Solid State Drives für Notebooks

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Flash-Speicher mischen den Markt auf

Von Uli Ries

Von der technischen Seite her betrachtet haben Solid State Drives (SSDs) mehr mit einem USB-Stick gemeinsam als mit einer herkömmlichen Festplatte. Denn im Inneren der neuen Laufwerke befinden sich Flash-Speicher, genau wie in den Sticks. Dank der winzigen Speichermodule wären nun auch problemlos kleinere Bauformen möglich, aber die SSD-Hersteller packen ihre Laufwerke vorerst noch in die üblichen 2,5- und auch 1,8-Zoll-Gehäuse, damit sie zu bestehenden Größen und Anschlusstypen kompatibel bleiben.

Es liegt auf der Hand: Für Notebooks und andere Mobilgeräte sind „Festkörperlaufwerke“ ideal. Weil sie keine Teile haben, die sich im Inneren bewegen, bleiben sie unempfindlich gegenüber Erschütterungen oder Stößen. Datenverluste durch Headcrashs sind damit also Geschichte. Allein diese Tatsache genügte Herstellern wie Apple, Lenovo, Dell oder HP, schon früh Notebooks mit SSDs anzubieten.

Was die Revolution kostet

Noch sind Solid State Drives allerdings meist mit einem kräftigen Preisaufschlag von mehreren hundert Euro zu bezahlen – unter Umständen ist der Aufschlag sogar höher als der Basispreis für das Notebook. Seit ihrer Einführung sind die Preise für die Laufwerke jedoch jährlich um mindestens die Hälfte gefallen, so dass Experten davon ausgehen, dass die Endkundenpreise demnächst in erschwingliche Regionen fallen.

InsideHDD-SSD.jpg Anstelle der in HDDs verbauten Platter (oben) finden sich in einer SSD (unten) Flash-Speicherbausteine.

Samsung produziert z.B. ein SSD-Laufwerk mit 64 GByte Speicherkapazität (MCCOE64G5MPP), das wohl für ca. 320 Euro in den Handel kommen dürfte. Intels 80-GByte-SSD mit der kryptischen Bezeichnung SSDSA2MH080G1G (kurz: X25-M) wird bei Abnahme von 1000 Stück im Großhandel 410 Euro kosten. Im Vergleich dazu nimmt sich eine herkömmliche Notebook-Festplatte mit 80 GByte Kapazität – darunter ist heute keine mehr zu bekommen – mit ihrem Preis von 50 Euro aus wie ein Mitnahmeartikel.

Die beiden genannten – und für das MittelstandsWiki getesteten – SSDs von Intel und Samsung haben gemeinsam, dass sie die Daten auf Multi-Level-Cell-Bausteinen (MLC) speichern. Diese Speicherzellen fassen mehr als Single-Level-Cell-Komponenten (SLC) und sind gleichzeitig günstiger (zum Vergleich: Ein 64-GByte-Laufwerk mit SLC-Flash-Speicher kostet weit über 1100 Euro).

Der Nachteil der Multi-LCs ist, dass sie vor allem beim Schreiben von Daten erheblich langsamer sind und als weniger langlebig gelten. Intel nennt für seine SSDs dennoch eine MTBF (mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen) von 1,2 Mio. Stunden. Das ist nicht schlecht – hochwertige SCSI-Server-Laufwerke erreichen ähnliche Werte. Hinsichtlich der Zuverlässigkeit stehen die Festplattennachfolger ihren Vorgängern also zumindest auf dem Papier in nichts nach.

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Schwarz auf Weiß
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Im Praxistest 2,76-mal flotter

Im Praxistest mussten die beiden SSDs und eine herkömmliche 160-GByte-Festplatte (Hitachi HTS722016KA300) gegeneinander antreten. Getestet wurde – praxisgerecht – in einem nagelneuen Centrino-2-Notebook, dem Asus M51V.

Um es vorwegzunehmen: Der Neuling von Intel geht als klarer Sieger aus dem Wettkampf hervor. Die flache, schwarze SSD überflügelte das Laufwerk von Samsung klar. Chancenlos gegen beide Flash-Laufwerke ist wiederum die herkömmliche Festplatte, obwohl diese unter ihresgleichen zu den schnelleren Drives gehört.

Das Intel-Modell prescht bei der Messung mit der Festplattenbenchmark HD Tune Pro 3.10 unter Windows Vista mit einer durchschnittlichen Leserate von 168,5 MByte/s davon, in der Spitze liefert es die Daten gar mit 174,4 MByte/s. Das ist zwar ein gutes Stück vom Spitzenwert 250 MByte/s entfernt, den Intel angibt, aber dieser Wert dürfte wohl nur im Labor oder an Desktop-PCs zu erzielen sein. Samsungs SSD platziert sich mit 81,9 MByte/s hinter dem Intel-Laufwerk, aber noch klar vor der Hitachi-Festplatte (61 MByte/s).

