Glasfasernetze, Teil 2

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Lichtleiter mit gemessenen 51 MBit/s

Von Dr. Harald Karcher

Wozu braucht eine Gemeinde eine Internet-Versorgung über Glasfaser? Darum: Kein VDSL, kein TV-Kabel, kein WLAN, kein UMTS und auch kein LTE kann der Übertragungsbandbreite einer Glasfaser das Wasser reichen.

Hinzu kommt, dass die Lichtwellenleiter im Vergleich zu den bestehenden Kupferkabeln sehr viel bessere Reichweiten erzielen, ohne dass man das Signal nachverstärken müsste, das außerdem weit weniger störanfällig ist. Wie gut der Durchsatz im Endeffekt ist, hängt allerdings konkret von der sogenannten „letzten Meile“ ab, also davon, ab wann die Leitung auf Kupferkabel wechselt: am Straßenrand, im Gebäude oder direkt in jeder einzelnen Wohnung.

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Bis Grundstück, Gebäude oder Wohnung

Es gibt drei unterschiedliche und unterschiedlich teure Glasfaserausbaustufen.

Fiber to the Curb

Beim Fiber-to-the-Curb-Konzept (FTTC) führt man die Glasfasern bis an die grauen Kabelverzweigerkästen auf dem Bürgersteig heran (engl. curb = Bordsteinkante). Dort wird das Internet von glasfaserkompatiblen Laserimpulsen in kupferkompatible Stromstöße umgewandelt. So kann man die jahrzehntealten Kupferkabel der Deutschen Post alias Telekom ohne erneute Grabungsarbeiten bis in die einzelnen Keller benutzen. Je nach Korrosionszustand der Kupferlitzen und Entfernung vom Verteilerkasten kann man das Internet durch raffinierte VDSL-2-Modulationstechniken mit VDSL-25-Speed bis 25 MBit/s oder VDSL-50 bis 50 MBit/s durch die uralten Postleitungen jagen. Besser klappt VDSL jedoch mit neuen Kupferkabeln.

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Thema: Breitbandausbau:
Dr. Jürgen Kaack hat eine Reihe von Projekten als Berater begleitet. Einige aus der Region Nordrhein-Westfalen stellt er ausführlicher als Best-Practice-Beispiele vor: Arnsberg, Ennepetal, Erftstadt, Erkelenz und Wegberg sowie die Lage im gesamten Kreis Heinsberg, ferner Geilenkirchen, Haltern am See, Kaarst, Nettetal und Rheurdt. Außerdem berichtet er von der T-City Friedrichshafen, erläutert die möglichen Geschäftsmodelle im kommunalen Breitbandausbau sowie die Optionen der NGA-Rahmenregelung und setzt auseinander, wo Vectoring seine Haken hat. Nicht zuletzt skizziert er die Prinzipien einer Breitbandstrategie NRW und macht handfeste Vorschläge für eine umfassende Breitbandstrategie. Seine gesammelten Erfahrungen sind 2016 in der Reihe MittelstandsWiki bei Books on Demand erschienen: „Schnelles Internet in Deutschland“ (Paperback, 220 Seiten, ISBN 978-3-946487-00-5, 9,99 Euro).

Fiber to the Building

Bei Fiber to the Building (FTTB) führt man die Glasfasern bis in den Keller der einzelnen Gebäude (= building) hinein. Dazu muss bis zu jedem Keller meist neu gegraben und jede Kellerwand durchbohrt werden, danach muss die Hausdurchführung wieder gas- und wasserdicht versiegelt werden. Erst im Keller wird das Übertragungssignal umgewandelt. Die hausinterne Kupferverkabelung wird weiter genutzt.

Fiber to the Home

Bei Fiber to the Home (FTTH) werden Glasfasern kompromisslos bis in die einzelnen Wohnungen oder sogar Räume geführt. Das ist die konsequenteste, leistungsfähigste und zukunftssicherste, aber auch kostenintensivste Lösung, weil man keine vorhandene Infrastruktur auf der „letzten Meile“ mitbenutzen kann.

Serie: Glasfasernetze

  • Teil 1 ernennt einen Breitbandpaten für Langerringen und arbeitet sich durch das Markterkundungs- und Auswahlverfahren.
  • Teil 2 begutachtet die fertige FTTC-Installation und misst vor Ort, welche Werte das Glasfasernetz real erreicht.
  • Für einen Extrabeitrag kam Harald Karcher noch einmal nach Langerringen, um zu prüfen, ob der mittlerweile verfügbare LTE-Funk eine tragfähige Alternative wäre.

Praxismessungen

Im September 2012 hatten wir Gelegenheit, die Internet-Geschwindigkeit im Fiber-to-the-Curb-Netz von Langerringen zu messen, und zwar im Rathaus und in einem Gewerbebetrieb.

