WiFi-Mesh-Systeme im Test, Teil 3 (Messergebnisse)

Messergebnisse bei AVM, Eero, Google, Luma und Orbi

Von Dr. Harald Karcher

Wir wollten einen realistischen Einsatz im Gebäude testen, vom Dach bis in den Keller. Das Szenario der WLAN-Mesh-Messungen sah im Prinzip so aus: Die jeweilige Basisstation im Dachgeschoss war per LAN-Kabel mit einem Server-Laptop verbunden, das über eine Fritz!Box 7390 ins Web kam (die meisten Modelle bringen ja kein eigenes Internet-Modem mit). Dann koppelten wir die WLAN-Mesh-Pärchen (siehe Teil 2 dieser Serie). Für die Messung von Speed und Reichweite trugen wir die jeweilige WiFi-Mesh-Verstärkerstation einen Stock tiefer und platzierten sie in einer notorisch schwierigen Ecke.

Stromverbrauch

Der gesamte Stromverbrauch jedes getesteten WLAN-Pärchens wurde so gemessen:

  • Beim Standby war unser Wanderlaptop nur in das Funknetz des WLAN-Testpärchens eingebucht, ohne weitere Datentransfers.
  • Beim Download flossen mehrere Gigabyte-Dateien in Highspeed vom Server-Laptop (hinten im Bild) über das WLAN-Test-Paar (links auf dem Messgerät) zum Wanderlaptop (vorne im Bild). Das dürfte in etwa dem Herunterziehen eines 4K-Ultra-HD-Filmes von einem Home-Server auf einen mobilen Laptop entsprechen.
  • Der Punkt „WATT-Differenz“ zeigt den Unterschied zwischen den Stromverbräuchen im Standby und bei voller Download-Aktivität.

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Der Stromverbrauch jedes WLAN-Pärchens wurde sowohl im Standby als auch bei vollem Datendurchsatz gemessen. Hier war gerade das Luma-Pärchen dran. (Bild: Harald Karcher)

Beim Stromverbrauch des AVM-Pärchens muss man das riesige Funktionspaket der AVM-Basisstation berücksichtigen: Die vermessene AVM 7580 hat neben WLAN auch noch ein DSL-Modem, ISDN, analoge Telefonports, Telefonanlage, Anrufbeantworter, DECT-Basisstation, 4-Port-Gigabit-Switch, USB-3.0-Schnittstellen und vieles mehr: Jedes Feature braucht halt auch ein bisschen Strom. Die vier Mesh-Testkandidaten bräuchten für so einen Funktionsumfang externe Zusatzgeräte mit eigenen Netzteilen, etwa ein gesondertes Internet-Modem und eine externe DECT-Telefonanlage. Summiert man den Stromverbrauch mehrerer Einzelgeräte, dann kommt man schnell auf deutliche höhere Werte als bei einer AVM 7580, die alles unter einer Haube hat.

Die WLAN-Pärchen von Google und Luma sind durch einen geringen Stromverbrauch aufgefallen, haben aber bei Weitem nicht so viele Funktionen und Schnittstellen wie das Feature-Monster 7580.

Der Verbrauch des Eero– und des Netgear-Pärchens war fast genauso hoch wie bei den AVM-Stationen, obwohl bei Weitem nicht so viele Funktionen drinstecken. Den bloßen WLAN-Stromverbrauch des AVM-Pärchens konnten wir nicht gesondert messen. Insofern sind die Stromwerte nicht wirklich vergleichbar.

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Stromverbrauch der fünf WLAN-Pärchen. (Bild und Messungen: Harald Karcher)

Speed und Reichweite

Beim Speed- und Reichweitentest blieb die jeweilige WLAN-Basisstation immer im DG stehen. Genau wie beim Stromverbrauchstest blieb die Basisstation per LAN-Kabel mit dem Server-Laptop verbunden. Mit einem weiteren LAN-Kabel blieb die Basis auch mit dem durchgeschleiften Internet aus einer AVM 7390 am VDSL-Modem der Deutschen Telekom verbunden. Die jeweilige WLAN-Verstärkerstation wurde dagegen in das OG getragen und dort in einer bekannt schwierigen Ecke aufgestellt.

