Industrie- und Handelskammern
Berliner Unternehmer wollen die IHK modernisieren

Oliver Scharfenberg
Oliver Scharfenberg

Seit langem schwelt im Mittelstand Unmut über die Industrie- und Handelskammern. Vor allem kleinste und kleine Unternehmen sehen sich in den Kam­mern kaum vertreten, werden aber per Gesetz zur Mitgliedschaft gezwungen. Während viele von ihnen die Zwangsmitgliedschaft abschaffen wollen, geht eine Berliner Gruppe junger Mittelständler einen anderen Weg: Sie wollen aus den IHK moderne und transparente Dienstleister für KMU machen. Wir sprachen mit Oliver Scharfenberg von der Initiative pro KMU über die Hintergründe und Ziele.

Oliver Scharfenbergs Unternehmen Scharfenberg & Partner ist ein typischer mittelständischer Handwerksbetrieb und Familienunternehmen in zweiter Generation. Scharfenberg und seine Mitstreiter verstehen sich als Rundum-Dienstleister für Immobilienbesitzer mit den Schwerpunkten Altbausanierung, Malerarbeiten, Badsanierung und Renovierung. Unternehmer wie er sollten sich eigentlich in einer Industrie- und Handelskammer gut aufgehoben fühlen. Scharfenberg ist sich jedoch sicher: Vieles an „seiner Kammer“ ist nicht mehr zeitgemäß.

Nun ist Scharfenberg alles andere als ein Gegner der Kammeridee. Er hält eine Selbstverwaltung der Wirtschaft in dieser Form für grundsätzlich sinnvoll. Seine Kritik richtet sich aber vor allem gegen drei Schwachpunkte der IHK: erstens fehlende Transparenz der Ausgaben und Kosten, zweitens mangelhafte Definition der Aufgaben und Dienstleistungen sowie drittens eine mangelhafte demokratische Legitimierung der Kammergremien und ihrer Zusammensetzung. Für den Berliner war deshalb schnell klar: Hier muss etwas geschehen.

Zusammen mit Gleichgesinnten betreibt er die Initiative pro KMU. Er und seine Mitstreiter konnten auch bereits erste wichtige Erfolge verbuchen und immerhin 14 Sitze in der Vollversammlung der Berliner IHK erringen sowie eine Petition an den Deutschen Bundestag zur Reform der IHK auf den Weg bringen. Wir sprachen mit Oliver Scharfenberg über seine Motive und seine Erwartungen an die weitere Entwicklung. (ml)

Nachtrag: Nach Veröffentlichung dieses Beitrags erhielt das MittelstandsWiki Post vom Anwalt samt Kopie einer Unterlassungserklärung vom 3. Juli 2012 gegen Oliver Scharfenberg, die er nach eigener Aussage bis heute (19. Juli) nicht unterschrieben habe, weshalb er am 6. Juli eine einstweilige Verfügung erhielt (siehe auch Kleinunternehmer rebellieren gegen Kammerpflicht).
Die Industrie- und Handelskammer zu Berlin (IHK Berlin) untersagt dem Berliner Unternehmer mehrere Äußerungen, die aus Sicht der IHK Berlin falsch seien. Im Podcast des MittelstandsWiki kritisiert Scharfenberg die Anzahl der Kleinunternehmer im IHK-Präsidium. Seine Äußerung sei unzutreffend, weshalb wir zur Löschung aufgefordert wurden. Das Telemediengesetz verpflichtet so genannte Störer zur Löschung von Beiträgen, sobald sie Kenntnis über rechtswidrige Inhalte erhalten haben. Aus diesem Grund haben wir die beanstandete Aussage im Podcast bei ca. 5:03 Minuten durch einen Gong ersetzt. Thomas Jannot, Herausgeber