Gregor von dem Knesebeck

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Wo Leser im Web zum Lesen raten

Junge Leute stöbern nicht mehr mit sinnlicher Lust in stationären Buchhandlungen oder Antiquariaten, sondern gehen lieber ins Internet und kaufen dort anonym ihre Bücher. Diesen Trend haben Gregor und Julia von dem Knesebeck aufgegriffen, als sie im Oktober 2008 mit bilandia online gingen. Wir wollten von Gregor von dem Knesebeck wissen, ob Buch und Internet besser zusammenpassen als „Bratwurst und Marmelade“. Seine Meinung: „Internet und Buch passen extrem gut zusammen, weil die User dort Bücher finden, die sie wirklich lesen möchten.“ Auf bilandia können Leser gezielt nach Buchempfehlungen von Leuten suchen, die einen ähnlichen Buchgeschmack haben wie sie selbst.

MittelstandsWiki: Was ist an Ihrem Buchverkaufsportal so neuartig, dass Sie mit dem Gründerpreis der Financial Times Deutschland ausgezeichnet wurden?

Gregor von dem Knesebeck: Wir haben eine Auszeichnung von der Financial Times Deutschland als „Start-up der Woche“. Die Nutzer der Website haben über den Preis abgestimmt und uns gewählt. Die User waren auf unser Portal bilandia durch einen kurzen Bericht aufmerksam gemacht worden. Bei bilandia geht es um innovative Buchsuche im Internet, das heißt wir versuchen eine Buchhandlung vor Ort, wie wir sie alle kennen, mit guter Beratung im Internet abzubilden. Wir schaffen dabei eine Kombination von nutzergenerierten Inhalten, einer Suchmaschine und redaktionellen Inhalten. Diese Kombination soll dem Nutzer einen wirklichen Mehrwert bringen.

MittelstandsWiki: Hatten Sie Schwierigkeiten, das Startkapital zu besorgen?

Gregor von dem Knesebeck: Bilandia ist ein Unternehmen, dass mit Eigenkapital finanziert wurde. Es war insofern schon schwierig, das Geld zusammenzubringen und die Geldgeber von unserem Projekt zu überzeugen. Das hat gewisse Vorteile, dass man nicht so gebunden ist, wie wenn man beispielsweise einem Business Angel verpflichtet wäre. Auf der anderen Seite hat es natürlich auch den Nachteil, dass es um das eigene Geld geht, wodurch sich der Druck erhöht, wirtschaftlichen Erfolg zu haben.

MittelstandsWiki: Wie stellen Sie sich das konkret vor, den Community-Gedanken auf die Welt des Buches zu übertragen?

Gregor von dem Knesebeck: Bei bilandia ist der Begriff der Community nicht mit einer herkömmlichen Community wie beispielsweise bei Facebook zu verstehen, bei dem es darum geht, einen Austausch und direkte Kommunikation zwischen den Nutzern zu schaffen. Was bei bilandia dagegen passiert, ist, dass Leute über Bücher schreiben, die sie bereits gelesen haben, die sie in die Community ein- und freistellen und damit Anregungen für andere Leser schaffen.

MittelstandsWiki: Was sagen Sie zu dem Vorwurf, Buch und Internet passen so gut zusammen wie „Bratwurst und Marmelade“?

Gregor von dem Knesebeck: „Bratwurst und Marmelande“ war ein Kommentar, den wir bekommen haben, als es darum ging, zu zeigen, wie digitale Projekte in der Buchbranche ankommen. Wir denken im Endeffekt, dass Internet und Buch extrem gut zusammenpassen, da das Internet neue Vernetzungsmöglichkeiten von Inhalten bietet, die es vorher nicht gab, und somit den Nutzern geholfen werden kann, Bücher zu finden, die sie auch wirklich lesen möchten. Außerdem können sie sich einen Eindruck von anderen Büchern verschaffen, was sie vorher nicht konnten. Ich widerspreche dem Vorwurf.

MittelstandsWiki: Was sagen Sie zu den Vorwürfen, Sie seien das personifizierte Feindbild des Buchhandels?

Gregor von dem Knesebeck: Der Vorwurf kommt mir bekannt vor, weil er kürzlich in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Es war allerdings kein wirklicher Vorwurf, der da aufkam. Denn es besteht die Theorie im deutschen Buchhandel, dass das Internet den stationären Handel in seinen Umsätzen kannibalisiert. Ich bin der Überzeugung – das kann ich eigentlich nur wiederholen und das belegen auch aktuelle Studien –, dass der Buchhandel über das Internet ein Zusatzgeschäft ist, das nicht die Umsätze des stationären Handels verschlechtert. Es gibt natürlich Buchhandlungen, die schließen müssen – das sind allerdings Begleiterscheinungen, wie sie in jeder anderen Brache auch passieren.

MittelstandsWiki: Auf Ihrem Buchverkaufsportal ist keine Werbung zu sehen. Wie verdient Ihr Unternehmen Geld?

Gregor von dem Knesebeck: Geld verdient die Plattform bilandia durch den Verkauf von Büchern. Das heißt, wir sind „klassische“ Buchhändler, indem wir Bücher vom Verlag günstig beziehen und an der Marge des Buches verdienen.

MittelstandsWiki: Ist es wirklich wahr, dass sich das Internet und das Verlagswesen gegenseitig kannibalisieren? Wächst da wirklich eine neue Nutzergruppe heran?

Gregor von dem Knesebeck: Vor allem von jungen Menschen wird oftmals behauptet, sie würden nur wenige Bücher lesen. Wir glauben deshalb, dass es extrem wichtig ist, gute Angebote zum Thema Buch im Internet zu schaffen, um auch junge Leute zum Lesen zu motivieren.

MittelstandsWiki: Wie entwickeln sich Ihre Geschäfte? Wann wird Ihre Firma schwarze Zahlen schreiben?

Gregor von dem Knesebeck: Die Entwicklung ist bisher absolut plangemäß. Wir sind natürlich nicht von einem explosionsartien Wachstum ausgegangen wie bei Facebook, als wir den Business Plan für unsere Firma entwickelt haben. Wir werden anstreben, im Jahr 2010 einen Cashflow-Break-Even zu haben und dann in den schwarzen Zahlen zu sein.

Das Interview führte Hans Klumbies.
Serie: Gründerwettbewerbe
Teil 1 beginnt die Übersicht im Südwesten mit Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland Teil 2 führt die Liste für Bayern und Thüringen fort. Weitere Regionalreports sind in Vorbereitung. Lesenswerte Seitenstücke sind die Preisträger-Interviews mit Thorsten Pehl von audiotranskription.de, Gregor von dem Knesebeck von bilandia sowie den Architekten Michael Traut und Christine Pietsch.