Geistiges Eigentum verwerten

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Mit Erfindungen finanzieren

Von Sebastian Seibold, Vantargis AG

Geistiges Eigentum bzw. Intellectual Property (IP) ist mittlerweile der wichtigste Wertfaktor in modernen und innovativen Unternehmen. Zunehmende Sicherheit durch Standards in der Bewertung machen es auch als Finanzierungsinstrument für den Mittelstand interessant.

Im Zuge des Strukturwandels zu technologieintensiveren Produktionsprozessen und einem wissensintensiveren Dienstleistungsangebot gewinnt geistiges Eigentum als Produktionsfaktor zusehends an Bedeutung. Eine Studie des Brookings Institute kam zu dem Ergebnis, dass sich der Anteil der immateriellen Vermögenswerte am Gesamtwert der Unternehmen im S&P-500-Aktienindex in den Jahren 1982 bis 2002 von 38 % auf 87 % drastisch erhöht hat.

Die Kreditwirtschaft zögert

Für die OECD-Staaten und Deutschland geht man von vergleichbaren Zahlen aus. Dennoch spiegelt sich die herausragende Rolle immaterieller Vermögenswerte für die Zukunftsbranchen noch nicht in einem entsprechenden Bedeutungszuwachs für die Unternehmensfinanzierung wider. Obwohl beispielsweise Patente und Marken zentrale Anforderungen an Kreditsicherheiten erfüllen – wie Fungibilität und juristische Durchsetzbarkeit –, werden sie von der Kreditwirtschaft bisher nur in sehr geringem Umfang akzeptiert.

Diese Zurückhaltung ist kaum verständlich, da die Sicherheit über die realisierbaren Verwertungserlöse aus immateriellen Vermögenswerten zugenommen hat. Aufgrund einer dynamischen Entwicklung in jüngerer Zeit gibt es mittlerweile eine zunehmende Zahl an in der Praxis allgemein anerkannten Bewertungsverfahren bzw. liquide Märkte.

Clevere Konzepte bewerten gerechter

Doch es gibt schon jetzt Möglichkeiten, geistiges Eigentum in die Finanzierung einzubringen. Beim Sale-and-Lease-Back (SLB) wird es in einem ersten Schritt verkauft und in einem zweiten über einen Nutzungsüberlassungsvertrag, der Finanzierungsvolumen, Vertragslaufzeit sowie Nutzungsentgelt regelt, wieder dem Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Dieser Rückmietverkauf bringt drei entscheidende Vorteile:

  1. werden die Kreditlinien bei den Hausbanken nicht belastet,
  2. steht den Unternehmen schnell Kapital zur Verfügung – in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen. Am wichtigsten ist jedoch
  3. ein fairer Wertansatz der IP-Sicherheiten.

In Deutschland lässt sich eine Reihe immaterieller Vermögenswerte unterscheiden, die unterschiedliche rechtliche Charakteristika aufweisen. Entsprechend unterschiedlich ist auch ihre Eignung als Finanzierungsinstrument. Wichtige immaterielle Vermögenswerte sind: Patente, Marken, Urheberrechte sowie Gebrauchs- und Geschmacksmuster. In der Praxis sind überwiegend Patente und Marken im Rahmen der Unternehmensfinanzierung von Bedeutung.

Vorteile der externen Rechnungslegung

Selbst wenn das geistige Eigentum sehr werthaltig ist, schlägt sich dies in der Regel nicht in der Bilanz nieder. Während erworbene immaterielle Vermögenswerte grundsätzlich bilanzierungs- und abschreibungspflichtig sind, besteht für selbsterstelltes IP ein Aktivierungsverbot (§ 248 Abs. 2 HGB bzw. in IAS 38).

Marken und Schutzrechte werden allerdings oft im Unternehmen selbst aufgebaut bzw. entwickelt. Über die Jahre entstehen häufig sogar hohe stille Reserven. In diesen Fällen kann ein bilanzoptimiertes Leasing (Off Balance) besonders interessant sein. Bilanzexterne Finanzierung heißt vor allem, dass sie in der Bilanz nicht sichtbar ist und damit auch keine negativen Einflüsse auf Rating oder Bonitätsfaktoren hat. Durch einen Rückmietverkauf können Unternehmen solche stillen Reserven heben und damit frische Liquidität generieren.

Abgesehen davon kann es sich mit Blick auf die Erbschaftsteuerreform lohnen, den Wert von IP bestimmen zu lassen, um evtl. einer ungünstigeren Schätzung zu entgehen.

Serie: Patentverletzung
Teil 1 sagt, womit Mittelständler rechnen müssen, die ihre Patente widerrechtlich genutzt finden: mit einer Retourkutsche von Konzernseite. Teil 2 sieht sich um, wann eine Patentklage Erfolg verspricht, und schildert zwei Realbeispiele aus dem Wirtschaftsleben. Teil 3 zeigt Alternativen zum Prozessmarathon auf. Welches Vorgehen am besten ist, müssen am Ende nüchterne betriebswirtschaftliche Erwägungen zeigen.

Fazit: Innovative brauchen Geld für Ideen

Eine bilanz- und steueroptimierte Leasingfinanzierung von Marken oder gewerblichen Schutzrechten ist bereits heute eine interessante Alternative für mittelständische Unternehmen. Der Gesetzgeber ist gefordert, die geeigneten rechtlichen Rahmenbedingungen für geistiges Eigentum als Finanzierungsinstrument zu schaffen.

Gerade im Hinblick auf den rasanten Strukturwandel ist es nämlich dringend notwendig, immaterielle Vermögenswerte für die Unternehmensfinanzierung noch stärker nutzbar zu machen. Es sind schließlich genau die technologie- und wissensintensiven Unternehmen der Zukunft, die sich in der Kreditbesicherung meist weniger auf materielle Vermögenswerte stützen können. Solche Hoffnungsträger aus dem Mittelstand brauchen Finanzierungsmöglichkeiten, die ihren Stärken gerecht werden.

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