Wann sich Open Source rechnet, Teil 1

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Systeme brauchen Support

Von Sebastian Sand

Microsoft kostet, Open Source gibt’s gratis zum Herunterladen. Soweit alles klar. Oder doch nicht? Tatsache ist: Die Anschaffungskosten fallen praktisch nicht mehr ins Gewicht, wenn man die Vollkosten betrachtet. Denn was am Ende teuer kommt, sind Pflege und Aktualisierung nach dem Kauf.

Unabhängig von Branche und Geschäftsmodell geht es heute bei jeder Unternehmensarchitektur um die Kostenfrage ebenso wie um die Leistungsfähigkeit der jeweiligen IT-Landschaft. Der Preis für die Hardware ist meist kaum verhandelbar und steht im Prinzip mehr oder weniger fest, solange sie den gestellten Anforderungen genügt.

Dagegen bieten sich bei der Software oft zwei Möglichkeiten:

  • kommerzielle Produkte oder
  • Open-Source-Produkte, die grundsätzlich erst einmal kostenlos sind, was ihren größten Vorteil darstellt.

Sehen wir uns also im ersten Teil an, welche Betriebssysteme zur Wahl stehen. Wir wollen außerdem gleich wissen, wie der Support aussieht und was er kostet. In Teil 2 nehmen wir Pakete gängiger Bürosoftware unter die Lupe, öffnen dann in Teil 3 die jeweilige Tabellenkalkulation und rechnen durch, ob sich die Software bezahlt macht.

Serie: Wann sich Open Source rechnet
Teil 1 sichtet die Betriebssysteme und sagt, wie der Support bei Linux aussieht. Teil 2 prüft, ob Open Source mit Word, Excel und Co. konkurriert. Teil 3 rechnet nach, welche Kosten am Ende den Ausschlag geben.

Windows

Im Bereich der Betriebssysteme für Arbeitsplatz-PCs hält Microsoft mit der Windows-Reihe nahezu ein Monopol. Die neuste Version ist das 2007 erschienene Windows Vista von 2007, das es in fünf verschiedenen Ausführungen gibt: Home Basic, Home Premium, Business, Enterprise und Ultimate.

Versionen auf dem Markt*

  • Windows 2000 | ab € 45
  • Windows XP Home | ab € 60
  • Windows XP Professional | ab € 75
  • Windows Vista Home Basic | ab € 209
  • Windows Vista Home Basic OEM 32 Bit | ab € 65
  • Windows Vista Home Basic OEM 64 Bit | ab € 70
  • Windows Vista Home Premium | ab € 239
  • Windows Vista Home Premium OEM 32 Bit | ab € 76
  • Windows Vista Home Premium OEM 64 Bit | ab € 80
  • Windows Vista Business | ab € 380
  • Windows Vista Business OEM 32 Bit | ab € 100
  • Windows Vista Business OEM 64 Bit | ab € 110
  • Windows Vista Ultimate | ab € 460
  • Windows Vista Ultimate OEM 32 Bit | ab € 140
  • Windows Vista Ultimate OEM 64 Bit | ab € 145

OEM steht für Original Equipment Manufacturer. Solche Versionen werden meistens mit neuen PCs geliefert und sind deutlich günstiger als normale. Hinzu kommt, dass der Lieferumfang meist eingeschränkt ist; z.B. gibt es keine gedruckte Dokumentation. 32 Bit/64 Bit bezieht sich auf die maximale Wortlänge, die pro Takt verarbeitet werden kann. Aktuelle CPUs arbeiten bereits durchgängig mit 64 Bit.

* Alle Preisangaben hier und im Folgenden Stand Frühjahr 2008.

