Burn-out

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Dem Kollaps zuvorkommen

Von René Bernard

Wir treiben Sport, gehen zum Zahnarzt und kontrollieren unsere Blutwerte. Doch nur wenige Menschen sorgen vor, wenn es um ihre geistige Gesundheit geht. Zu Unrecht, denn psychische Erkrankungen machen heute bereits knapp 10 % aller Ausfalltage aus, ermittelte kürzlich das Wissenschaftliche Institut der AOK in seinem jährlichen Fehlzeiten-Report.

Besonders die Zahl der Burnout-Fälle steigt seit Jahren, sie kosten mittelständische Unternehmen Milliarden. „Firmen tun gut daran, ihren Leistungsträgern zu zeigen, wie sie sich vor Burnout schützen“, sagt Christina Henn-Roers, Expertin für Burnout-Prävention. Sie hilft insbesondere Fach- und Führungskräften im Mittelstand, nachhaltig gesund und leistungsfähig zu bleiben.

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„Eine Burnout-Prävention hilft, Risikofaktoren zu entschärfen“, sagt Henn-Roers. Ziel sei eine Situation, in der Mitarbeiter dauerhaft leistungsfähig bleiben und Befriedigung in ihren Aufgaben finden. Oft sei dazu ein Umdenken im Unternehmen notwendig, das Mitarbeiter nicht nur als Kostenstellen ansehen sollte. Jedoch: „Viele Mitarbeiter verstellen sich auch selbst den Weg aus der krankmachenden Situation“, sagt Henn-Roers. „Sie scheitern am eigenen Perfektionsanspruch und beuten sich bereitwillig selbst aus.“

Zwängen entkommen

Hilfe zur Selbsthilfe gibt Henn-Roers in Coaching-Gesprächen mit Leistungsträgern und Risikokandidaten, meist unter Einbeziehung der Firmenleitung. „Das berufliche Umfeld mit einzubinden ist optimal. Übergeordnete Ziele werden mit dem Vorgesetzten häufig gemeinsam abgestimmt und evaluiert, die Inhalte der Gespräche werden aber absolut vertraulich behandelt.“

Doch viele sprechen sie auch unabhängig von ihrem Arbeitgeber direkt an. Ihren Klienten hilft Henn-Roers, ihre Situation aus einer anderen Perspektive zu beurteilen und einer scheinbaren Zwangssituation zu entkommen. „Besonders die eigene Selbstachtsamkeit müssen viele Menschen erst neu lernen.“ Einfache Änderungen am Tagesablauf können bereits viel bewirken. „Wer viel leistet, braucht auch Pausen. Die sollten mit der gleichen Konsequenz eingeplant und genommen werden, als seien sie wichtige Medikamente.“

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Christina Henn-Roers, MBA, ist spezialisiert auf Burnout-Prävention im Mittelstand und in der IT. Sie erwarb ihr Coaching-Zertifikat bei Christopher Rauen] und arbeitete elf Jahre als Projektleiterin und Trainerin für einen internationalen IT-Dienstleister.

Frau Henn-Roers, warum erkranken so viele Menschen an Burnout?
Viele Menschen überschreiten regelmäßig ihre Grenzen, doch niemand kann ständig Höchstleistungen bringen. Kommen ein schlechtes Arbeitsklima oder individuelle Risikofaktoren dazu, ist das Frustrationspotenzial riesig. Wenn Menschen dauerhaft das Gefühl haben, nur noch zu funktionieren und den Erwartungen anderer entsprechen zu müssen, sind sie gefährdet. Wer lernt, auf sich selbst zu hören und Warnsignale zu erkennen, ist nachhaltig erfolgreicher.
Wie kann ich einem Burnout vorbeugen?
Nehmen Sie sich mehr Zeit für sich selbst und tun Sie Dinge, die Ihnen gut tun. Damit meine ich nicht, den gleichen Ehrgeiz alternativ beim Sport auszuleben. Mal nicht auf Top-Niveau zu agieren, ist hilfreicher. Je mehr wir leisten, desto mehr Zeit brauchen wir auch, um uns zu regenerieren. Nehmen Sie sich selber wichtig und geben Sie Acht auf sich. Versuchen Sie regelmäßig, Ihre Situation zu hinterfragen und aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Überlegen Sie, ob Sie etwas verändern möchten und welche Handlungsoptionen Ihnen zur Verfügung stehen. An dieser Grundhaltung kann gut im Rahmen eines Coachings gearbeitet werden.
Welche Möglichkeiten bietet ein Coaching noch?
Wenn Menschen in einer Sackgasse feststecken, ist eine professionelle Hilfestellung wichtig, damit sie nicht an Burnout erkranken. Ich unterstütze im Rahmen von Gesprächen dabei, das eigene Handlungsspektrum zurückzugewinnen und das Gefühl, fremdbestimmt zu sein, abzuschütteln. Mittels bestimmter Fragetechniken führe ich meine Klienten zu einem tieferen Verständnis der Situation und trainiere mit ihnen Verhaltensweisen, die aus der Krise führen. Im Ergebnis bekommen die Menschen so für sich eine neue Vision und gestalten ihr Berufsleben aktiv.

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