Apps für die Logistik, Teil 1

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Der Disponent fährt im Smartphone mit

Von Heiderose Witte

Der Hype um Smartphones und Tablets macht auch vor der Logistik nicht halt. Schließlich verwandeln Apps die schicken Mobilgeräte in kompetente Allrounder, die zu mehr Wirtschaftlichkeit und Transparenz in der Logistikkette führen – vor allem dann, wenn die mobilen Lösungen in bestehende Prozesse integriert sind. Bis zu 30 % der Betriebskosten lassen sich damit Experten zufolge unter anderem bei Auslieferungen, Retouren oder Lagermanagement einsparen.

Im logistischen Einsatz sind bereits Apps, die

  • Logistik-, Personalplanungs- und Produktionsprozesse auf Smartphones verlagern,
  • die mobile Werkssteuerung und Transportüberwachung per Tablet-PC ermöglichen,
  • Fahrzeugflotten mobil verfolgen und steuern,
  • Warensendungen per Smartphone verfolgen oder
  • als Transportbarometer jederzeit und überall die aktuelle Marktlage im europäischen Straßentransport abrufen können.

Umfassendes Flottenmanagement

Unter den ersten Anbietern war die Daimler FleetBoard GmbH, die eine passende App für ihre komplexe Backend-Telematiklösung FleetBoard zum Flottenmanagement und zur Einsatzanalyse auf den Markt brachte. FleetBoard ist Träger des Image Awards „Beste Marke Telematik 2011“, der vom Bielefelder Marktforschungsinstitut TNS Emnid ermittelt und von der VerkehrsRundschau vergeben wird.

Die FleetBoard-App an sich ist kostenlos, allerdings kann sie nur mit FleetBoard-Dienstevertrag und entsprechend ausgerüsteten Lkw verwendet werden. Fuhrparkmanager geben den Flottennamen und ein individuelles Passwort ein. Über eine verschlüsselte Verbindung bezieht die App die Daten aus dem Telematiksystem und bereitet sie visuell auf dem iPad oder iPhone auf.

Mit der mobilen Lösung kann man Lkw und Transporter dirigieren und sich die Einsatzanalyse der letzten Tour anzeigen lassen. Während die Wagen unterwegs sind, übermittelt die Anwendung alle Fahrzeug- und Tourinformationen via Mobilfunk und stellt sie passwortgeschützt zur Verfügung. Auf Basis dieser Daten lassen sich z.B. Kraftstoff- und Wartungskosten sowie der CO₂-Ausstoß von Nutzfahrzeugen am PC in der Zentrale auswerten. Laut Daimler lassen sich die Kosten „um nachgewiesene 7 % in den ersten drei Monaten der Nutzung“ reduzieren.

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Schwarz auf Weiß
Was Apps fürs Business leisten können, erklärt Oliver Schonschek kompakt und genau im E-Book „Geschäfte mit mobilen Apps“, das es als freies PDF im Pressezentrum des Mittel­standsWiki gibt.

Fahrer und Fahrzeuge werden außerdem in komplexe Logistikabläufe integriert. Denn Unternehmer und Disponenten erhalten jederzeit und überall Informationen darüber, ob die Touren wie geplant verlaufen oder ob kurzfristig Änderungen erfolgen müssen – im Notfall auch nachts. Man kann Positionen und Tourverläufe live verfolgen und sich die Fahrweisenbewertung der letzten Tour fahrzeug- oder fahrerbezogen anzeigen lassen. Muss der Disponent kurzfristig eingreifen oder spontan einen Auftrag vergeben, so schickt er dem Fahrer eine Textnachricht. Außerdem kann er in SMS-Manier auf die Restlenkzeit hinweisen. Via App werden ferner die neuesten FleetBoard-Handbücher, Anwenderberichte und Neuigkeiten bereitgestellt. Seit Anfang des Jahres steht die App in einer speziellen Variante auch Busunternehmern zur Verfügung.

Eine ähnliche App für Fuhrparkmanager offeriert mittlerweile auch TomTom für seine Online-Lösung Webfleet. Sie ist nicht nur für Apple-, sondern auch für Android-Geräte verfügbar.

