Mobilfunkdienste

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Das Handy wird zum Smartphone

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Der Mobilfunk ist schon lange eine Erfolgsstory: Die Telekommunikationstechnik erreicht Penetrationsraten von 100 % und mehr – und das, obwohl immer noch größtenteils Sprache übers Netz geht.

Dabei bietet der Mobilfunk viel mehr Möglichkeiten als die reine Telefonie: Virtuelle Netze für geschlossene Nutzergruppen, VoIP, Mehrwertdienste, M-Commerce und Location Based Services (LBS) sind die wichtigsten Stichworte.

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Daten durch die Luft

Mit den digitalen Mobilfunknetzen nach GSM, DCS1800 oder UMTS-Standard ist längst nicht nur Sprachkommunikation möglich, sondern auch die Datenübertragung. Dies gilt insbesondere für UMTS, mit dem heute schon Raten bis 7,2 MBit/s möglich sind. Dieses Spektrum boomt, bleibt für die Anwender jedoch weiterhin vergleichsweise kostspielig.

Bereiche für den Einsatz der Datenkommunikation im geschäftlichen Umfeld sind z.B. die interne Nutzung zur Kostensenkung, die Steigerung der Effizienz der Kommunikation im eigenen Unternehmen sowie mit Kunden und Geschäftspartnern, ferner die Optimierung der Geschäftsprozesse unter Einsatz von erweiterten Kommunikationsmitteln.

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Eine ausführliche Darstellung zum Thema Datenfunk gibt Dr. Jürgen Kaack im Ratgeber „WiMAX, WLAN, UMTS – Funk als Alternative zu DSL“, den Sie online im Zeitschriftenkiosk des MittelstandsWiki bekommen.

Die Nutzung von Messaging und Datenkommunikation steigt seit Jahren kontinuierlich an. Dies spiegelt sich auch in den Umsätzen der Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland wider. Dabei hat SMS auch den Geschäftskundenbereich erreicht, doch insbesondere im B2C-Geschäft gibt es eine Reihe von Einsatzfeldern, wie z.B. den Versand von Gutscheinen und Vouchers, Informationen über neue Sonderangebote, Promotions etc., aber auch die Vermarktung von Inhalten.

Auf jeden Fall zeigt das unveränderte Wachstum gerade im Datenkommunikationsbereich, dass die Nutzung für immer größere Anwenderkreise interessant wird und die neuen [[1]] in zunehmendem Maße multimediafähig werden. Moderne Smartphones verdrängen den Organizer und den nicht kommunikationsfähigen PDA. Der weitere Anstieg der Datenkommunikation hängt dann von der Verbreitung der erforderlichen Endgeräte ab. Hier sind andere Märkte – insbesondere Japan – Deutschland immer noch weit voraus.

Je mehr Menschen mobile Internet Services nutzen, desto mehr wird die Entwicklung innovativer Dienste stimuliert und desto interessanter wird die Anwendung für Unternehmen, da mit entsprechenden Angeboten eine breite Zielgruppe erreicht werden kann.

VoIP für unterwegs

Zu den bedeutsamsten Möglichkeiten der jüngeren Vergangenheit zählt Voice over IP (VoIP). Der Grund: Die Technologie holt Sprache aufs Internet Protocol, macht also Telefonate kompatibel zu E-Mail und allen übrigen IP-basierten Kommunikationsformen.

In UMTS-Netzen mit Breitbanddatenübertragung und Internet-Zugang ist VoIP für den Mittelstand grundsätzlich möglich. Die Mobilfunknetzbetreiber sperren sich zwar, da logischerweise deutliche Umsatzeinbußen die Folge sein könnten. Es erscheint aber zweifelhaft, ob dies langfristig gelingen wird. Die Möglichkeit zum Surfen im WWW, zum Abruf und zum Senden von E-Mails und zur Nutzung von VoIP können die Verbreitung von UMTS im Gegenzug stark fördern. Mit einer Flatrate für die Datenkommunikation sind die Kosten für eine solche Nutzung kalkulier- und überschaubar.

Allerdings ist die VoIP-Nutzung im Mobilfunk noch anfällig für Bandbreitenschwankungen, z.B. bei rascher Fortbewegung. Sollte sich IP-Telefonie zukünftig auch im Mobilfunk durchsetzen, dann braucht der Durchschnittsanwender vielleicht nur noch eine Telefonnummer: die VoIP-Nummer.

Mehrwertdienste

Mehrwertdienste sind ganz allgemein solche Angebote, für die neben den Preisen für die Übertragung ein Zuschlag berechnet wird. Man unterscheidet

  • Netze für geschlossene Nutzergruppen (VPN),
  • Messaging-Dienste (SMS/MMS),
  • Entertainment-Dienste (Klingeltöne, Logos, Games, Filme, Video etc.),
  • Informationsdienste (Auskunft, Verkehr, Flugzeiten, Reise, Event, Börse, Nachrichten, Wetter etc.),
  • Location Based Services (LBS) für regionale Informationen, Werbeangebote, Promotions etc.), wie sie z.B. bei Digital-Signage-Installationen gefahren werden,
  • konvergente Dienste zur Überbrückung von Netzgrenzen und unterschiedlichen Technologien (z.B. Triple Play, UMS, UC) sowie
  • E-Commerce/M-Commerce für mobile Transaktionsdienste (Einkäufe, Reisebuchung, Ticketkauf etc.).

