11ac-Router fürs Büro

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WLAN-Boliden in der Doppelgarage

Harald Karcher

Von Dr. Harald Karcher

Selbstständige, Handwerker und Start-ups, die nur eine Wohnung, ein Heimbüro, einen Laden oder eine kleine Firma mit WLAN versorgen wollen, brauchen in der Regel keine WLAN-Access-Points aus der Enterprise-Liga für 1000 Euro aufwärts. Da reicht im Normalfall ein WiFi-Router aus der Consumer-Schiene von Apple, Asus, AVM, D-Link, Linksys, Netgear, Sitecom, TP-Link, TRENDnet, ZyXEL und anderen. So ein Gerät koppelt man an eine Internet-Dose und surft nach kurzer Konfigurationsarbeit los. Inzwischen können fast alle Hersteller schon 11ac-3×3-Geräte bis 1300 MBit/s liefern, wie bereits unsere Marktübersicht 2014 gezeigt hat. Einige kommunizieren mittlerweile sogar schon 4×4-Geräte bis 1733 MBit/s brutto.

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AVM dominiert den deutschen Markt

AVM ist in Deutschland mit Abstand der Marktführer bei WLAN-Routern unterhalb der Enterprise-Klasse. Dank zeitgemäßer Hardware, angemessenen Preisen, enormer Funktionsbreite bei trotzdem einfacher Installation sowie ausgesprochen leichter Bedienbarkeit der Software hat sich AVM über Jahre hinweg eine treue Fangemeinde bei Händlern und Endkunden aufgebaut. Außerdem ist AVM schon seit den 1990er-Jahren für seine langjährige Pflege auch älterer Geräte mit immer wieder neuen, kostenlosen Firmware-Updates bekannt. Da muss der Kunde seinen WLAN-Router nicht alle paar Jahre in die Mülltonne werfen, nur weil der Hersteller Software und Treiber nicht auf dem aktuellsten Stand hält.

Der deutsche WLAN-Champion aus Berlin brachte seinen ersten 3×3-MIMO-11ac-WiFi-Router, die AVM Fritz!Box 7490 mit nominal 1300 MBit/s, zur IFA im September 2013 auf den Markt. Der Autor konnte in einem Test mit zwei identischen 7490er-Fritz!Boxen schon im September 2013 vereinzelte Höchstwerte von 791 MBit/s netto bei freier Sicht auf kurze Distanz erzielen. Als reproduzierbare Dauerleistung schafften diese beiden Geräte durch eine Stahlbetondecke hindurch einen Nettodurchschnitt von 560 MBit/s.

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Schwarz auf weiß: Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazinreihe. Einen Überblick mit freien Download-Links zu sämtlichen Einzelheften bekommen Sie online im Pressezentrum des MittelstandsWiki.

Zwar ist die Nettodatenrate auch bei 11ac, wie bei allen bisherigen WLAN-Generationen, nur etwa halb so hoch wie die Marketing-getriebene Bruttodatenrate auf der Verpackung. Trotzdem ist 11ac grob gesagt dreimal schneller als 11n, egal ob man die Bruttoraten oder die Nettoraten vergleicht.

Netgear Nighthawk X4 R7500 AC2350: Mit vier MIMO-Streams zu jeweils 433 MBit/s kommt der Router im 5-GHz-Band auf einen Gesamtspeed von 1733 MBit/s. Zusätzlich bedient das Modell auch WLAN-Clients im 2,4-GHz-Band mit maximal 3 × 200 = 600 MBit/s. (Bild: Netgear)

Asus und Netgear bei 1733 MBit/s

Asus und Netgear konnten schon im Herbst 2014 die ersten WLAN-Router mit 4×4-MIMO-AC und Datenraten von 1733 MBit/s brutto vermelden: den Asus RT AC87U (Wireless AC2400 Dual-band Gigabit Router) für knapp 230 Euro bzw. den Netgear Nighthawk X4 R7500 (AC2350) für knapp 170 Euro.

Allerdings hatte im Frühjahr 2015 noch kein Hersteller auch nur einen einzigen dazu passenden WLAN-Client-Adapter mit 4×4-MIMO-AC-Design im Portfolio, der schon die volle 4×4-Datenrate von 1733 MBit/s brutto hätte senden oder empfangen können. Dieses Henne-Ei-Problem ist aber nicht neu. Wer momentan eine WLAN-Strecke mit den vollen 1733 MBit/s testen oder gar nutzen will, muss sich zum Beispiel zwei (ja, genau: zwei!) möglichst identische 11ac-4×4-WLAN-Router beschaffen, weil es noch keine vergleichbar schnellen WLAN-Client-Adapter gibt.

D-Link protzt mit 2600 MBit/s

D-Link meldete via PR-Agentur einen WLAN-Router mit sagenhaften 2600 MBit/s in unsere Marktabfrage, und zwar den DIR-890L (AC3200 ULTRA SmartBeam Gigabit Cloud Router) für knapp 340 Euro (siehe Tabelle). Wir können uns aber nicht vorstellen, wie D-Link als einziger Hersteller rein physikalisch schon jetzt in einem Serienprodukt gigantische 2600 MBit/s realisieren will; wir haben die Angaben in der Marktübersicht deshalb eigenmächtig auf 2 × 1300 MBit/s sowie 2 × 3×3-MIMO geändert. D-Link hat dem nicht widersprochen, es aber auch nicht positiv bestätigt.

