Thorsten Pehl

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Thorsten Pehl über seine Gründung und f4: Geschenkte Transkriptionssoftware hört sich gut an

Thorsten Pehl (35) ist Diplom-Pädagoge und Mitgründer von audiotranskription.de, einem Versandhandel für Aufnahmegeräte und Zubehör. Die Idee wurde während des Studiums geboren, als Pehl und Mitgeschäftsführer Thorsten Dresing auf der Suche nach Interview-Equipment waren. Sie konzipierten am Ende selbst ein Transkriptionsprogramm sowie einen Fußschalter. So entstand ein Internet-Shop, der nun mit dem Hessischen Gründerpreis ausgezeichnet ist. Dass das erfolgreiche Unternehmen heute sieben feste und 34 freie Mitarbeiter beschäftigt, liegt laut Pehl daran, dass man so viel verschenkt. „Das“, sagt Pehl, „ist einmalig und zieht sehr viele Menschen an.“

MittelstandsWiki: Wie sind Sie als Pädagogikstudenten auf die Idee gekommen, ein Audiotranskriptionsprogramm und einen Fußschalter zu konzipieren?

Thorsten Pehl: Als wir studiert haben, standen wir vor einem ernsten Problem. Wir mussten Interviews abtippen und es gab kein gutes Equipment dafür. D.h. die Geräte waren zu alt, kaputt oder verliehen. Und ein ordentliches Transkriptionsprogramm gab es auch nicht. Wir haben quasi diese Notlage behoben. Nicht nur für uns, sondern auch für andere Personen.

MittelstandsWiki: Haben Sie das Programm selbst geschrieben oder Kollegen?

Thorsten Pehl: Jein, wir sehen uns zwar als Entwickler und haben ein gewisses Verständnis dafür. Wir sind aber Pädagogen und können gar nicht richtig programmieren. Deshalb haben wir bei den Informatikern ein paar Leute gesucht, die das für uns machen können. Ein paar davon sind immer noch dabei.

MittelstandsWiki: Wie lange hat das gedauert, bis Sie gemerkt haben, dass man darum ein Geschäftsmodell stricken könnte?

Thorsten Pehl: Dass es eine Geschäftsidee ist, haben wir lange nicht geglaubt und sind auch nicht mit der Intention gestartet. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir gemerkt haben, dass sich das trägt und dass wir auch so unseren Lebensunterhalt damit bestreiten können. Aber die Resonanz war von Anfang an positiv. Wir haben immer wieder gehört: „Genau sowas brauchen wir!"“ und „Darauf haben wir so lange gewartet!“. Das hat uns bestärkt, weiterzumachen.

MittelstandsWiki: Haben Sie das Programm an Ihre Studienkollegen weitergegeben, oder woher kam die Resonanz?

Thorsten Pehl: Wir verschenken das Programm. Wir bieten es noch immer zum kostenlosen Download an. Und haben es auf entsprechenden Konferenzen und Tagungen präsentiert.

MittelstandsWiki: Und wie kamen Sie auf die Idee, das Ganze mit einem Versandhandel für Transkriptionsgeräte und Zubehör zu verbinden?

Thorsten Pehl: Nachdem wir mit der Software das erste Problem gelöst hatten, haben wir einen Fußschalter dazu entwickelt, so dass man die Interviews auch gut abtippen konnte. Aber dann sind die Kunden auf uns zugekommen und haben gesagt: „Das ist ja schön und gut, aber wie kann ich die Interviews aufnehmen?“ Und dieser Fragestellung haben wir uns einfach angenommen. Wir haben alle Aufnahmegeräte gekauft, die wir kriegen konnten, und haben die dann getestet. Und zwar unter dem Fokus: Wie kann man damit gut Interviews aufnehmen, wie viel muss man investieren, bei welchen Geräten ist das Geld verschwendet? Und dann haben wir eine ganz klare Selektion getroffen. Wir vertreiben nur Geräte, von denen wir überzeugt sind, dass sie für den Einsatz geeignet sind. Das hat sich dann so weiterentwickelt, dass nicht nur Sozialwissenschaftler mit ihren Fragestellungen auf uns zugekommen sind, sondern auch Journalisten und Musiker. Und wir bemühen uns, diese Fragestellungen auch immer zu beantworten, mit einer klaren Geräteempfehlung.

MittelstandsWiki: Wie haben die Banken auf Ihr Vorhaben reagiert. Waren die eher skeptisch?

Thorsten Pehl: Zunächst haben wir die Bank nur zur Kontoführung benutzt. Der Start wurde aus dem Privatvermögen und den laufenden Einnahmen finanziert. Erst jetzt wird eine externe Finanzierung spannend weil wir ein sehr starkes Wachstum haben, das natürlich vorfinanziert werden muss. Da waren wir aber immer proaktiv und sind schon ein Vierteljahr bevor es aktuell wurde zu den Banken gegangen und haben Bedarf angemeldet. Von daher haben wir eine positive Resonanz.

MittelstandsWiki: Man hört ja auch, dass die Banken sehr mauern mit ihren Krediten.

Thorsten Pehl: Das können wir nicht bestätigen. Wir bemühen uns aber auch, mit nichts hinter dem Berg zu halten. Das scheint eine gute Grundlage zu sein. Für beide Seiten.

MittelstandsWiki: Als Sie dann den Sprung ins kalte Wasser gewagt haben, hatten Sie dann jemals Zweifel, ob das wirklich was wird?

Thorsten Pehl: Ehrlich gesagt, nicht wirklich. Natürlich waren Ängste dabei. Aber grundsätzliche Zweifel hatten wir nie. Ich erinnere mich an einen Punkt, an dem zum ersten Mal die liquiden Mittel ein wenig knapp wurden, weil wir viele offene Rechnungen hatten. Da gab es einen kurzen Moment an dem wir dachten: „Oh, klappt das denn wirklich?“ Aber mittlerweile wissen wir damit umzugehen und dass das ganz normal ist.

MittelstandsWiki: Wie haben Sie es geschafft, in relativ kurzer Zeit so bekannt zu werden?

Thorsten Pehl: Ich würde es darauf schieben, dass wir sehr viel verschenken. Wir verschenken die Software und eine Unmenge an stichhaltigen Informationen die jenseits von allen Datenblättern sind. Sie können sich die Geräte anhören und direkt miteinander vergleichen. Das ist einmalig und zieht sehr viele Menschen an. Wir haben etwa 70.000 Leser pro Monat auf unserer Seite.

MittelstandsWiki: Was war das für ein Gefühl, als Sie den Hessischen Gründerpreis gewonnen hatten?

Thorsten Pehl: Das war ein großer Endorphinschub. Die Preisverleihung an sich war ein sehr schönes Erlebnis. Wirklich spannend und nachhaltig waren aber die Gespräche und die Präsentationen, die danach gefolgt sind.

MittelstandsWiki: Wie sind die Pläne für die Zukunft?

Thorsten Pehl: Zunächst einmal möchten wir unser Unternehmen auf stabile Beine stellen. Dann möchten wir auch weiterhin zentraler Anlaufpunkt für die Frage sein „Welchen Audiorekorder brauche ich denn?“. Und dann denke ich, dass wir da in der Zukunft auch neue Zielgruppen ansprechen können.

Das Interview führte Sabine Philipp.