Die derzeit größten Wachstumsraten liegen im Transaktionsbereich, aber hohe Zukunftspotenziale sind Konvergenzdiensten und Triple Play einzuräumen.

Mobile VPN-Netze

Virtual Private Networks (VPNs) auf IP-Basis sind im Festnetz bereits seit geraumer Zeit im kommerziellen Einsatz, insbesondere bei Unternehmen mit verteilten Standorten. Mit einem VPN im Mobilfunk können auch mobile Teilnehmer eingebunden werden; sie sind dann unterwegs genauso einfach und unter der gleichen Durchwahl erreichbar wie im Büro.

Neben der Sprachkommunikation ist ein sicherer Datenaustausch (Zugriff auf das Intranet) mit der Unternehmenszentrale möglich. Der mobile Mitarbeiter kann somit schneller und einfacher auf Informationen zugreifen und von unterwegs auf Lagerbestandsliste, aktuelle Preislisten, Konstruktionspläne etc. zugreifen.

Die Integration von eingehenden Nachrichten (Sprache, Fax, E-Mail) auf einer gemeinsamen Plattform und der Zugriff über das VPN erleichtern die Arbeit und schaffen Effizienz, von der auch Kunden und Geschäftspartner durch schnellere Reaktionen profitieren.

Informations- und Entertainmentdienste

Schon lange gibt es Informationsdienste im Telekommunikationsumfeld, von Bahnfahrplänen und Flugplänen über Veranstaltungs- und Kinohinweise bis zu Horoskopen. Die Verbreitung und die wirtschaftliche Bedeutung dieser Angebote sind zwar immer noch gering, doch wird sich dies vermutlich gründlich ändern: Getrieben durch die Digitalisierung werden mehr Inhalte über eine wachsende Zahl von Kommunikationswegen abrufbar. Mobilfunk und Internet nähern sich bei Endgeräten und Bandbreiten laufend an. Dies fördert natürlich gleichzeitig die mobile Nutzung solcher Mehrwertdienste, die eine ähnliche Benutzeroberfläche haben wie entsprechende Internet-Dienste.

Einzelne Aspekte, die in diese Richtung deuten:

  • Die steigende Verbreitung von multimediafähigen Mobilfunkgeräten (Smartphones, PDAs) fördert die Nutzung mobiler Mehrwertdienste.
  • Im Rahmen von Triple-Play-Diensten übernimmt das Mobilfunkgerät die Rolle einer Fernbedienung, z.B. für die Bestellung und Abrechnung von Diensten.
  • Musik, Filme und Videos werden mit sinkenden Verbindungskosten (Flatrates für UMTS) zunehmend auch mobil genutzt.
  • Durch Übergänge zwischen heutigen Standards (GSM, UMTS, WLAN, DECT) wird sich das Nutzungsverhalten auf den mobilen Bereich übertragen.

Zu den Geschäftsmöglichkeiten für den B2C-Bereich gehören sicherlich die kostenpflichtigen Angebote von Informations- und Unterhaltungsangeboten. Die auch über Mobilfunk erreichbaren Auskunftsdienste sind dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Zum Unterhaltungsbereich gehören heute Klingeltöne, Logos und Java-Spiele als mit Abstand wichtigste Anwendungen. Natürlich wird auch ein entsprechendes Erotikangebot Interessenten finden. Aber es ist zu erwarten, dass auch andere zielgruppenspezifische Inhalte Abonnenten finden. Dabei ist es zunächst unerheblich, ob sie als Videostreamings oder MMS-Nachrichten aufbereitet werden. Bei der Abrechnung ist als Alternative zum einfachen Aufschlag auch vorstellbar, dass nicht der Kunde zahlt, sondern ein Werbetreibender oder Sponsor, der an der Ansprache der speziellen Zielgruppe interessiert ist. Somit eröffnen sich auch neue Werbemöglichkeiten mit hoher Selektivität für Unternehmen.

Standortspezifische Dienste (LBS)

Der Standort eines mobilen Nutzers ist auch ohne GPS-Empfänger im Mobilfunkgerät über die Informationen aus dem Funknetz mit relativ hoher Genauigkeit abzulesen und wird z.B. bei polizeilichen Fahndungsaktionen genutzt. Diese Standortinformationen stehen auch Dienstebetreibern zur Verfügung. Um einem Missbrauch dieser Daten vorzubeugen, muss der Nutzer der Weitergabe allerdings vorab zustimmen.

