Unternehmensgründung, Teil 1

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Sammeln, Tritt fassen, durchstarten

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Die Gründung eines neuen Unternehmens ist ein komplexes Unterfangen, bei dem unterschiedliche Aufgaben nahezu zeitgleich erledigt werden müssen: Neben der eigentlichen Ausgestaltung des späteren Leistungsangebotes und der Erstellung eines aussagekräftigen Business Plans sind z.B. organisatorische Aufgaben wie die Festlegung der späteren Rechtsform zu erledigen.

Der Business Plan muss einerseits wahrheitsgemäß die Situation beschreiben, andererseits visionär die weitere Entwicklung aufzeigen. Es empfiehlt sich, die Planung bottom-up vom einzelnen Produkt ausgehend zu gestalten und die Top-down-Betrachtung vom Gesamtmarkt auf das eigene Vorhaben in erster Linie zur Plausibilitätsprüfung durchzuführen.

Planung und Vorbereitung

Die sorgfältige Vorbereitung ist von entscheidender Bedeutung für den späteren Erfolg. Dies gilt natürlich gerade in den Fällen, in denen sich das neue Unternehmen in einem dynamischen Markt mit schnellen Veränderungen bewegt. Dabei ist neben der intensiven Beschäftigung mit den potenziellen Zielgruppen und dem Produktnutzen insbesondere die Analyse der aktuellen Wettbewerbssituation wichtig. Auch die erkennbaren Entwicklungen der absehbaren Zukunft sollten mit in die Überlegungen einbezogen werden.

Den Aufwand für eine sorgfältige Planung dürfen Sie dabei keinesfalls unterschätzen. Vorlaufzeiten von über einem Jahr sind durchaus realistisch.

E-Book am Online-Kiosk
Eine ausführliche Darstellung für den Mittelstand gibt Dr. Jürgen Kaack im Ratgeber „Unternehmen gründen. Von der Idee bis zur Kapitalbeschaffung“, den Sie online im Zeitschriftenkiosk des MittelstandsWiki bekommen.

Markt unter Beobachtung

Damit man als Gründer selber eine möglichst hohe Sicherheit gewinnt, empfiehlt es sich, verschiedene und voneinander unabhängige Quellen zu nutzen. Selbst wenn die Aussagen in Teilbereichen widersprüchlich sein sollten, so zeigt dies doch den Grad der Unsicherheit in der Einschätzung an. Auf dieser Basis müssen dann natürlich immer noch die eigenen Schlüsse gezogen und eigene Erkenntnisse eingebracht werden. Denn nur in den seltensten Fällen reichen für eine Marktanalyse externe Quellen aus. Da jede Branche ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten hat, ist eine mehrjährige aktive Berufserfahrung in der ausgewählten Branche vor einer Neugründung eigentlich unerlässlich.

Finanzierung sichern

Eine sorgfältige Planung setzt systematisches Vorgehen voraus

Bei der Planung spielt die Finanzierung in fast allen Fällen eine herausragende Rolle. Bei so manchem neu gegründeten Unternehmen beginnen die eigentlichen Probleme nicht bei der Umsetzung der Produkte – selbst wenn es sich um ein innovatives Produkt handelt –, sondern bei der unzureichenden Durchfinanzierung.

Die Entwicklung des Kapitalmarktes und das Verhalten von Investoren sind nur selten vorhersehbar. Dennoch ist es hilfreich, schon bei der Planung eine Verschiebung oder auch das Ausbleiben einer Kapitalerhöhung zu berücksichtigen. Wenn die Planung dabei ergibt, dass das Unternehmen beim Ausbleiben einer zweiten oder dritten Kapitalerhöhung nicht überleben kann, so sind auf jeden Fall die Randbedingungen klar, und als Gründer sollte man von vornherein Investoren suchen, die bereit sind – und sich vertraglich verpflichten –, die folgenden Kapitalerhöhungen beim Erreichen definierter Meilensteine mitzutragen.

Gesellschaftsform

Seit Einführung von Europa-AG und Unternehmergesellschaft stehen Gründern etliche Alternativen zur klassischen GmbH oder AG offen.

AG mit Blick auf die Börse

Es ist klar, dass der Aufwand der Führung einer Aktiengesellschaft mit einer Vielzahl von Aktionären erheblich höher ist als bei einer GmbH. Auch der Gründungsaufwand ist um einiges höher – das wird oft unterschätzt. Es gibt etliche formale Anforderungen, die sowohl Zeitaufwand als auch zusätzliche Kosten bedeuten.

In vielen Fällen gehen die Finanzierungsplanungen von einem Börsengang kurz nach Erreichen des Break-even aus. Je nach Zusammensetzung des Gesellschafterkreises wird diese Form bewusst favorisiert, da die typische Haltedauer einer Beteiligung von drei bis fünf Jahren einen baldigen Exit erforderlich macht. In diesem Fall sollten von Anfang an die Bedingungen für das Reporting und die Prozesse eines börsennotierten Unternehmens erfüllt werden. Hierfür ist es sinnvoll, einen Investor-Relations-Verantwortlichen zu benennen und schon früh aussagekräftige Quartalsberichte zu erstellen.

Aber nicht nur das Reporting bereitet zusätzliche Arbeit, auch die Vorbereitung von Hauptversammlungen und Aufsichtsratssitzungen ist aufwändiger, als man sich dies im Vorfeld oft vorstellt. Bei fast allen Vorgängen ist das Einhalten genau definierter Zeitpläne und Abläufe notwendig.

