Studie der Freien Universität Berlin
Schlechte Führung fördert Mobbing

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Eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Mobbing spielt laut einer Studie der Freien Universität Berlin der Führungsstil von Vorgesetzten. Dem­nach tritt das Phänomen in Abteilungen, in denen Führungskräfte ihren Mitarbeitern bei für sie wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht einräumen, deutlich seltener auf. In diesen Abteilun­gen ist zudem die allgemeine Arbeitszufriedenheit höher. Mobbing sei außerdem ein Gruppenphä­no­men, betonen die beiden Studienautoren: Ist eine Abteilung erst einmal davon infiziert, tritt Mobbing in aller Regel gleich gehäuft auf.

EU-weit sind nach Schätzungen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz etwa 12 Mio. Menschen von Mobbing betroffen. Trotz seines Ausmaßes wird Mobbing in der wissenschaftlichen Literatur bisher noch nicht eindeutig definiert. Probleme ergeben sich auch in der betrieblichen und juristischen Praxis, wenn Mobbing als solches erkannt und dabei beispielsweise die Glaubwürdigkeit Betroffener beurteilt werden muss.

Die Studie der beiden Experten Jens Eisermann und Elisabetta De Costanzo vom Arbeitsbereich Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Freien Universität geht deshalb im Kern der Frage nach, mit welchen Verfahren Mobbing am besten zu erfassen ist.

Die Studie liefert über diese vor allem für Sozialwissenschaftler interessanten Ergebnisse hinaus weitere wichtige Fakten zum Thema Mobbing. So stellte sich heraus, dass der Anteil der an Depression Erkrankten unter Mobbing-Opfern viel höher als erwartet ist. Es müsse von einem Anstieg der Chance für Depression unter den Gemobbten um mehr als das Doppelte ausgegangen werden, warnen die Forscher. Allerdings könne auf der Basis dieses Zusammenhanges und auf der Basis der bisherigen Forschungsergebnisse noch nicht darauf geschlossen werden, was Ursache und was Wirkung ist. Es sei jedoch ratsam, bei Anzeichen für Mobbing zu klären, ob Betroffene depressiv sind.

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler die Antworten von mehr als 4300 Beschäftigten zweier Landesbehörden verschiedener Bundesländer aus, die an einer Online-Befragung teilnahmen.

Die Studie Die Erfassung von Mobbing – Eine Konstruktvalidierung aktueller Datenerhebungsverfahren ist nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für Personalverantwortliche und Führungskräfte interessant. Sie steht per Download kostenfrei im Internet bereit. (Quelle: Freie Universität Berlin/ml)