Arbeitsmarkt
Profiling kann den Fachkräftemangel mildern

Gerd Galonska, PEAG HR
Gerd Galonska, PEAG HR

Wenn ein Arbeitssuchender sich im Jobcenter vermitteln lassen will, bleiben dem Berater im Schnitt gerade einmal acht Minuten Zeit, über ein paar Zeugnisse hinaus individuelle Kenntnisse und Potenziale des Jobsuchenden zu ermitteln. Profiling – den meisten bestenfalls aus amerikanischen Krimiserien bekannt – könnte hier Abhilfe schaffen. Wie? Das fragten wir Personalbetriebswirt (VWA) Gerd Galonska, Geschäftsführer der PEAG Transfer GmbH.

Fachkräftemangel einerseits und immer noch 3 Mio. Arbeitslose andererseits – darunter über 26.000 Ingenieure. Immer wieder klagen Arbeitssuchende und Gewerkschaften darüber, dass Menschen aller Qualifikationsstufen arbeitslos bleiben, während die Wirtschaft darauf drängt, mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. Ist das inländische Potenzial an geeigneten Arbeitskräften wirklich ausgeschöpft?

Arbeitsmarktexperte Gerd Galonska vom Personalberatungsunternehmen Peag HR glaubt, dass es noch Reserven gibt. Sein Argument: Nicht alle Fähigkeiten sind in Zeugnissen oder Zertifikaten dokumentiert. Vielfach besitzen Arbeitssuchende Fähigkeiten darüber hinaus. Aber den Mitarbeitern der Jobcenter bleibe einfach zu wenig Zeit, diese Fähigkeiten zu erkennen, denn dazu sind umfangreiche Gespräche und Spezialkenntnisse nötig.

Nicht wenige Arbeitnehmer – so Galonska – haben in ihrem Leben die eine oder andere Tätigkeit ausgeübt, ohne dass diese im Lebenslauf erwähnt werde, weil sie aus dem Rahmen falle. Wichtig sei auch die Erfassung von Erfahrungen, die berufsübergreifend wichtig, aber durch Abschlüsse nicht belegbar sind, wie z.B. die Fähigkeit, Netzwerke zu knüpfen oder Zeitpläne realistisch zu planen und umzusetzen.

Sein Unternehmen setze deshalb auf das sogenannte Profiling, bei dem ein Persönlichkeitsprofil des Arbeitssuchenden erstellt werde, das auch undokumentierte Kenntnisse, Eigenschaften und Erfahrungen erfasse, die für einen künftigen Arbeitgeber wertvoll sein könnten. Dafür nehme man sich zwei Tage Zeit.

Personalexperte Gerd Galonska ist überzeugt davon, dass von dieser Methode sowohl Unternehmen als auch qualifizierte Arbeitslose nur profitieren können. (ml)