IT-Trends 2016
Neue Lösungen müssen schneller und genauer sein

Ganz an der Spitze der Aufgabenstellungen für 2016 stehen Software-defined Products, das Internet of Things und eine umfassende Digital Customer Experience.

Crisp Research, das Research- und Beratungsunternehmen aus Kassel, hat für das kommende Jahr zehn große Trends identifiziert. Dr. Carlo Velten, der zusammen mit Steve Janata die Firma gründete und heute die Geschäftsführung innehat, erläutert sie persönlich in einem Aufsatz.

Software übernimmt Hardware-Funktionen

Als ersten großen Trend nennt Velten Software-defined Products und das Internet of Things. Laut Velten wird der Nutzen zukünftiger Produkte zunehmend von ihrer Software, den eingebauten Sensoren und ihrer Vernetzung mit anderen Geräten zu einer umfassenden IoT-Lösung bestimmt; Hardware und Materialeigenschaften treten dagegen in den Hintergrund. Aufgrund der gestiegenen Bedeutung der Software sei es erforderlich, dass in den Unternehmen die Product- und die Corporate-IT zusammenwachsen.

Customer Experience wird K.o.-Kriterium

Nummer 2 auf der Liste ist eine universelle digitale Customer Experience. Um die Kundenbindung zu erhöhen und den Umsatz zu steigern, ist es notwendig, dass die Kunden beim Kontakt mit dem Unternehmen durchgängig positive Erfahrungen machen. Um das zu erreichen, müssen die Firmen zum einen CRM, Kundenportale, E-Commerce, Marketing-Automation, Social-Media-Auftritte und mobile Apps aufeinander abstimmen, zum anderen müssen sie in vielen Fällen aber auch die Service-, Support- und Maintenance-Prozesse erneuern.

Funktionierende Schnittstellen für Cloud-Dienste

Drittens wird es darum gehen, die zunehmende Zahl von Schnittstellen zu managen, die mit dem anhaltenden Trend zur Cloud immer wichtiger werden. Nur mit funktionierenden APIs wird es möglich sein, die wachsenden Datenströme fließen zu lassen und in Echtzeit auszuwerten. Diese Aufgabe wird in Zukunft immer schwieriger werden. Bereits heute werden im Internet rund 15.000 APIs verwendet, und die Wachstumskurve zeigt weiter nach oben.

Intelligente Maschinen für die Datenauswertung

Trend Nummer 4 ist eine wachsende Bedeutung des Machine-Learning. Die rasant zunehmenden Datenmengen aus der Gesundheitsvorsorge – Stichwort: Fitness-Armbänder –, von Überwachungskameras und selbstfahrenden und mit Sensoren bestückten Autos machen es notwendig, dass zunehmend Maschinen die Auswertung übernehmen. Dazu müssen Machine-Learning-Verfahren und selbstlernende Systeme entwickelt werden. Die benötigte Rechenleistung hingegen ist bereits heute bei den Cloud-Anbietern erhältlich.

Von IaaS zu Infrastructure as Code

Ein weiterer Trend ist die Hinwendung zu Infrastructure as Code. Aus der zunehmenden Nutzung von vorgefertigten Infrastructure-as-a-Service-Angeboten (IaaS) ergibt sich, dass die Administratoren in den Unternehmen diese Cloud-Angebote mit Skripten an die eigenen Bedürfnisse anpassen müssen. Da gerade bei kleineren und mittelständischen Betrieben die dafür erforderlichen Ressourcen nicht vorhanden sind, wird eine zunehmende Nachfrage nach Managed Public Cloud Services entstehen.

Von Applikationen zu Microservices

Als weiteren Trend hat Crisp Research Microservice-Architekturen ausgemacht. Mit dem Aufkommen von Container-Technologien wie Docker im Zusammenspiel mit APIs und skalierbaren Cloud-Infrastrukturen wurden die Voraussetzungen geschaffen, um Applikationen auf einzelne Prozesse und Funktionen aufzubrechen. Diese lassen sich einfacher warten und erneuern und ermöglichen eine schnellere Produktentwicklung sowie eine verkürzte Time to Market.

Geschäftsprozesse mobil ausrichten

Unter dem sperrigen Namen Mobile Business Process Management stellt Crisp Research den siebten Trend vor. Die Analysten spielen damit auf die zunehmende Bedeutung des mobilen Web an. Für die Unternehmen bedeutet das zum einen, dass sie ihre Webpräsenzen entsprechend anpassen müssen. Zudem müssen die Geschäftsprozesse mobil abgebildet und in das bestehende IT-Backend integriert werden.

Von Business Intelligence zu Selfservice-Auswertungen

Der achte Trend für das kommende Jahr geht auf die Entwicklung weg von den Business-Intelligence-Lösungen und hin zu Selfservice-, Cloud-basierten und mobilen Analysetools ein. Die Firmen müssen es allen ihren Mitarbeitern ermöglichen, ihre Entscheidungen auf Basis von Unternehmensdaten und Daten aus externen Quellen zu treffen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Visualisierung der Daten und Datenströme zu.

Neue Sicherheitskonzepte aus der Cloud

Die Sicherheitskonzepte müssen an die veränderten Bedingungen angepasst werden. Die Szene wird zunehmend beherrscht von organisierter Kriminalität, die Unternehmen unter anderem mit DDoS-Attacken erpresst. Hinzu kommt, dass durch die gewachsene Mobilität ständig ein großer Teil der Unternehmensmitarbeiter unterwegs und nicht in der Firmenzentrale oder einer Außenstelle präsent ist. Die IT-Sicherheitsdienste werden daher nach Meinung der Analysten von Crisp Research zunehmend aus der Cloud kommen müssen.

Agility: Schneller, beweglicher und noch kundengenauer

Als zehnten und letzten Trend nennt Carlo Velten die Notwendigkeit, dass die CIOs neue Fähigkeiten entwickeln bzw. wiederbeleben. Sie müssen in der Lage sein, neue Anwendungen und Prozesse schnell in einen Proof of Concept (PoC) oder einen Prototyp zu gießen. Sie müssen Anwendungen auf Cloud-Plattformen skalieren, aber auch wieder einstellen können. Schließlich wird der Unternehmenserfolg aber auch zunehmend davon abhängen, dass der CIO neue IT-Anwendungen strikt gemäß den Bedürfnissen der Anwender und Kunden entwickelt und dabei hohen Wert auf die User Experience legt. (rf)