Nicht ganz so deutlich fallen die Unterschiede beim Schreiben von Daten aus: Zwar liegt Intels Flash-Laufwerk mit 70,9 MByte/s auch hier in Führung. Das Samsung-Modell schlägt sich mit 69,7 MByte/s jedoch beinahe ebenso gut, und die Festplatte schreibt Daten mit 50,5 MByte/s fast genauso schnell, wie sie liest.

Um 25 % schnellere Notebooks

In der Praxis bedeuten diese Werte: Anwendungen wie Outlook (samt dickem Postfach) starten schneller, Kopiervorgänge sind rascher vorbei. Bei Tests mit Systembenchmarks zeigt sich eine Beschleunigung des gesamten Systems von bis zu 25 %, wenn die herkömmliche HDD durch eine SSD ersetzt wird. (Allerdings: Wer sich auch einen rascheren Start des latent lahmen Windows Vista erhofft, wird enttäuscht. Denn hier ist nicht das Laufwerk die Bremse. Der Grund für den zähen Beginn sind die Verschnaufpausen, die sich Vista beim Warten auf den Start der einzelnen Systemdienste gönnt.)

Aufgrund der außergewöhnlich hohen Leserate der Intel-SSD empfiehlt sich ihr Einsatz nur in Verbindung mit einem Centrino-2-Notebook. Denn nur der in diesen Modellen verwendete Chipsatz ist mit einer theoretischen Maximaldatenrate von 3 GBit/s (384 MByte/s) schnell genug, um die Datenraten der SSD zu verarbeiten. Ältere Chipsätze haben ein Limit von 1,5 GBit/s (192 MByte/s) und sind damit zu nah am Spitzenwert der SSD.

Etliche Centrino-2-Notebooks wie die Latitude-E-Modelle von Dell, das zum Test verwendete Asus M51V oder Toshibas neue Tecra-Geräte A10 und M10 bringen obendrein eine weitere Finesse mit: eine externe SATA-Schnittstelle, eSATA genannt. Im Gegensatz zu USB- und Firewire-Anschlüssen bedeutet dieser nach außen geführte SATA-Port keinen Geschwindigkeitsverlust. Wer also eine SSD als Backup-Laufwerk in ein hochwertiges, externes SATA-Gehäuse packt, kann die neuen Temposphären auch ohne Austausch der eingebauten Festplatte erleben. Positiv im praktischen Einsatz ist auch, dass der Anwender das Notebook ohne große Klimmzüge per eSATA-Platte booten kann. Während zum Start eines Betriebssystems von einem USB-Wechselmedium in der Regel manuelle Eingriffe nötig sind, startet z.B. Windows Vista ohne Modifikation, wenn es vom externen SATA-Laufwerk gestartet wird.

Auf Nummer sicher
Wichtig für Nachrüster: Wer seine Notebook-Festplatte durch eine SSD ersetzen möchte und auf maximale Performance Wert legt, sollte sich vom SSD-Verkäufer ein Umtauschrecht einräumen lassen. Wie sich während der Tests zeigte, sind nicht alle (modernen) Notebooks Traumpartner für die Flash-Laufwerke. Offenbar hat es der Hersteller in der Hand, durch BIOS- und Treiberoptimierungen die richtige Grundlage für die flotten SSDs zu schaffen – oder eben auch nicht.

Ein weiterer – zumindest theoretischer – Vorteil der SSDs: Sie benötigen weniger Energie. Das heißt: Es wäre eine längere Akkulaufzeit zu erzielen. Angesichts der übrigen Energieverbraucher in einem Mobil-PC wie Display und Prozessor dürfte sich diese Ersparnis aber nur in extrem energiearmen Subnotebooks mit maximal 13,3 Zoll großem Display bemerkbar machen.

Was sich hingegen spürbar positiv auswirkt, ist die geringe Hitzeentwicklung. Weil sich bei SSDs keine mechanischen Komponenten bewegen, geben sie kaum Temperatur ab, so dass sich das Notebook-Gehäuse – allzu oft sind die Laufwerke ja direkt unter der Handballenauflage verbaut – kaum erwärmt.

Fazit: Solid heißt stabil

SSDs gehört die Zukunft, so viel steht fest. Angesichts der Leseraten, die im Vergleich zu bisher erhältlichen Festplatten immens hoch sind, führt zukünftig kein Weg an den Flash-Laufwerken vorbei. Insbesondere viel reisende Notebook-Nutzer, die ihren Mobil-PC oft auch abseits von waagrechten Schreibtischen nutzen, sollten über die Investition in eine SSD nachdenken – mehr Datenschutz ist ohne externe Backups nicht zu bekommen. Intels X25-M ist darüber hinaus auch für Anwender interessant, die gewaltig Leistung brauchen. In die Geschwindigkeitsbereiche dieses Laufwerks stoßen herkömmliche HDDs trotz Weiterentwicklung höchstwahrscheinlich niemals vor.

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