Digitaler Wandel trotz IT-Fachkräftemangel

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Der Mittelstand 4.0 braucht verlässliche Dienstleister

Von Sven Krahn, Singlepoint

„Die erste Halbzeit der Digitalisierung haben wir in Europa verloren“, bilanzierte Timotheus Höttges, Vorstands­vorsitzender der Deutschen Telekom, am 21. Oktober 2014 auf dem 8. Natio­nalen IT-Gipfel in Hamburg. Im Publikum saß das Who’s who der deutschen Wirt­schaft und Politik. Angela Merkel war eigens an die Alster gereist, und zwar „mit ihrem halben Kabinett“, wie der Tages­spiegel berichtet.

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Fachkräfte für die Digitalisierung

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sorgte sich vor allem um den deutschen Mittelstand. Für die Hälfte der mittelständischen Unternehmen seien digitale Technologien „nicht Teil der Unternehmensstrategie“, zitierte Gabriel aus einer repräsentativen Studie der DZ Bank.

Doch woran liegt es, dass Mittelständler nicht stärker auf digitale Technologien setzen? Lässt sich mit den beim Hamburger IT-Gipfel angekündigten Maßnahmen zur Forschungs- und Entwicklungsförderung, zum Breitbandausbau und zu einem besseren Investitionsklima tatsächlich Land gewinnen?

Ein Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt, dass die Digitalisierung in Deutschland vielfach nicht an der Infrastruktur scheitert: Zwar ist die IT-Branche, dem Hightech-Brachenverband BITKOM zufolge, mit 953.000 Beschäftigen nach dem Maschinenbau inzwischen der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber in Deutschland, doch von dieser Statistik werden nicht nur Programmierer erfasst. Tatsächlich ist der Mangel an IT-Fachkräften eklatant: Branchenübergreifend gelten laut BITKOM 39.000 Positionen in Entwicklungsabteilungen als offen und auch langfristig nur schwer zu besetzen.

IT-Dienstleister im Aufwind

Das zurzeit größte Innovationshemmnis ist nicht der noch ausstehende Breitbandausbau, sondern das fehlende Know-how. Weder dem Logistikunternehmen in Ostwestfalen noch dem Pharmaproduzenten in Salzgitter ist mit DSL über Glasfaserkabel geholfen, wenn Software-Entwickler und Produktmanager fehlen, die z.B. IT-Projekte zur Automatisierung von Arbeitsabläufen realisieren könnten. Ob es gelingt, den Weg zur – auch beim IT-Gipfel in Hamburg oft beschworenen – Industrie 4.0 zu beschreiten, hängt nicht zuletzt von den personellen Ressourcen ab.

Entsprechend stark und schnell wachsend ist die Nachfrage, die IT-Dienstleister zurzeit verzeichnen. Das Marktforschungsunternehmen techconsult hat ermittelt, dass bereits 34 % aller Unternehmen bei der Software-Entwicklung auf externe IT-Dienstleister setzen. Weitere 33 % der Unternehmen geben an, die Entwicklung und Wartung von Software zukünftig outsourcen zu wollen.

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Sven Krahn ist Gründer und Geschäftsführer der Berliner Singlepoint GmbH, einem Fullservice-Dienstleister für die Realisation von Software-Projekten in Nearshore-Ländern wie Armenien, der Ukraine und Weißrussland. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Software-Projekten und gilt als einer der Pioniere in der Zusammenarbeit mit externen Entwicklerteams. In jeweils leitender Position war Sven Krahn in der Vergangenheit für führende Internet-Konzerne wie 1&1, AOL, eBay und Lycos tätig. Als Chief Information Officer (CIO) verantwortete er zuletzt den gesamten IT-Bereich der Leipziger Unister-Holding mit mehr als 500 Mitarbeitern.


Singlepoint GmbH, Invalidenstr. 112, 10115 Berlin, Tel.: 030-555732211, info@singlepoint.io, www.singlepoint.io/de/

Tatsächlich bietet Outsourcing für Unternehmen zahlreiche Vorteile – zusätzlich zur schnellen Verfügbarkeit von Experten und Entwicklerteams sind vor allem die höhere Flexibilität und Skalierbarkeit beim Dienstleister entscheidend. Auch den indirekten Preisvorteil durch den Wegfall von Sozialabgaben sollten Arbeitnehmer nicht zu gering einschätzen.

Diese Vorteile ergeben sich jedoch nicht automatisch. Entscheidend für das erfolgreiche Outsourcing von Software-Entwicklung, sind vielmehr zahlreiche Faktoren. Wer wirklich von der Zusammenarbeit mit externen IT-Dienstleistern profitieren möchte, sollte die Anforderungen an das zu realisierende Projekt vorab möglichst genau kennen und den Dienstleister entsprechend auswählen. Soll z.B. eine Applikation für Apple- und Android-Smartphones entwickelt werden, ist eine auf Web-Entwicklungen spezialisierte Software-Agentur kaum der richtige Ansprechpartner.

Fazit: So finden Mittelständler den richtigen IT-Partner

Konkret sollten Unternehmen sich bei der Wahl des passenden IT-Dienstleisters von folgenden sieben Fragen leiten lassen:

  1. Welchen Umfang hat die eingekaufte Dienstleistung? Müssen Mitarbeiter des eigenen Unternehmens das Projektmanagement und die Qualitätssicherung verantworten oder handelt es sich um einen Fullservice-Dienstleister?
  2. Wie seniorig sind das Management-Team und die Mitarbeiter, die für die Realisation des Projekts zuständig sind?
  3. Verfügt der beauftragte Dienstleister über ausreichende Erfahrung in der Realisation von vergleichbaren Software-Projekten?
  4. Erfüllen die infrage kommenden Dienstleister die Reglements des deutschen Datenschutzrechts? Sind sie zusätzlich fähig, den unternehmenseigenen Compliance-Vorgaben zu entsprechen?
  5. Sieht der Vertrag die Möglichkeit vor, Zwischenstände einzusehen und – falls nötig – Nachbesserungen an der Software vornehmen zu lassen?
  6. Erwirbt das aufftraggebende Unternehmen das alleinige und gegebenenfalls sogar unterlizensierbare Recht an der entwickelten Software?

Neben den harten Fakten spielt auch das Vertrauensverhältnis zum potenziellen Kooperationspartner eine entscheidende Rolle. Wie immer in Geschäftsbeziehungen ist der direkte Dialog auf Leitungsebene unverzichtbar. Im persönlichen Gespräch sollten Fragen und Erwartungshaltung offen und konstruktiv besprochen werden.

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