Dominik Mauritz

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Virtuelle Telefonanlagen gibt es als VoIP-Service

Dominik Mauritz ist Gründer von vio:networks, einem Unternehmen, das kleinen und mittelständischen Firmen eine virtuelle Telefonanlage auf Basis von VoIP über das Internet anbietet. Der gebürtige Bayer hat zunächst bei der Telekom den Beruf des Informatikers gelernt. Dass VoIP oft einen schlechten Ruf hat, sagt Mauritz, liegt an der Anfangszeit: „Vor sieben Jahren war die Technik einfach noch nicht so ausgereift. Hinzu kam, dass sich die Angebote meist an Privatkunden gerichtet haben. Und bei denen zählte hauptsächlich der Preis.“

MittelstandsWiki: Es gibt so viele günstige Telefonflatratetarife – meist in Kombination mit einem Internet-Anschluss. Und den brauche ich doch ohnehin, um Ihr Angebot nutzen zu können. Warum sollte sich Ihr Angebot rechnen?

Dominik Mauritz: Zum einen haben wir auch eine Flatoption – und zum anderen richtet sich unser Angebot an Unternehmen, die mehr brauchen als einen reinen Telefonanschluss. An Unternehmen, die z.B. ein Sekretariat haben und die Anrufe verteilen müssen. Oder an Unternehmen, die eine interaktive Sprachsteuerung benötigen. Wir ersetzen eine komplette, sehr komplexe Telefonanlage, die über Funktionalitäten verfügt, die im Geschäftsumfeld wichtig sind. Unsere Hauptzielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen, die keine oder nur eine sehr kleine IT-Abteilung haben. Sie können viel von der Arbeit, die hinter einer solchen Anlage steckt, an uns auslagern und dieses Angebot als Service beziehen. Wir rechnen monatlich pro Benutzer ab, so dass Sie flexibel bleiben. Die Telefonanlage wächst also mit dem Unternehmen.

MittelstandsWiki: Wie kann ich mir ein Telefonat über Ihre virtuelle Anlage konkret vorstellen? Wähle ich mich mit meinem Computer und einem Kopfhörer ein oder kann ich eine Art Telefon benutzen?

Dominik Mauritz: Da haben Sie die Wahl. Sie können mit einem Headset und einem Rechner telefonieren, auf dem eine Software installiert ist. Es gibt aber auch spezielle System-IP-Telefone, die alle Funktionen wie die klassischen Telefone bieten und die für den Büroarbeitsplatz designt worden sind. Das macht auch das Gros unserer Kunden.

MittelstandsWiki: Nun hat VoIP nicht gerade den besten Ruf. Bekannte Probleme sind Echos und Aussetzer. Im Geschäftsbereich halte ich das für inakzeptabel.

Dominik Mauritz: Dieser schlechte Ruf kommt aus der Anfangszeit. Vor sieben Jahren war die Technik einfach noch nicht so ausgereift. Hinzu kam, dass sich die Angebote meist an Privatkunden gerichtet haben. Und bei denen zählte hauptsächlich der Preis. Deshalb wurde oft nicht so viel in die Infrastruktur investiert. Wir sind ein reiner Geschäftskundenanbieter und haben unsere Systeme so ausgelegt, dass die Sprachqualität dem herkömmlichen ISDN entspricht.

MittelstandsWiki: Wie soll das funktionieren?

Dominik Mauritz: Wir setzen eine hochwertige Serverinfrastruktur ein, die sehr redundant ausgelegt ist, d.h. wenn in unserem Rechenzentrum eine Komponente ausfällt, springt sofort die nächste ein. Wir sind sehr gut an das Internet angebunden und können von unserer Seite jedem Kunden zu jeder Zeit die erforderliche Bandbreite garantieren. Wir telefonieren übrigens auch gerade über VoIP. Wie Sie selbst hören, gibt es keine Echos oder Aussetzer.

MittelstandsWiki: Aber wenn das Internet ausfällt, sind Ihre Kunden von der Welt abgeschnitten!

Dominik Mauritz: Das stimmt nicht ganz. Dadurch, dass unsere Telefonanlage im Internet steht, können wir noch immer eine temporäre Umleitung auf das Handy einrichten. Aber klar. Der Internet-Anschluss ist extrem wichtig. Das sagen wir auch jedem Kunden und raten ihm dringendst, den Provider mit Bedacht zu wählen. Manche Kunden haben zusätzlich eine Backup-Leitung, z.B. über UMTS. Und dann muss natürlich der Internet-Anschluss ausreichend dimensioniert sein.

MittelstandsWiki: Wie viel Bandbreite ist nötig?

Dominik Mauritz: Das hängt davon ab, wie viele Gespräche gleichzeitig geführt werden sollen. Man geht davon aus, dass pro Gespräch 100kBit/s benötigt werden, und zwar im Up- und im Downstream. Bei einem 16000er-DSL-Anschluss – der meist einen Upstream von 1000kBit hat – kann man also rein rechnerisch bis zu zehn Gespräche parallel führen. Wenn es aber wirklich zehn Gespräche gleichzeitig sein sollen, würde ich trotzdem zu einer größeren Leitung raten. Ganz einfach, weil Sie sonst an Ihre Grenzen stoßen könnten.

Das Interview führte Sabine Philipp.