SOEP-Studie
Wessis mit Ostkontakten nach Mauerfall im Vorteil

Kostenfreier Download (englischspr.)
Kostenfreier Download (englisch)

Gute Beziehungen zu DDR-Bürgern haben sich für Westdeutsche gelohnt. Das ergab eine Sonderauswert­ung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Demzufolge haben viele Westdeutsche mit Ver­wandten in Ostdeutschland vom Mauerfall wirtschaftlich profitiert. Dies spiegele sich auch in der gestiegenen Wirtschaftskraft jener westdeutschen Regionen wider, in denen vor der Wende besonders viele Menschen mit Ostkontakten lebten, so die Studienautoren.

Die jetzt als 405. SOEPpaper veröffentlichte Studie, die die Ökonomen Konrad B. Burchardi (Universität Stockholm) und Tarek A. Hassan (Chicago Booth School of Business) ausgearbeitet haben, zeigt: In Familien, die mindestens einen Verwandten in der DDR hatten, stieg das Haushaltseinkommen in den sechs Jahren nach dem Mauerfall um durchschnittlich 4,9 % mehr an als in Haushalten ohne solche Kontakte. Der Grund: Wer gute Beziehungen zu den Menschen in Ostdeutschland hatte, konnte die neuen wirtschaftlichen Chancen besser nutzen. „Menschen mit Ost-Kontakten hatten einen Informationsvorsprung“, erläutert Burchardi. „Sie wussten zum Beispiel, welche Güter im Osten besonders gefragt waren. Außerdem konnten sie den Wert vieler ostdeutscher Unternehmen, die nach der Wende verkauft wurden, genauer einschätzen.“

Dieser Informationsvorsprung kam auch der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Regionen zugute, in denen überdurchschnittlich viele Menschen mit Ostkontakten lebten – etwa in Ostholstein oder den Regionen um Hagen und Hannover. Dort machten sich nach dem Mauerfall mehr Menschen selbstständig als anderswo, vor allem investierten sie in Ostdeutschland. Die Folge: Das Pro-Kopf-Einkommen stieg dort in den sechs Jahren nach dem Mauerfall um 4,3 % stärker an als in einer durchschnittlichen westdeutschen Region.

Neben den Daten des SOEP werteten die Wissenschaftler auch Daten des Mikrozensus der Statistischen Landesämter und des Statistischen Bundesamts aus. Die englischsprachige Studie The Economic Impact of Social Ties: Evidence from German Reunification steht als PDF per Download kostenfrei im Internet zur Verfügung. (Quelle: DIW/ml)