Boss entspricht im Kern den Reformüberlegungen, die bereits vor rund 30 Jahren die Ökonomen David Bradford, Robert Hall und Alvin Rabushka vorgestellt haben.

Nach Meinung des Kieler Steuerexperten sollte das neue Steuersystem aus einer reformierten Mehrwertsteuer mit einem Einheitssatz von 10,5 %, einigen spezifischen Verbrauchsteuern ohne Vergünstigungen, einer radikal vereinfachten Lohnsteuer und einer Steuer auf den realwirtschaftlichen Überschuss der Unternehmen (Umsatz abzüglich Vorleistungen, Investitionen und Löhne) bestehen. Durch einen Grundfreibetrag bei der Lohnsteuer sollte des weiteren eine gewisse Progression erreicht werden.

Außerdem sollten die veranlagte Einkommensteuer, die Abgeltungssteuer, die nicht veranlagten Steuern vom Ertrag (vor allem auf Dividenden), die Körperschaftsteuer, die Gewerbesteuer und die Erbschaftsteuer ganz abgeschafft werden. Die Vorschriften zu Werbungskosten, Sonderausgaben und Abschreibungen seien ebenfalls zu streichen, so Boss.

Die Höhe des „Lohnsteuersatzes“ und die des Steuersatzes für den realwirtschaftlichen Überschuss sind im von Boss vorgeschlagenen System gleich. Sie hängen davon ab, wie hoch die Ausgaben der Gebietskörperschaften sind, die nicht durch Verschuldung oder durch die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer sowie durch das Aufkommen der spezifischen Verbrauchsteuern finanziert werden sollen.

Boss schlägt einen einheitlichen Steuersatz von 20 % bei einem Grundfreibetrag von 12.000 Euro vor. Das Aufkommen beider Steuern würde unter diesen Bedingungen 264 Milliarden Euro betragen und daher ausreichen, das bisherige Steueraufkommen insgesamt konstant zu halten.

Unsere Leseempfehlung (Online-Beitrag): Steuerpolitik für Deutschland: Ein Reformvorschlag und Schritte zu seiner Verwirklichung von Alfred Boss.

(IfW / ml)