Open-Strategien: Wann Open-Strategien dem Geschäft dienen

Die Idee von Open-Source-Software hat sich auf viele weitere Bereiche übertragen, die zuvor ängstlich abgeschottet geblieben waren – und damit viel Potenzial verschenkt haben. Open Business, Open Innovation und Open Technology sind die Stich­worte einer neuen Geschäfts- und Arbeitswelt.

Der Durch­bruch für agile Unter­nehmen

Von Michael Praschma

Open Source ist heute etabliert. Doch wie gelingt Unternehmen der Sprung in die kommenden Erfolgs­welten weiterer „offener“ Strukturen? Open Hardware, Open Business, Open Innovation … Hinter solchen Schlag­wörtern steckt eine neue Denk­weise. Stefan Probst, Business Consultant bei openBIT, ist begeistert von den Potenzialen offener Geschäfts- und vieler anderer Modelle.

Unternehmen aller Branchen und jeder Größenordnung können aus der Open-Source-Geschichte etwas lernen: Der Charme von Linux, OpenOffice, Mozilla und anderen freien Lösungen geht nämlich weit über sympathische Image-Aspekte hinaus. Open Source gewinnt an Marktmacht, steht im Fokus der Wirtschaftsförderung und interessiert die EU. In einem solchen offenen Ökosystem entsteht für Marken oft ein Zuwachs an Agilität, Innovationsfähigkeit und weiteren Erfolgsfaktoren für die Behauptung am Markt. Doch das Konzept „open“ ist eben nicht auf Software beschränkt.

Warum DB-Loks ins Ausland fahren können

Offene Geschäftsmodelle sind etwas für junge, innovative Unternehmen? Stimmt, aber nicht nur. Stefan Probst kann belegen, dass selbst große Konzerne wie die Deutsche Bahn lernen, mit Open Technology Herausforderungen zu meistern, vor denen Start-ups ebenfalls stehen – nur in anderen Maßstäben.

Schuld am Zeitverlust im grenzüberschreitenden Zugverkehr war früher der Austausch der Lok wegen länderspezifischer Leitsysteme. Nachdem sich ein EU-Standard nicht durchsetzen konnte, erreichte erst openETCS den Durchbruch: im Wesentlichen von einem Bahnkonsortium aus verschiedenen Ländern „offen“ entwickelt. OpenBIT dokumentiert auch andere erfolgreiche Anwenderkonsortien, etwa aus den Bereichen Automotive oder Energie. Es fehlt also nicht an prominenten Vorbildern.

Aber auch universell einsetzbare und frei zugängliche Tools wie der Canvanizer sind Beispiele für derartige offen Ansätze – in diesem Fall geht es um digitales Business Modelling, mit dem die kreativen gelben Zettel auch nach dem Brainstorming erhalten bleiben und z.B. geteilt werden können.

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Stefan Probst ist Informatiker und Gründer von Entresol Open Business Consulting. Er ist Vorstand für Open Technology bei OpenBIT – der Verein veranstaltete bereits 2007 eines der ersten BarCamps in Deutschland. Stefan Probst ist auf Geschäfts­modell­innovation spezialisiert und holte 2009 das Unkonferenz­konzept Startup Weekend nach Nürnberg.

Open Business entfesselt Geschäftspotenziale

Gerade Start-ups und kleine Unternehmen mit Erfolgspotenzial neigen dazu, ihre Entwicklungen zu hüten wie einen Drachenschatz. „Die Vorstellung, so etwas zu öffnen, macht Angst, nämlich, kopiert zu werden und die Kontrolle zu verlieren“, sagt Probst. In Wirklichkeit überwiegen jedoch positive Erfahrungen: Vernetzte Expertise, Austausch mit einer Community von Usern, Kunden und Partnern usw. – all das ermöglicht mehr Innovation, Wissen, Qualität, Service etc., als jeder der Beteiligten allein für sich hätte erreichen können.

Und was ist mit Plagiaten von Konzepten, Engineering-Wissen oder Hardware? Stefan Probst kennt das Problem aus seinen zahlreichen Beratungen gut. Er beobachtet aber, dass der Vorsprung innovativer Entwickler in allen diesen Bereichen meist zu groß ist, um durch Produktpiraterie einfach eingeholt zu werden. In der Regel sind Open-Business-Strategien und andere Open-Konzepte hier deutlich weniger bedroht als eifersüchtig verteidigte proprietäre Markenideen.

Fazit: Offener Zugang zur OpenBIT-Plattform

Open Business, Innovation, Technology (und mehr) hat für den Namen „openBIT“ Pate gestanden: Es ist kein kommerzielles Unternehmen, sondern ein kompetenter Verein. Man versteht sich als Plattform für innovative Vordenker aus unterschiedlichsten Bereichen, betont Stefan Probst. Von den Synergieeffekten der Vernetzung profitieren die Mitglieder stärker als solche User, die einfach nur auf den umfangreichen Content ebenso wie die zahlreichen Veranstaltungen frei zurückgreifen können.

Damit erledigt sich auch die erstaunte Frage an Stefan Probst nach Trittbrettfahrern der angebotenen Beratung, Vermittlung und Vernetzung, die openBIT als Non-Profit-Organisation leistet. Denn der Verein ist selbst ein Beispiel dafür, dass Open-Konzepte eben nicht ruinöses Verschenken von Know-how bedeuten. Für viele Unternehmen, auch und gerade kleine und mittlere Unternehmen, sind sie vielmehr ein Weg zum erfolgreichen Durchbruch – über den betrieblichen Horizont hinaus und hin zu fruchtbaren In- und Outputs am Markt.

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