Das Marketing benimmt sich mit solchen Tricks wie ein Autofan, der sich zwei Porsches zu jeweils 500 PS in seine Doppelgarage stellt und dann den Eindruck erweckt, er habe einen Porsche mit 1000 PS zu Hause. Es ist halt nicht dasselbe.

Netgear kommuniziert 2 × 1300 MBit/s

Netgear haut nicht ganz so auf den Putz wie D-Link und trägt seinen mit dem D-Link DIR-890L vergleichbaren Nighthawk X6 R8000 (AC3200) freiwillig „nur“ mit 2 × 1300 MBit/s und 2 x 3×3-MIMO-Antennendesign in unsere 11ac-Tabelle ein. Zusätzlich hat der Netgear X6 noch ein WLAN-Modul mit 600 MBit/s unter der Haube. Es stehen hier also quasi drei Porsches in der Garage. Will sagen: Es stecken drei WLAN-Funker im Nighthawk.

Der Hersteller erklärt den Grund für diese Additionsmultifunker so: Im heutigen Heimnetz werden viele neue und alte WLAN-Geräte gleichzeitig verwendet, daher böten Triband-Router wie der X6 Nighthawk die Möglichkeit, die Geschwindigkeit der einzelnen Geräte zu optimieren, egal ob es sich um ein älteres Notebook oder das neueste Smartphone handelt. Der Nighthawk sortiere langsame und schnellere Geräte jeweils in die am besten geeignete WLAN-Frequenz ein. Dieser Netzwerklastausgleich und die damit einhergehende Segmentierung ermögliche es dem X6, Störungen besser zu vermeiden. Sechs Hochleistungsaußenantennen und leistungsfähige Verstärker liefern laut Netgear maximale Reichweite. Der 1-GHz-Doppelkernprozessor mit drei Offload-Prozessoren unterstütze ultraschnelle WLAN-, LAN- und USB-Performance. Unterm Strich soll der neue Nighthawk X6 schnelleres WLAN für noch mehr Geräte und ein „blitzschnelles, verzögerungsfreies Streamen und Gaming im ganzen Haus“ bieten.

TP-Link kommt mit Kampfpreisen

TP-Link aus Shenzhen in Südchina hat zum April 2015 sechs 11ac-Basisstationen in unsere Marktabfrage eingetragen, davon fünf mit 3×3 MIMO und 1300 MBit/s, sowie ein Gerät mit 1×1 MIMO bis 433 MBit/s. TP-Link will den deutschen Markt offenbar mit Kampfpreisen erobern. Darüber freuen sich die Mitbewerber natürlich ganz ungeheuer.

Tabelle: 11ac-Router fürs Büro

Die meisten 11ac-WLAN-Router für Consumer bzw. für kleine und mittlere Betriebe funken derzeit bis zu 1300 MBit/s brutto. Asus und Netgear haben aber auch schon erste Geräte für 4×4-MIMO bis 1733 MBit/s im Portfolio.

Modell (ausgewählte Beispiele)* max. Speed im 11ac- Modus Benötigte Kanal­breite MIMO- Antennen Lieferbar in D seit/ab UVP in D in Euro inkl. MwSt.
Asus RT AC87U – Wireless AC2400 Dual-band Gigabit Router 1733 MBit/s 80 MHz 4×4 Q4/2014 229,95
Asus RT AC68U – Dualband Wireless-AC1900 Gigabit-Router 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 Q3/2013 179,95
Asus DSL-AC68U – Dualband Wireless-AC1900 Gigabit-Modem-Router 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 Q3/2014 189,95
AVM Fritz!Box 7490 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 08/2013 289,–
AVM Fritz!Box 3490 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 09/2014 159,–
D-Link DIR-880L – Wireless AC1900 Dual-Band Gigabit Cloud Router 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 07/2014 206,–
D-Link DIR-890L – AC3200 ULTRA SmartBeam Gigabit Cloud Router 2 × 1300 MBit/s 80 MHz 2×3×3 05/2015 339,–
D-Link DAP-1665 – Wireless AC1200 Parallel-Band Access Point 867 MBit/s 80 MHz 2x2 11/2014 106,–
Linksys WRT1900AC – Dual-Band Gigabit Wi-Fi Router 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 04/2014 278,–
Netgear Nighthawk R7000 – AC1900 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 10/2013 158,89
Netgear Nighthawk X4 R7500 – AC2350 1733 MBit/s 80 MHz 4×4 09/2014 169,99
Netgear Nighthawk X6 R8000 – AC3200 2 × 1300 MBit/s 80 MHz 2×3×3 03/2015 299,–
TP-LINK Archer C7 – AC1750 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 Q2/2013 109,90
TP-LINK Archer C8 – AC1750 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 10/2014 119,–
TP-LINK Archer C9 – AC1900 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 12/2014 149,–
TP-LINK Archer D7B – AC1750 Modemrouter 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 09/2014 129,–
TP-LINK Archer VR200v – AC750 433 MBit/s 80 MHz 1×1 Q4/2014 169,–
TP-LINK Archer VR900v – AC1900 1300 MBit/s 80 MHz 3×3 Q3/2014 199,–
TP-LINK Archer C2600 – AC2600 1733 MBit/s 80 MHz 4×4 Q3/2015 k.A.
* Alphabetisch sortiert, Quelle: Dr. Harald Karcher, Stand: 27. April 2015.

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