Der Laptop ist über das gelbe Ethernet-Kabel (rechts) direkt mit dem VDSL-LAN-WLAN-Router ver­bunden. Hier brachte er im Server­raum des Rat­hauses im Sep­tember 2012 spontan 51,11 MBit/s Down­load und 4,86 MBit/s Upload bei exzellenten 8 ms Pingtime. (Bild: Harald Karcher)

Im Rathaus

Im Serverschrank des Rathauses zu Langerringen mündet das VDSL2-Internet von M-net im Dachgeschoss in einen VDSL-LAN-WLAN-Router in Gestalt der AVM Fritz!Box Fon WLAN 7570 VDSL. Unser Laptop Sony Vaio S13A war zunächst über Ethernet-Kabel direkt mit diesem VDSL-Router verbunden. Hier brachte er spontan 51,11 MBit/s Download und 4,86 MBit/s Upload bei 8 ms Pingtime.

Weitere Messungen brachten ähnliche, extrem stabile Werte. Besonders die Downloads von 51 MBit/s und die Ping-Zeiten von 8 bis 15 ms sind bemerkenswert. Zum Vergleich: Ein ziemlich guter VDSL-50-Anschluss der Telekom bringt im Büro des Autors in München direkt an einer AVM Fritzbox 7390 per September 2012 meist 45 bis 48 MBit/s Download und 7 bis 9 MBit/s Upload bei Ping-Zeiten von 22 bis 25 ms auf dem schnellen Core-i7-Laptop.

Im Erdgeschoss des Rathauses kamen 33 MBit/s Download und 4 MBit/s Upload bei Ping-Zeiten von 135 ms aus dem Rechner. Die Speed-Differenz geht also im hausinternen Ethernet-Netzwerk verloren. (Bild: Harald Karcher)

Im Erdgeschoss des Rathauses, am Arbeitsplatz von Verwaltungsfachwirt Franz Wilhelm, dem Breit­band­paten des Projekts, kamen bei unserem Besuch spontan 33 MBit/s Download und 4 MBit/s Upload bei Ping-Zeiten von 135 ms auf dem Rechner an. Die Speed-Differenz zwischen Erdgeschoss und Dachgeschoss geht also im hausinternen Ethernet-Netzwerk des Rathauses verloren. Bei unseren Messungen waren noch weitere Rechner im Rathausnetzwerk aktiv, die ebenfalls einen gewissen Teil der angelieferten M-net-Bandbreite verbrauchten.

Im Gewerbebetrieb

Die RLB Rohrleitungsbau Bischof GmbH zu Langerringen verlegt, installiert und wartet Gasleitungen im Umkreis von 100 km. RLB nutzt die moderne Glasfaser-Kupfer-Infrastruktur seit Sommer 2011. Über diese Netze kommen Internet und Telefonie over IP von M-net aus München.

Am Schreibtisch des Ge­schäfts­führenden Gesell­schafters der RLB Rohr­leitungs­bau Bischof GmbH brachte unser Sony Vaio S13A spontan Mess­werte von 51,10 MBit/s Down­load und 4,84 MBit/s Upload bei exzellenten 10 ms Pingtime. (Foto: Harald Karcher)

Im Keller des Rohrleitungs­bau­unternehmers mündet das Internet wie im Rathaus in eine AVM Fritz!Box Fon WLAN 7570 VDSL als VDSL-LAN-WLAN-Router. Von dort wird es per Ethernet an die Arbeits­plätze der Firma verteilt. Die Telefonie läuft über eine separate Telefon­anlage (Auers­wald COMpact 4410 USB). Bei unseren Messungen im September 2012 hing ein sehr schneller Laptop Sony S13A per Ethernet-Kabel direkt an der Fritz!Box. Auf Anhieb kamen 51,17 MBit/s Down­load und 4,86 MBit/s Upload bei 15 ms Pingtime.

Im Erdgeschoss, am Schreibtisch des Geschäftsführenden Gesellschafters der RLB Rohrleitungsbau Bischof GmbH zu Langerringen, Stefan Bischof, brachte unser Sony-Vaio-S13A-Laptop spontan 51,10 MBit/s Download und 4,84 MBit/s Upload bei 10 ms Pingtime. Weitere Messungen brachten sehr ähnliche, extrem stabile Werte.

Fazit: Der Ferrari unter den Breitband-Trägermedien

Besonders die Downloads von 51 MBit/s und die Ping-Zeiten von 10 bis 15 ms fühlen sich sehr flott an. So merkt man auch bei Cloud Computing kaum noch, dass der Rechner an einem entfernten Standort und nicht wie früher im eigenen Keller steht.

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