Cloud Computing, Teil 2

Aus MittelstandsWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Stadt geht in die Wolke

Von Heiderose Witte

Dass gerade für chronisch klamme Kommunen Cloud-Lösungen mit ihrem Sparpotenzial eine interessante Alternative zum IT-Betrieb in Eigenregie sind, hat Teil 1 dieser Serie gezeigt. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist die Kreisstadt Bergheim in Nordrhein-Westfalen.

Auslöser für die Neuausrichtung des IT-Betriebs war vor allem die Finanznot in den Jahren 2004 bis 2007. In diesem Zeitraum waren alle Ebenen der Verwaltung dazu angehalten, durch nachhaltige und wirtschaftliche Lösungen die Verwaltungskosten in ihren Bereichen zu senken. Die Bergheimer IT-Verantwortlichen haben in diesem Zuge das Projekt „Virtualisierung und Zentralisierung der Anwendungsbereitstellung“ ins Leben gerufen.

Zunächst wurden Standardanwendungen wie Microsoft Office sowie die kommunale Haushaltssoftware über eine Citrix-XenApp-Umgebung den Mitarbeitern zugänglich gemacht. Das aufwendige Patch-Management auf den rund 350 verteilten Endgeräten entfiel somit: Die Client-Software wurde jetzt zentral auf der Serverfarm administriert und gewartet.

Anschließend wanderten weitere Applikationen auf die zentrale Serverfarm, bis die Stadtverwaltung schließlich einen Großteil der Arbeitsplätze komplett über die Citrix-Umgebung bedienen konnte. An den Schreibtischen der Mitarbeiter benötigte man dafür nun keine leistungsfähigen PCs mehr, so dass man die vorhandenen Rechner Schritt für Schritt durch wartungsarme und energieeffiziente Thin Clients des deutschen Herstellers Igel Technology ersetzen konnte.

Solide spart Support-Kosten

Die wirtschaftlichen Vorteile dieser Zentralisierungs- und Virtualisierungsstrategie zeigte eine ganzheitliche Kostenbetrachtung, die die Stadtverwaltung im Jahr 2008 durchführte und die sich methodisch an einer kurz zuvor erschienenen Fraunhofer-Studie orientierte.

E-Government-Serie: Cloud Computing
Teil 1 skizziert die Erwartungen und Anforderungen, die Behörden und Verwaltung an ein Cloud-Konzept richten. Teil 2 fährt in den Rhein-Erft-Kreis und sieht sich an, wie Bergheim in die Cloud gewechselt ist.

Das Ergebnis: Die IT-Ausgaben pro Arbeitsplatz sanken gegenüber der traditionellen Client-Server-Lösung um über 29 %. Erhebliche Einsparungen gehen auf die geringeren Support-Kosten dank des zentralen Anwendungsmanagements zurück, auf die längere Nutzungsdauer der Endgeräte und auf den geringeren Stromverbrauch der Thin Clients.

Eine Evaluierung durch die Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen ergab zudem einen sehr hohen Erfüllungsgrad im Bereich IT-Sicherheit. Ein entscheidender Faktor war dabei die konsequent zentrale Datenhaltung: Sensible Anwendungen und Dokumente lagen nicht mehr auf leicht angreifbaren Endgeräten, sondern ausschließlich auf zentralen Servern. Sie lassen sich so einfacher und besser vor unbefugten Zugriffen schützen. Entsprechend ist die Sicherheit bei Thin Clients generell höher als bei PCs.

Anforderungen an die Anbieter

Der nächste Schritt erfolgte zwischen 2009 und 2010 mit der Auslagerung des IT-Betriebs an den Zweckverband kdvz Rhein-Erft-Ruhr; die „Kommunale Datenverarbeitungszentrale“ hat ihren Hauptsitz in Frechen bei Köln. Als Auswahlkriterien für den externen Dienstleister dienten u.a. die technische Umsetzbarkeit und die rechtliche Sicherheit.

Die kdvz Rhein-Erft-Ruhr erfüllte die Anforderungen: Das Gebietsrechenzentrum ist als Full-Service-IT-Dienstleister für 37 Kommunalverwaltungen tätig, arbeitet gemäß den Standards des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und bietet durch die Rechtsform als kommunaler Zweckverband auch organisatorisch hohe Sicherheit.

Zudem wies die kdvz im Vorfeld des Projekts nach, dass sie die technischen Voraussetzungen für ein Private-Cloud-Modell liefern kann. So zogen dann u.a. über 600 E-Mail-Postfächer, fast 100 Anwendungen, rund 800 GByte Fileserverdaten und diverse Datenbanksysteme in die Wolke um – laut kdvz ein „Großprojekt“.

Auf einen Blick
Die Stadt Bergheim bezieht heute alle IT-Dienstleistungen über eine private Cloud. Die Vorteile:

  • professionelle IT-Arbeitsplätze für alle Mitarbeiter
  • reduzierte Kosten für den IT-Betrieb
  • gewährleistete IT-Sicherheit
  • optimierte Kostentransparenz
  • effizientere Steuerung des IT-Betriebs

Fazit: Kommunal heißt gemeinsam

„Cloud Computing kann, mit Augenmaß angegangen, interessante Vorteile generieren, gerade auch für die öffentlichen Verwaltungen, deren Handeln zunehmend durch die schwierige Finanzsituation bestimmt wird. IT muss wirtschaftlich sein, ohne auf eine hohe Professionalität zu verzichten", meint Wolfgang Berger, Fachbereichsleiter Personal, Organisation, Ordnung, Sport und Kultur in Bergheim. „Vor dem Weg in die Cloud steht jedoch die Standardisierung von Anwendungen, dann bringt die Zentralisierung die besten Ergebnisse. Wenn dann noch alle Akteure an einem Strang ziehen, können solche Projekte den erhofften Erfolg bringen.“

Nützliche Links

Bei Citrix gibt es die Case Study Bergheim kostenfrei als PDF zum Herunterladen.