Fallen im Chinageschäft

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Wo das gelbe Phantom umgeht

Von Sabine Philipp

Schon längst haben Betrüger die China-Euphorie als lukrative Einnahmequelle entdeckt. Die gängigsten Maschen sind nicht einmal besonders trickreich. Dennoch haben sie bereits Opfer gefunden, die im Eifer der Expansion alle Vorsicht fahren ließen. Dabei hilft in den meisten Fällen bereits der gesunde Menschenverstand.

Die Deutsch-Chinesische Wirtschaftsvereinigung e.V. (DCW) warnt z.B. vor zwielichtigen Gesellen deutscher oder österreichischer Herkunft, die einen Großauftrag aus China in Aussicht stellen. Sie benötigen nur noch Produktpräsentationen in Form von CD-ROMs oder Videos. Ganz zufällig könnte der Mittelsmann selbst oder eine befreundete Firma diese Aufgabe für ein paar tausend Euro erledigen. Nun sind Unternehmens- oder Produktvideos zwar tatsächlich recht beliebt in China. Wenn aber der chinesische Kunde nie in Erscheinung tritt und auch der Vermittler nichts über ihn verlauten lässt, sollten Sie vorsichtig sein.

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Vielleicht haben Sie ja Post von chinesischen Registrierungsfirmen bekommen. In der weist man Sie freundlicherweise darauf hin, dass Ihr Domain-Name bzw. ein interessantes Schlüsselwort durch ein chinesisches Unternehmen beantragt wurde? Achtung: Meist handelt es sich hier um Akquiseversuche, bei denen die Fremdregistrierung nur vorgetäuscht wird, erklärt die IHK. Oft haben die Absender nicht einmal die Befugnis, Domain-Namen zu registrieren.

Serie: Keine Angst vor den Chinesen
Teil 1 sagt, worauf KMU beim China-Engagement achten müssen. Teil 2 untersucht, was der Produktionsstandort wert ist. Teil 3 gibt Tipps für den Behördengang im Kader-Kapitalismus. Teil 4 zeigt, welche Chancen der Absatzmarkt bietet. Teil 5 ist ein Crashkurs zu Schlangen, Sitten und Gebräuchen. Eigene Beiträge warnen außer­dem vor den gängig­sten Fallen im Chinageschäft und befas­sen sich mit dem Patentschutz für China.

Falls Sie wirklich befürchten, dass sich jemand Ihre chinesische Domain geschnappt hat, sollten Sie sich lieber an die China-Vertretung der deutschen Auslandshandelskammern wenden. Die untersucht, ob es wirklich einen Registrierungsversuch gab und wer dahinter steckt. In einem solchen Fall ist es besser, wenn Sie mithilfe der AHK versuchen, dem Übeltäter die Domain abzukaufen. Dann ist laut IHK auch die Gebühr meist deutlich niedriger als beim Direktkontakt mit den betrügerischen Firmen. Von Beschwerdeverfahren sollten Sie lieber die Finger lassen. Die sind zeitaufwändig und teuer.

Zwangsweise Spendierhosen

Auch im folgenden Fall mahnt die IHK zur Vorsicht: Eine E-Mail von einer chinesischen Firma verspricht einen konkreten Auftrag in größerem Umfang. Der Lieferantenvertrag ist in Ordnung, und Sie müssen nur noch nach China reisen, um die Formalitäten zu erledigen.

Bei der IHK Region Stuttgart weiß man von mehreren solcher Anfragen. Unternehmer, die daraufhin nach China gereist sind, wurden dann vor Ort genötigt, große Summen für Gastgeschenke und Restaurantbesuche zu bezahlen.

Das Problem dabei ist, dass man solche Gesellen immer schwerer durchschauen kann. Denn während bei früheren Lockvögeln die chinesischen Firmen meist gar nicht existierten oder es sich um Scheinfirmen handelte, gibt es nun Anfragen von Unternehmen, die zumindest einen Internet-Auftritt und eine nachvollziehbare Adresse und Festnetznummer haben. Das macht die Sache nicht gerade leichter.

Deshalb rät die IHK Region Stuttgart bei einer Anfrage zu prüfen:

  • Ist die chinesische Firma unaufgefordert auf Sie zugekommen, ohne dass Sie jemals Kontakte nach China hatten?
  • Ist der Vertrag für auffällig vorteilhaft gestaltet?
  • Ordert der chinesische Kunde große Mengen, kann Ihnen aber keine Auskunft geben, was er mit den Produkten machen will?
  • Gibt es die chinesische Firma wirklich? Ist sie z.B. im Web präsent? Falls ja, sind dort ähnliche Produkte aufgeführt wie solche, die sie ordert?
  • Benutzen die chinesischen Ansprechpartner E-Mail-Adressen von Yahoo, Hotmail, 163.com, sohu.com oder anderer kostenloser Anbieter?
  • Wird nur eine Mobiltelefonnummer angegeben? Können Sie über die angegebene Festnetznummer niemanden erreichen?
  • Gibt es eine konkrete Adresse?

Falls Ihnen Ungereimtheiten auffallen, sollten Sie besser die Finger von diesem Geschäft lassen.

Fazit: Prüfen, was wirklich ist

Wenn Sie sich Ihres chinesischen Partners nicht ganz sicher sind, sollten Sie eine Anfrage bei der Deutschen Auslandshandelskammer in China stellen; Ansprechpartnerin ist Frau Dora Fung. Dort können Sie ein Gutachten über die Firma erstellen lassen. Ansonsten weiß in der Regel Ihre IHK oder Handwerkskammer gut Bescheid, welche neuesten Betrugsmaschen gerade in Umlauf sind.

Und behalten Sie einen klaren Kopf – auch wenn im fernen China alles ganz anders ist. Wenn Ihnen ein bestimmtes Geschäftsgebaren nicht ganz sauber vorkommt, dann fragen Sie sich, welche Zwecke es wohl verfolgt. Lassen Sie sich nicht damit abwimmeln, dass das „dort so üblich“ ist. Haken Sie lieber nach, ob es wirklich stimmt. Vergessen Sie nie: Kein Mensch hat was zu verschenken. Nur Schlitzohren tun so, als ob.

Nützliche Links

Kompetente Ansprechpartner in Zweifelsfällen sind neben den IHK auch die Deutsch-Chinesische Wirtschaftsvereinigung e.V. (DCW) und die BHK international.