Home Basic und Home Premium sind vor allem für den Einsatz im privaten Bereich konzipiert und unterscheiden sich nur hinsichtlich der Multimediafähigkeiten. Erst ab der Business-Variante ist es möglich, einer Domain beizutreten; zusätzlich sind Sicherheitsfunktionen wie Festplattenverschlüsslung und Network Access Protection enthalten, was auch den so genannten Internet Information Service (IIS) umfasst. Die Enterprise-Variante ist vor allem für Großkunden gedacht und wird nur in Volumenlizenzen verkauft. Windows Vista Ultimate vereinigt die Funktionen aller anderen und passt für Personen, die einen PC sowohl privat als auch geschäftlich verwenden. Neben Vista sind aber auch noch ältere Systeme wie Windows XP oder Windows 2000 erhältlich.

Beim OEM-Kauf gibt es von Microsoft überhaupt keinen kostenlosen Support. Käufer einer regulären Version von Windows Vista erhalten 90 Tage kostenlose Unterstützung. Danach bietet das Unternehmen eine Reihe von Preismodellen an:

Personal Support
Tel./Web: Mo–Fr 8–18 Uhr, Sa 9–17 Uhr. Die ersten beiden Anfragen sind im Kaufpreis enthalten; keine Programmier- und Serveranfragen. € 72 inkl. MwSt./Anfrage.
Professional Support
Tel./Web: Mo–Fr 8–18 Uhr. € 299 + MwSt./Anfrage (10×5) bzw. € 598 + MwSt./Anfrage (24×7).
Essential Support Level 0
24×7: 10 Std. proaktiver Support, 15 Std. Problemlösungssupport. € 8800 + MwSt./Jahr.
Essential Support Level 1
24×7: 20 Std. proaktiver Support, 30 Std. Problemlösungssupport. € 15500 + MwSt./Jahr.

Open Source

Bei den Open-Source-Betriebssystemen, steht Linux an erster Stelle. Linux wird von vielen Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen und Einzelpersonen stetig weiterentwickelt. Ausgeliefert und zum Download bereitgestellt wird das System meist in so genannten Distributionen. Dabei handelt es sich um ein Softwarepaket, das neben dem eigentlichen Betriebssystem noch eine Vielzahl an Zusatzprogrammen enthält.

Das Gute daran: Der Download ist eigentlich immer kostenlos. Der Nachteil ist jedoch, dass keinerlei Dokumentation und Support inbegriffen sind. Deshalb gibt es daneben auch die Möglichkeit, eine Linux-Distribution zu kaufen. Im Preis enthalten ist dann neben einer ausführlichen Dokumentation auch Installationssupport für einen begrenzten Zeitraum. Er lässt sich aber durch Abschluss eines Supportvertrages beliebig verlängern.

Die Distributionen zeichnen sich vor allem durch die Art und Anzahl der mitgelieferten Programme aus. Wichtiger ist hier die Unterscheidung zwischen Paketen für Endanwender und denen für den professionellen Einsatz. So sind bei den downloadbaren Versionen z.B. keine automatischen Updates und Upgrades enthalten – die werden erst über einen kostenpflichtigen Abodienst verfügbar.

Ubuntu

Download kostenlos (www.ubuntu.com), CD-Versand weltweit kostenlos; Kauf: € 40 inkl. Handbuch und 90 Tage Installationssupport.

Support darüber hinaus pro Jahr für 9×5 24×7
Desktop $ 250 $ 900
Server $ 750 $ 2750
Verteilte Systeme und Viel-Prozessor-Rechner $ 1200 $ 4000

Der Support erfolgt per Telefon oder E-Mail. Enthalten sind zudem kostenlose Updates und Upgrades. 9×5-Support ist werktags 9–18 Uhr verfügbar.

Suse

Download kostenlos (www.opensuse.org); Kauf: € 45 für Heimanwenderversion inkl. sehr gutem Handbuch und 90 Tage Installationssupport. Bei den Enterprise-Versionen sind weder Installationsmedien noch Anleitungen dabei. Wer sich deren Download sparen möchte, kann sie sich für € 33 zusätzlich kaufen. Der Abodienst, den es nur bei openSuse nicht gibt, bietet regelmäßige Updates, Patches, Fixes und E-Mail-Support.

