Jens-Uwe Sauer

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Crowdfunding schiebt innovative Start-ups an

Jens-Uwe Sauer ist Geschäftsführer und Mitgründer von Seedmatch. Die Plattform bringt innovative Start-ups und Investoren zusammen, die sich massenhaft mit Kleinbeträgen (ab 250Euro) beteiligen können. Zuvor hatte Sauer als Unternehmensberater viele Gründungen begleitet. Dabei musste er immer wieder feststellen, wie schwer es gerade für innovative Unternehmen ist, an Risikokapital zu kommen. Er entschloss sich daher, eine Crowdfunding-Plattform aufzubauen, die auf aktive Teilhabe setzt: „Wenn mich das Produkt begeistert und ich 250Euro oder mehr in das Start-up investiert habe, will ich doch, dass es erfolgreich wird. Warum sollte ich dann damit hinter dem Berg halten?“

MittelstandsWiki: Es gibt in Deutschland sehr viele Förderprogramme für junge Unternehmer. Warum sollte sich ein pfiffiges Start-up ausgerechnet an Sie wenden?

Jens-Uwe Sauer: Bei Seedmatch erhalten die Gründer nicht nur Kapital, sondern eine Menge Aufmerksamkeit aus dem Funding-Prozess. Außerdem haben die Investoren ein Interesse am Erfolg des Start-ups und unterstützen das junge Unternehmen mit Mundproganda, Kontakten oder beim Betatest usw. So wird die Crowd zu einem wichtigen Multiplikator und damit durchaus zu einem Erfolgsfaktor für das Start-up.

MittelstandsWiki: Sie behaupten also allen Ernstes, dass die Crowd nicht nur Geld in Firmen investiert, die sie nur von Ihrem Internet-Auftritt her kennt, sondern auch, dass die Masse sich noch privat für die Unternehmen engagiert? Warum sollten die Leute das tun?

Jens-Uwe Sauer: Die Crowd interessiert sich für die Innovationen der Start-ups und deren neuartige Produkte. Wenn ich in Lingoking.com investiere, dann doch, weil ich diesen Service smart finde: einen Dolmetscher in meiner Telefonleitung zu finden und mit jedem Partner oder Lieferanten am anderen Ende der Welt in dessen Muttersprache sprechen zu können. Wenn mich das Produkt begeistert und ich 250Euro oder mehr in das Start-up investiert habe, will ich doch, dass es erfolgreich wird. Warum sollte ich dann damit hinter dem Berg halten? Also sorge ich dafür, dass mein Start-up an Bekanntheit gewinnt. Ich erzähle es auch gern in meinem Arbeitsumfeld oder in meinem persönlichen Umfeld weiter. Und so entsteht – gerade jetzt zum Markteintritt von Lingoking.com – wertvolle Aufmerksamkeit für das junge Unternehmen. Bislang hat sich auch noch keines unserer fünf Start-ups beschwert. Im Gegenteil. BluePatent hat u.a. wertvolle Kooperations- und Kundenanfragen und Smarchive u.a. eine Reihe sehr intensiver Betatester gewonnen.

MittelstandsWiki: Ja, aber woher weiß ich als Investor, dass die Firmen und ihre Produkte wirklich smart sind. Es gibt so viele Blender, die nur heiße Luft produzieren…

Jens-Uwe Sauer: Bleiben wir beim Beispiel von Lingoking: Das Produkt kann jeder selbst innerhalb kurzer Zeit auf Herz und Nieren testen. Und dank des frei zugänglichen Testangebots sogar völlig kostenlos. Bei mir funktionierte dieser fantastische Service tadellos. Außerdem kann ich mir als Investor bei Seedmatch ein Film anschauen, in dem sich das Gründerteam vorstellt. So bekomme ich einen ersten persönlichen Eindruck von den Personen hinter der Idee. Wir haben natürlich auch ein internes Prüfungsverfahren, wo wir u.a. den Businessplan und die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells prüfen. Wir stellen uns auch immer die Frage, ob wir unser eigenes Geld investieren würden. Bislang haben wir das immer getan.

MittelstandsWiki: Und wovon finanzieren Sie sich?

Jens-Uwe Sauer: Seedmatch bekommt im Erfolgsfall, d.h. wenn ein Start-up seine Finanzierung über uns erhalten hat, ein Erfolgshonorar. Bei 100.000Euro beträgt es 10%. Wenn mittelfristig die Firmen größer werden, geht das Honorar runter auf bis zu 5%.

MittelstandsWiki: Und was ist mit den Investoren? Was bekommen sie, außer dem guten Gefühl, ein innovatives Start-Up zu unterstützen?

Jens-Uwe Sauer: Bei Seedmatch erwerben Sie eine stille Beteiligung an dem Unternehmen und werden entsprechend Ihres prozentualen Anteils an künftigen Gewinnausschüttungen beteiligt – sofern es welche gibt. Man muss fairerweise dazusagen, dass das bei Start-ups erfahrungsgemäß im ersten Jahr nicht der Fall ist. Sie müssen ja viel in das Wachstum und in den Aufbau investieren. Wenn Sie aussteigen, bekommen Sie ein Auseinandersetzungsguthaben und partizipieren vom gestiegenen Unternehmenswert.

MittelstandsWiki: Was passiert bei einer Insolvenz?

Jens-Uwe Sauer: Bei einer Insolvenz ist das Geld natürlich weg. Aber Ihre Verluste sind nur auf die Einlagen beschränkt. Eine Nachschusspflicht gibt es nicht.

Das Interview führte Sabine Philipp.