Wertguthaben

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Nach Laune aufstocken, lukrativ abbuchen

Von Dr. Hermann Vogt

Das Wertguthaben als Baustein der Mitarbeiterbeteiligung bietet für kleine und mittelständische Unternehmen eines der flexibelsten und profitabelsten Instrumente zur Gestaltung der unternehmensspezifischen Arbeitszeiten. Als Grundlage dient das Lebensarbeitszeitkonto, in das sämtliche Entgeltsbestandteile einbezahlt werden können. Die damit verbundene „nachgelagerte Besteuerung“ führt zu großen finanziellen Vorteilen für die Arbeitnehmer ebenso wie für das Unternehmen.

Wertguthaben basieren zwar in der Regel auf einem Lebensarbeitszeitkonto, es können aber auch sämtliche Entgeltleistungen des Unternehmens einbezahlt werden. Sie werden „nachgelagert“ versteuert, das heißt, sie können zunächst „brutto für netto“ dem Wertkonto überschrieben werden; Steuern und Sozialabgaben fallen erst mit der Ausbezahlung an (Zuflussprinzip).

Flexigesetz

Das Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen (ArbZAbsichG, das so genannte „Flexigesetz“) aus dem Jahre 1998 ermöglicht die Anlage von Wertguthaben, die ursprünglich nur für die betriebliche Altersvorsorge bzw. die Altersteilzeit verwendet werden sollten. Heute können die Guthaben auch für Ausfallzeiten wie Kinderbetreuung, ein Sabbatjahr oder eine längerfristige Weiterbildung genutzt werden. Es besteht Versicherungspflicht für die gesamte Mobilzeitvereinbarung, so dass der Versicherungsschutz erhalten bleibt.

Wertguthaben sind bilanztechnisch Fremdkapital und sind als Rückstellung inklusive der anfallenden AG-Anteile der Sozialversicherung zu buchen.

Lebensarbeitszeitskonto

Auf einem solchen Konto können die Arbeitnehmer Guthaben aus dem Bruttolohn sowie Entgelte für Überstunden, Sonderzulagen wie Weihnachtsgeld, Prämien oder Tantiemen einzahlen.

Mehrarbeit wegen eines hohen Auftragsbestandes, Überstundenzuschläge, jahreszeitlich bedingte Schwankungen von Arbeitszeiten oder Mehrstunden von flexiblen Arbeitszeiten können individuell angespart werden. Aus dem Guthaben können jederzeit Löhne oder Lohnergänzungen ausgezahlt werden, so dass damit auch Krisenzeiten des Unternehmens überbrückt werden können.

Das Unternehmen entscheidet frei, ob und welchen Mitarbeitern es ein Lebensarbeitszeitskonto anlegen möchte – es besteht darauf also kein Anspruch von Seiten der Mitarbeiter. Das Konto kann bei Rentenbeginn ohne Abzug von Steuern in eine betriebliche Altersversorgung umgewandelt werden.

Schließlich kann der Cash Flow durch die Ersparnis bei der Gewerbe- und Körperschaftssteuer ohne den Einsatz eigener Mittel verbessert werden.

Pro und Contra

Das Lebensarbeitszeitkonto gilt als eine der sichersten Anlageformen für die Mitarbeiter, da eine zuverlässige Insolvenzsicherung durch Einzelverpfändung mit Treuhandschaft besteht. Da das Konto aus den verschiedensten Quellen gespeist werden kann und erst Auszahlungen versteuert werden müssen, ergeben sich spürbare Auswirkungen auf die Liquidität von Unternehmen wie Mitarbeitern.

Die freien Gestaltungsmöglichkeiten inklusive der Verzinsung der Konten eröffnet eine hohe Flexibilität in der Anpassung an die Rahmenbedingungen des Unternehmens.

Ein Mitarbeiter kann – je nach Höhe des Wertguthabens – vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden und dabei niedrigere Renten durch angesparte Mittel ausgleichen. Da die Anlage insolvenzgeschützt, portabel und vererbbar ist sowie sehr transparent gestaltet werden kann, ist es gerade für Arbeitnehmer interessant, die sich vor risikoreichern Anlagen scheuen.

Insgesamt hat das Wertguthaben ganz ähnliche Auswirkungen wie andere Formen der Mitarbeiterbeteiligung:

  • Senkung von Personalkosten,
  • Wettbewerbsvorteile bei der Suche und Bindung von Fach- und Führungskräften,
  • Steigerung der Mitarbeitermotivation,
  • Verbesserung der Liquidität.

Natürlich gibt es auch kritische Aspekte, denn z.B. die Mobilität der Arbeitnehmer kann durch die starke Bindung an das bisherige Unternehmen eingeschränkt werden. Auch ist die Portabilität noch sehr begrenzt, so dass angesichts der großen Veränderungen in der Wirtschaft die Arbeitnehmer ihre Chancen einer beruflichen Weiterentwicklung nicht immer nutzen können.

Fazit: Wertguthaben entdecken

Für kleine und mittelständischen Unternehmen ergeben sich aus den Lebensarbeitszeitkonten und damit verbundenen Wertguthaben beachtliche Wettbewerbsvorteile – wenn sie denn auch genutzt werden. Denn vielerseits sind diese Instrumente noch unbekannt. Verbesserung der Liquidität und damit größere Unabhängigkeit von den Banken lohnt die Mühe, auch Wertguthaben einzuführen.

Nützliche Links

Der Verein Zukunft unserer Arbeit e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft e.V. (AGP) präsentieren das Internet-Portal www.mitarbeiterbeteiligung.info. Dort werden Best-Practice-Unternehmen vorgestellt; außerdem sind zu den verschiedensten Bereichen der Mitarbeiterbeteiligung Materialien zum Download und wichtige Weblinks zu finden. Neu ist das Internet-Portal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung speziell für den Mittelstand.