Version Support für 1 Jahr für 3 Jahre
openSuse 10.3 € 45 inkl. Handbuch und 90 Tage Installationssupport
Suse Linux Enterprise Desktop 10 € 47+ MwSt. € 116 + MMwSt.
Suse Linux Enterprise Server 10 (nur Abodienst) € 251,26 + MwSt. € 671,43 + MwSt.
Suse Linux Enterprise Server 10 E-Mail 24/7, Telefon 12/5, Reaktionszeit max. 4 Std. € 587,39 + MwSt. € 1427,73 + MwSt.
Suse Linux Enterprise Server 10 E-Mail, Telefon 24/7, Reaktionszeit: max. 1 Std. € 1091,60 + MwSt. € 2772,27 + MwSt.

Mandriva

Download kostenlos (www.mandriva.com); Kauf: ab € 45 inkl. Handbuch und 90 Tage Installationssupport.

Version Support für 1 Jahr für 3 Jahre
Mandriva Corporate Desktop 3.0 Websupport 24×7, Reaktionszeit: 2 Werktage € 99 € 229
Mandriva Corporate Server 4 Websupport 24×7, Reaktionszeit: 2 Werktage € 279 € 390

Red Hat

Download kostenpflichtig (www.redhat.de); Kauf: ab € 60 + MwSt. Von Red Hat selbst gibt es keine Gratisversion zum Download. Die Distribution Fedora ist jedoch eine Tochter von Red Hat und kostenfrei verfügbar.

Version Support für 1 Jahr
Red Hat Enterprise Linux Desktop, Basic Subscription Web support, Reaktionszeit: 2 Werktage $ 80
Red Hat Enterprise Linux Desktop, Standard Subscription 12×5 Telefonsupport, Websupport $ 299
Red Hat Enterprise Desktop, Premium Subscription 24×7 Telefonsupport, Websupport $ 339
Red Hat Enterprise Linux, Basic Subscription Websupport, Reaktionszeit: 2 Werktage $ 349
Red Hat Enterprise Linux, Standrad Subscription 12×5 Telefonsupport, Websupport $ 799
Red Hat Enterprise Linux, Premium Subscription 24×7 Telefonsupport, Websupport $ 1299

Fazit: Die Hotline gehört dazu

Die Schere geht bei den Anschaffungskosten weit auseinander – ohne dass der Leistungsumfang groß ins Gewicht fiele. Bei kommerziellen Produkten kostet mehr eben mehr, und Open-Source-Lösungen haben sich in der Vergangenheit bereits als ebenso voll tauglich erwiesen. Lediglich von Hybrid-Universen ist eindeutig abzuraten; eine auf Systemebene konsolidierte Infrastruktur läuft in jedem Fall runder, welche Wahl Sie auch treffen.

Beim Support liegt die Sache so, dass er nicht nur verfügbar sein muss, sondern auch tatsächlich weiterhelfen soll. Die Qualität schwankt hier beträchtlich; als Faustregel kann gelten, dass Linux-Distributionen generell mehr Eigenkenntnisse auf Seiten des Administrators voraussetzen. Ansonsten ist wichtig, dass Supportverträge mindestens eine mittlere Laufzeit haben. Ein frisch aufgesetztes System läuft immer rund. Erst später beginnt es im Gebälk zu knacken – und dann brauchen Sie praktische Hilfe. Mit der Laufzeit entscheidet letztlich das Preis-Leistungsverhältnis darüber, welcher Vertrag sich lohnt – das allerdings stellt sich oft erst im Nachhinein heraus.

Wie sich Preise und Support bei gängiger Bürosoftware im Vergleich machen, untersucht Teil 2 dieser Serie.
Serie: IT-Sicherheit
Teil 1 beschreibt die heutige IT-Sicherheitslage: Web 2.0 bietet Angreifern bequeme Einfallstore. Teil 2 benennt die Lücken in Firmennetzwerken und zeigt die Tricks von Hackern und Spionen. Teil 3 skizziert die Zukunft der Gefahrenabwehr: System und Sicherheit unter einem Hut. Ein Sonderbeitrag befasst damit, wie die aktuellen Cyberbedrohungen 2017 zu bewerten sind.

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