Mit Hilfe von Location Based Services (LBS) können dann Informationsinhalte und Dienste noch zielgerichteter aufbereitet und angeboten werden. Im Privatkundenbereich können private Treffen, Buddy-Listen und Standorte, lokale Online-Spiele und andere Anwendungen umgesetzt werden. Im geschäftlichen Bereich ergeben sich Möglichkeiten sowohl im Bereich der firmeninternen Anwendung als auch in der Kommunikation mit Geschäftspartnern und Kunden.

  • Interne Anwendungen: Die Einsatzplanung von Außendienstmitarbeitern kann effizienter erfolgen, Fahrzeuge können ad hoc disponiert und Reaktionszeiten für Kunden schneller werden.
  • Externe Anwendungen: Vermarktung standortabhängig aufbereiteter Informationen; neue Möglichkeiten zur Gestaltung von Sonderangeboten, zielgerichteter Werbung und Promotion.

M-Commerce

Der Online-Vertrieb über Webshops im Internet läuft weiterhin wie geschmiert. Damit das Ganze auch mobil funktioniert (z.B. bei Reisetickets) ist ein sicheres und einfaches Bezahlsystem Voraussetzung. Ohne M-Commerce gibt es hierfür die Möglichkeit der Abrechnung über Servicerufnummern oder über Kreditkarte.

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Eine ausführliche Darstellung zum Thema Servicerufnummern gibt Dr. Jürgen Kaack im Ratgeber „Servicerufnummern – vielseitig einsetzbar. Erfolgreiche Geschäftsmodelle von der Klassifizierung bis zur Abwicklung“, den Sie online im Zeitschriftenkiosk des MittelstandsWiki bekommen.

Beide Verfahren sind insbesondere für kleinere Einkäufe relativ teuer, gleichzeitig besteht bei der Weitergabe von Kreditkartendaten natürlich auch bei mobiler Nutzung immer ein gewisses Betrugsrisiko. M-Commerce, d.h. die Nutzung der vorhandenen Vertragsbeziehung mit einem Telco-Anbieter, bietet eine mögliche Alternative zur Abwicklung von mobilen Transaktionen.

Die M-Commerce-Anwendungen lassen sich in vier Segmente unterteilen:

Dem E-Commerce-Trend folgend wächst auch M-Commerce in Deutschland um durchschnittlich 114 % p.a.
  • Mobile Banking ist das Pendant zum Homebanking.
  • Mobile Brokering erlaubt die mobile Durchführung von zeitkritischen Aktientransaktionen.
  • Mobile Cash ergänzt den Geldchip auf der EC-Card, so dass man kleinere Beträge, z.B. für öffentlichen Nahverkehr, am Kiosk etc. einfach begleichen kann.
  • Mobile Payment ermöglicht dasselbe auch mit größeren Beträge, z.B. für Reisetickets, Buchungen, Auktionskäufe, bargeldloses Shopping im Laden (z.B. in Verbindung mit RFID).

Die Grafik zeigt mit dem Vergleich der Werte für 2003 und 2007, welche Wachstumspotenziale in diesem Bereich vorhanden sind. Dieses Wachstum wird für fast alle Länder in vergleichbarer Höhe prognostiziert. Anbieter von Produkten und Dienstleistungen sollten sich sehr genau überlegen, ob sie es sich leisten können, auf diesen Vermarktungskanal zu verzichten.

Fazit: Kosten und Chancen abwägen

Mobile Kommunikation verschafft oft den entscheidenden Zeitvorteil. Schon die reine Sprachkommunikation ist heute weder aus dem privaten noch aus dem geschäftlichen Umfeld wegzudenken. Die zusätzlichen Einsatzbereiche, die sich aus der digitalen Datenkommunikation ergeben, schaffen für Unternehmen zusätzliche Chancen, die bislang bei weitem noch nicht ausgereizt sind.

Allerdings sollte auch für die Datendienste gelten, dass eine Einführung nicht einfach deshalb erfolgt, weil sie modern sind, sondern weil sie die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens steigern. Das setzt eine genaue Analyse voraus, die ermittelt, was die Einführung und der Betrieb entsprechender Anwendungen kosten darf. Ebenso sind die Auswirkungen von neuen Mehrwertdiensten für Kunden und Geschäftspartner zu betrachten: Nur wenn sich ein Vorteil ergibt, sollte die Einführung geplant werden.

Interessant und sicher eine Überlegung wert ist die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle mithilfe der Mobilkommunikation umzusetzen. Die Vermarktung von Klingeltönen ist ein gutes Beispiel dafür, dass mit einem neuen Medium auch neue Geschäfte möglich werden. Die Aufbereitung und Bereitstellung zielgruppenspezifischer Inhalte könnte ein solcher Bereich sein; es gibt aber vermutlich eine ganze Reihe weiterer Chancen, die sich erst dann erschließen, wenn man sich intensiv mit den neuen Möglichkeiten auseinander setzt.

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