Eigenkapitalquote, Teil 2

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Koeffizient der Kreditwürdigkeit

Von Gerald Strömer

Die Selbstfinanzierung – also die Finanzierung des Geschäftsbetriebes aus selbst erzielten Gewinnen – hat für praktisch jedes Unternehmen eine hohe Bedeutung, weil sie der Königsweg zur Eigenkapitalbildung ist. Besonders wichtig ist sie aber für junge Unternehmen, weil sie sich externe Kapitalquellen (Fremdkapital) oft nur sehr schlecht oder sogar gar nicht erschließen können.

Wenn aber kein Weg um die Zufuhr von Fremdkapital herumführt, wird für potenzielle Kapitalquellen unter anderem eine Kenngröße besonders interessant: die Eigenkapitalquote.

Geteilt durch Gesamtkapital

Die Eigenkapitalquote beschreibt den Anteil des Eigenkapitals an der bereinigten Bilanzsumme eines Unternehmens. Diese Kennzahl setzt das Eigenkapital in ein Verhältnis zum Gesamtkapital des Unternehmens. Sie wird oft zur Beurteilung der finanziellen Stabilität und Unabhängigkeit eines Unternehmens herangezogen, da ein hoher Anteil von Eigenkapital generell als Garant für diese beiden Faktoren angesehen wird.

Dieser Logik folgend sollte bei einem erhöhten Ertragsrisiko auch der Anteil des Eigenkapitals höher sein. Die Eigenkapitalquote müsste daher unter Berücksichtigung dieses Sicherheitsaspekts derart optimiert werden, dass eine weitgehende Unabhängigkeit von Gläubigern erreicht wird.

Eine hohe Eigenkapitalquote stärkt zudem die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens und verbessert seine Fähigkeit, bei Bedarf schnell zusätzliches Fremdkapital aufzunehmen, mögliche Verluste besser abzufedern und die Belastung mit Zins- und Tilgungszahlungen zu reduzieren.

Serie: Eigenkapital
Teil 1 ist ein Überblick und sortiert das Gesamtvermögen nach möglichen Quellen und Konditionen. Teil 2 erläutert die Anteils­berechnung und sagt, warum die Haus­mittel für die wei­tere Finan­zierung ent­scheidend sind.

Statistik im Ausnahmezustand

Die spezifische Höhe der Eigenkapitalquote eines Unternehmens ist von vielen Umständen abhängig. Dazu gehören unter anderem die Größe des Unternehmens, seine Rechtsform, die Branchenzugehörigkeit und etliche weitere Faktoren. Am niedrigsten ist die Eigenkapitalquote generell bei Banken und Baubetrieben, die im unteren einstelligen Prozentbereich agieren, und am höchsten bei der chemischen Industrie, wo sie bei 35 bis 40 % liegen kann.

Die KfW-Studie Eigenkapital im Mittelstand und Finanzierung in der aktuellen Krise (Akzente 1/2009) zeigt für die Jahre 1998 bis 2007 eine steigende Tendenz bei den Eigenkapitalquoten deutscher Unternehmen. Ende 2007 lag sie im deutschen Durchschnitt bei 25,5 %, was einem Zuwachs von 8 % für den betrachteten Zeitraum entsprach. Mittelständische Unternehmen steigerten ihre Eigenkapitalquote dabei besonders stark. Die KfW-Förderzahlen deuten zudem darauf hin, dass sich dieser Trend bis Mitte 2008 fortgesetzt hat. Dadurch verfügten deutsche Unternehmen über eine bessere finanzielle Ausstattung als bei der letzten großen Rezession zur Jahrtausendwende.

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Puffer für harte Zeiten

Die aktuelle Lage macht den Eigenkapitalaufbau der vergangenen Jahre allerdings rasch wieder zunichte. Durch die Wirtschaftskrise der letzten jüngeren Zeit und den dadurch bedingten Rückgang der Wirtschaft sind die Eigenkapitalquoten marktübergreifend im Sinkflug begriffen. Denn im Gegensatz zur letzten großen Rezession betrifft die jüngste Krise fast alle Wirtschaftszweige, was den Vorteil der initial höheren Eigenkapitalausstattung negieren dürfte. Dennoch puffert das aufgebaute Eigenkapital jetzt Umsatzeinbußen ab, die sonst sofort und direkt durchschlagen würden.

Geldwerte Argumente
„Viele mittelständische und auch große Unter­nehmen müssen in den nächsten Mo­naten hin­sicht­lich ihrer Finanzierungs­situation durch eine schwierige Phase ge­steuert werden. Auch wenn es erste An­zeichen einer Konjunktur­erholung gibt, werden der­zeit viele Unter­nehmen mit Bilanzen in Finanzierungs­verhandlungen eintreten müssen, die eine ge­schwächte Ertrags- und Liquiditäts­lage wider­spiegeln. Dabei treffen sie nicht selten auf Banken mit erhöhter Risiko­sensitivität, die nicht zu­letzt auch aus regulato­rischen Eigen­kapital­restriktionen für die Insti­tute selbst resultiert. Unter­nehmen, die die Jahre der guten Kon­junktur zur Stär­kung ihres Eigen­kapitals genutzt haben, dürften jetzt davon pro­fitieren“, so Dr. Frank Reize, Refe­rent in der Volks­wirtschaft­lichen Ab­teilung der KfW Bankengruppe.

Aufgrund der harten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist die Eigenkapitalquote gleichzeitig so wichtig wie selten zuvor, da ein hoher Eigenkapitalanteil zunehmend von Bedeutung für den Kreditzugang ist – eine vertrackte Situation. Besonders Banken setzten schon in den letzten Jahren verstärkt interne Rating-Verfahren ein, die Wert auf eine hohe Eigenkapitalquote legen. Ein hoher Eigenkapitalanteil verbessert daher die Chancen von Unternehmen enorm, die derzeitige Phase erschwerter Finanzierungsbedingungen intakt zu überwinden.

Fazit: Aus eigener Kraft

Unternehmen, die in den letzten Jahren konsequent ihre Eigenkapitalbasis stärken konnten, haben besonders gute Chancen, die immer noch andauernden Turbulenzen an den Märkten gut zu überstehen. Die Eigenkapitalquote selbst wird für die Vergabe von Krediten und die Zufuhr von Fremdkapital immer wichtiger. Im Prinzip gilt: Wer in der Vergangenheit gut gewirtschaftet hat, kann in der Not die härtesten Schläge eine Zeit lang mit diesem Polster abfedern.

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Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazin­reihe. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Entscheidend ist allerdings der Zeitpunkt. Unternehmen, die von der Krise sozusagen „im Sprung“ erwischt wurden – auf neue Märkte, mit neuen Produkten oder anderen Vorhaben –, fallen besonders hart. Daran ändern oft auch die staatlichen Finanzhilfen wenig, denn die Förderprogramme stellen lediglich mögliche Mittel bereit. Für die Vergabe sorgen weiterhin die Banken. Und die wollen beim Kreditgespräch unverändert Eigenkapital sehen.

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