Industrie 4.0
Farbrikarbeiter von morgen brauchen IT-Kompetenz

Industrie 4.0, © Mimi Potter – fotolia
Industrie 4.0

Kurz vor der Hannover Messe hat die Boston Consulting Group (BCG) die Kernergebnisse ihrer Studie „Industry 4.0: The Future of Productivity and Growth in Manufacturing Industries“ für Deutschland vorgestellt: ein voraussichtliches BPI-Wachstum um 30 Mrd. Euro und bis zu 390.000 neue Arbeitsplätze in den kommenden zehn Jahren. Die geschätzten Kosten: 250 Mrd. Euro.

Als die „neun Säulen des technologischen Fortschritts“ nennt die Studie Big Data and Analytics, Robotik, Simulation, Horizontale and Vertikale Systemintegration, das (industrielle) Internet der Dinge, Cybersecurity, Cloud Computing, Additive Manufacturing und Augmented Reality. Den größten Produktionszuwachs nach Branche macht BCG in Deutschland im Bereich Automotive aus (22 %).

Im Fokus des Interesses stand allerdings der Arbeitsmarkt. Einerseits sieht BCG mehr Jobs neu entstehen, als durch Automatisierung etc. wegfallen. Andererseits werden die Anforderungsprofile deutlich schärfer: IT-Kompetenz ist nun auch in Berufen gefragt, die bisher höchstens am Terminal ihr Auftragsticket abnicken mussten. Ein Bereich, in dem es jedoch bedrohlich eng werden könnte, ist die Sicherheit der vernetzten Anlagen. Hier sehen die Studienautoren zahlreiche neue Partnerschaften am Start, bei denen sich Industrieausrüster und Security-Firmen zusammenschließen.

Auch sonst seien vielfach neue Kooperationsmodelle erforderlich – die wiederum eigene Risiken bergen: „Software- und IT-Unternehmen treten zunehmend in den Wettbewerb mit Industrieausrüstern und Maschinenbauern“, erklärt Markus Lorenz, BCG-Partner und Koautor der Studie. „Bei Partnerschaften mit IT-Unternehmen muss die deutsche Industrie deshalb darauf achten, eigenes Anwendungs- und Fertigungs-Know-how zu schützen. Gleichzeitig sollten die Unternehmen die eigenen Kompetenzen in der Softwareentwicklung weiter ausbauen.“

Insgesamt attestiert BGC der einheimischen Fertigung aber gute Chancen: „Die deutsche Industrie mit ihrem führenden Automatisierungsgrad hat alle Chancen, bei Industrie 4.0 ganz vorne mitzuspielen“, sagt BCG-Partner Rüßmann. „Die Unternehmen können sogar eine Führungsrolle einnehmen, wenn sie jetzt entschieden handeln. Das bedeutet, sich mit den technologischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und für die eigene Produktion pragmatisch die passenden Technologien einzuführen.“ Eine Schlüsselrolle spiele dabei die Etablierung von Standards. Deutsche Unternehmen müssten hier „mehr Akzente setzen“. So seien als Gegengewicht zum Industrial Internet Consortium „pragmatische Partnerschaften zwischen den führenden europäischen Unternehmen wichtig“. (Quelle: BCG/red)