Zunächst ist für Kapitalerhöhungen genehmigtes Kapital in einer regulären Hauptversammlung zu schaffen oder in einer alternativen Vollversammlung zu beschließen. Dann sind für die Durchführung formale und gut dokumentierte Vorstands- und Aufsichtsratsbeschlüsse erforderlich. Selbst das Vorgehen bei der Gestaltung, Produktion und Vergabe von Aktien muss festgelegten Regeln folgen. Die Verwaltung des Aktienbuchs, in dem verbindlich die Aktionäre mit der Anzahl der von ihnen gehaltenen Aktien festgehalten wird, ist sehr sorgfältig vorzunehmen und bereitet bei Aktienverkäufen, der Aufteilung von Globalaktien und ähnlichen Änderungen erfahrungsgemäß viel Aufwand. Fast alle Vorgänge müssen zudem notariell beglaubigt und beim Handelsregister eingetragen werden.

Da diese Abläufe ohne profunde juristische Vorkenntnisse kaum richtig zu handhaben sind, kommt man nur in Ausnahmefällen ohne eigenen Juristen aus.

Da für einen möglichen späteren Börsengang alle Vorgänge im Unternehmen, einschließlich des Gründungsvorganges selber, im juristischen Sinne korrekt sein müssen, lassen sich auch kaum Kosten sparende Kürzungen vornehmen. Und Vorgänge, die nicht ordnungsgemäß abgelaufen sind, lassen sich im Nachhinein nur schwer wieder korrigieren. Die Corporate-Governance-Regelungen und Compliance-Anforderungen legen dem Unternehmen ein recht enges Korsett an.

Das Problem ist: Die für all dies eingesetzten Mittel und personellen Ressourcen fehlen möglicherweise später für den Unternehmensaufbau. Daher ist vor der Gründung sorgfältig abzuwägen, ob es tatsächlich schon bei der Gründung eine Aktiengesellschaft sein muss oder ob nicht das Gleiche auch mit einer GmbH, GmbH & Co. KG, KG oder einer Ltd. erreicht werden kann. Seit der GmbH-Reform ist außerdem die Unternehmergesellschaft („Mini-GmbH“) eine interessante Option.

Serie: Unternehmensgründung

  • Teil 1 beginnt mit der Vor­be­reitung und wirft einen Blick auf die mög­li­chen Ge­sell­schafts­formen.
  • Teil 2 diskutiert die Zu­sam­men­setzung des Start­teams und nimmt In­vesto­ren unter die Lupe.
  • Teil 3 erläutert das Vor­ge­hen bei Ka­pital­maß­nahmen und gibt Tipps für die prak­ti­sche Zu­sam­menarbeit.
  • Teil 4 lenkt den Blick auf einige Pro­blem­felder, bei de­nen die rich­tige Ent­schei­dung spä­te­ren Ärger ver­meiden hilft.

Als klassische GmbH

Selbst die Regelungen für eine klassische GmbH sind für einen Gründer auf jeden Fall leichter zu erfüllen, und die formalen Anforderungen sind deutlich niedriger. Dies sollte natürlich trotzdem keinen Einfluss auf die unternehmerische Sorgfalt bei gesellschaftsrechtlichen Vorgängen haben. Sollte später ein Börsengang geplant sein, so ist die Umwandlung der GmbH in eine AG möglich. Der dabei entstehende Aufwand ist auch nicht höher als bei der Gründung der AG und erfolgt in der Regel in einer Unternehmensphase, in der bereits eine Organisation aufgebaut ist und nicht alle Aufgaben gleichzeitig umgesetzt werden müssen.

Limited und Alternativen

Inwieweit die englische Limited (Ltd.) eine sinnvolle Alternative ist, hängt sicher vom jeweiligen Geschäftsmodell ab; die Akzeptanz bei Geschäftspartnern und Kunden sollte ein entscheidendes Kriterium bei der Entscheidung sein. Die kurzfristigen Vorteile eines niedrigeren Eigenkapitals im Vergleich zur GmbH können z.B. schnell durch die Nachteile der zusätzlichen Kosten für den Abschluss nach deutschem und englischem Recht aufgezehrt werden. Steuerliche Vorteile ergeben sich auf jeden Fall dann nicht, wenn die Leistungserbringung im Wesentlichen in Deutschland erfolgt. Außerdem reicht das niedrige Eigenkapital der Ltd. in der Regel nicht für den Aufbau eines anspruchsvolleren Geschäftes aus.

Aufs Geschäft konzentrieren

Aus Erfahrung lässt sich sagen: Bei der Entscheidung für ein Geschäftsmodell sollte auf jeden Fall die längerfristige Perspektive wichtiger sein als eine kurzfristige Optimierung. Auch sollte der mit der Gesellschaftsform verbundene Aufwand für formale Themen beachtet werden. In der Aufbauphase sollte der Fokus eher bei operativen Themen als bei der Erfüllung von Formalien liegen. Aber es gibt trotzdem genügend Fälle, in denen sich auch die Gründung eines Unternehmens in der Form einer Aktiengesellschaft empfiehlt.

Wie das Gründungsteam optimal aufgestellt ist und was es bei der Investorenwahl zu erwägen gilt, sagt Teil 2 dieser Serie.

Nützliche Links

Das Existenzgründerportal beim BMWi zählt zu den wichtigsten Web-Adressen für den Mittelstand. Der KfW-Gründungsmonitor dokumentiert das Gründungsgeschehen in Deutschland seit 2000. Für Gründer gibt es außerdem etliche steuerliche Sonderregelungen, z.B. bei der Ansparabschreibung.