TomTom Webfleet.png Ähnlich wie die FleetBoard-App liefert die Webfleet-App von TomTom dem Fuhrparkmanager Details über Fahrzeug und Fahrer. (Bild: tomup.com)

Feedback auf die Betrachtungs­kanäle

Tablets und Smartphones ist es laut den Autoren von Mobile Business Solutions 2012 zu verdanken, dass „bestehende Lösungen, welche auf dem Laptop sporadisch verwendet werden, allein aufgrund der Tatsache, dass sie nun mobil abrufbar sind, neue Beliebtheit erfahren“. Steffen Strobel, Projektverantwortlicher der MBS Daimler FleetBoard, erklärt in der Studie:

„Der Mehrwert des Mobilen gegenüber der Basissoftware liegt nicht in neuen Features, die es jetzt nur mobil gibt. Man muss hier eher an das Kerngeschäft unserer Kunden denken. Dort agiert man nach dem Prinzip ,Management by incident‘, das heißt: Gut läuft es dann, wenn es keinerlei Probleme gibt. Mit der mobilen Lösung bieten wir hier einen Kanal, durch den der Informationsgrad beim Spediteur er­höht wird. Er kann seine Flotte direkt über das iPad verfolgen, sehen, wo es Probleme gibt und remote direkt Maßnahmen einleiten. Dazu hat er alle Informationen wie Handbücher direkt einsehbar. Die App kostet ihn nichts, denn er kauft ja unseren Service vorher ein, das heißt vor allem die Fahrzeugausstattung, Nachrüstung der Flotte mit den GPS-Sendeeinheiten sowie die Telematikdienste-Software samt Backend-Integration. Durch die mobile Lösung haben wir lediglich einen weiteren Betrachtungskanal geschaffen.“
Serie: Logistik-Apps
Teil 1 hält das Smartphone parat und verfolgt den Kurs der Flotte auf dem Display. Und was sagen die Fahrer dazu? Teil 2 verzichtet auf fest installierte Telematik und gibt dem Disponenten Mobilsoftware an die Hand, mit der er einfach und schnell neue Fuhren starten und nachvollziehen kann.

Über das Für und Wider der diversen „Betrachtungskanäle“ und fest installierten Telematiklösungen wird in Truckerforen indes kontrovers diskutiert. Während die einen durch optimierte Routen und Fahrweise von realen Einsparungen z.B. beim Kraftstoff berichten werden in anderen Postings die Kontrollmöglichkeiten moniert:

„Alles wird nur noch überwacht. Demnächst hängt in jeder Ecke ne Kamera und die können alles live gucken …“

Und:

„Mit FleetBoard wird man auf fünf Meter genau geortet. Die Daten, auch Fahrroute mit Geschwindigkeiten, Drehzahlen und, und, und, können heute in der Regel auf drei Jahre rückwärts nachgesehen werden. Bei uns wurden sogar der Tankinhalt und das Ladegewicht überwacht!!! Mir wurde sogar vorgehalten wenn der Motor mal ne Minute zu lange im Stand lief!“

Eine beschwichtigende Antwort und gleichzeitig eine knappe Zusammenfassung liefert dieses Posting:

„Naja, die Dinger haben Vor- und Nachteile … Seid wir sie haben, gibt’s wöchentlich nen Aushang mit ner Liste aller Fahrer und deren Fahrweise (Spritverbrauch, Bremsen, Tempomat usw.) Ist so eine Art Fahrerwertung, wird selbstständig vom System erstellt. Der beste Fahrer bekommt dann 50 Euronen. Es kommt schon mal vor, dass der Fuhrparkleiter dich während der Fahrt anruft und deine Fahrweise kritisiert, denn das Ding überträgt halt alle Daten live. Als Vorteil sehe ich, dass man eigentlich nicht mehr unbedingt mit dem Handy mit der Dispo in Verbindung stehen muss, um die Aufträge zu bekommen. Geht ähnlich wie SMS. Dadurch, dass die Dispo jederzeit sieht, wo du gerade bist, nerven die auch nicht mehr ständig mit ihren Anrufen …“

Welche Apps unabhängig von fest installierten Telematiksystemen arbeiten und wo diese Lösungen punkten, erläutert Teil 2 dieser Serie.

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