Danach begann die Messwanderung mit einem ASUS-17-Zoll-Highend-Laptop mit einem fest verbauten 2-Stream-WLAN-ac-Modul von Intel. Sie führte immer vom DG über das OG und EG bis in den Keller. Dabei maßen wir vielfach den Speed beim Upload und beim Download von Gigabyte-Dateien und haben „nur“ die resultierenden Durchschnittswerte (also keine sporadischen Höchstwerte) in die Tabelle eingetragen. Nach Hunderten von Einzelmessungen ergaben sich mit diesem Prozedere folgende Durchschnittswerte in MBit/s:

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Speed und Reichweite der fünf WLAN-Pärchen. (Bild und Messungen: Harald Karcher)

Das WLAN-Pärchen von AVM war zu Beginn der Laptop-Wanderung mit einem ASUS-Highend-Laptop im DG ausgesprochen schnell. Der DL-UL-Durchschnitt lag bei flotten 430 MBit/s. Die Werte fielen dann auf der weiteren Messwanderung über OG und EG bis in den Keller schön gleichmäßig ab. Im Keller kamen im DL-UL-Mix noch immer recht brauchbare 15,5 MBit/s.

Das WLAN-Pärchen von Eero brachte zu Beginn der Wanderung unweit der Eero-Basisstation ebenfalls über 400 MBit/s. Aber schon im OG, unweit der Eero-Verstärkerstation, brach der Speed auffallend stark ein. Vermutlich war das Mesh-System an dieser funktechnisch bekannt schwierigen Stelle mit der Selbstverwaltung und Selbstoptimierung beschäftigt. Ansonsten hätten die Speed-Werte fast ebenso schön wie beim AVM-Pärchen ausfallen können. Insbesondere brachte das Eero-Mesh-System auch im Keller noch einen guten Speed von 13 MBit/s.

Das WLAN-Pärchen von Google machte im DG und im OG – unweit der beiden Mesh-Stationen – mit dreistelligen MBit/s-Werten einen flotten Eindruck. Auch im EG kamen im DL-UL-Mix recht brauchbare 23 MBit/s. Dagegen war das System im Keller kaum noch brauchbar, weil es dort nur sporadische Verbindungen zu den WLAN-Stationen in den oberen Stockwerken aufbauen konnte. Vermutlich hätte man eine dritte Google-Mesh-Station im EG aufstellen müssen, um auch den Keller noch brauchbar mit WLAN zu versorgen. Wie sich so ein 3er-Set auf Durchsatz und Reichweite ausgewirkt hätte, konnten wir noch nicht messen, da wir von allen Testkandidaten nur jeweils ein 2er-Set hatten.

Das WLAN-Pärchen von Luma schlug sich im DG auf kurze Distanz zur Luma-Basis mit einem DL-UL-Durchschnitt von fast 400 MBit/s recht gut. Im OG, unweit des Luma-Verstärkers, war zwar der Download mit fast 150 MBit/s noch recht gut, aber der Upload vom WLAN-Laptop zum Luma-System erreichte an der bekannt schwierigen Stelle im OG nur 30 MBit/s Durchschnitt. Auch im EG war der Upload vom Laptop zum Mesh-System mit knapp 13 MBit/s dreimal schwächer als der Download mit über 41 MBit/s. Allerdings fühlt sich das Surfen auch mit 13 MBit/s Nettodurchsatz noch sehr brauchbar an. Lediglich im Keller war das Mesh-System von Luma noch schwächer als jenes von Google. Vermutlich hätte man eine dritte Luma-Mesh-Station im EG aufstellen müssen, um auch den Keller noch brauchbar mit WLAN zu versorgen. Ein Dreierset konnten wir noch nicht testen.

Das WLAN-Pärchen Orbi von Netgear lag in Sachen Speed im OG und im DG zwar deutlich hinter dem flotten Testpaar von AVM. Dagegen brachte es im EG und im Keller mehr Speed als alle anderen Testkandidaten. Ob dieses schwerste, größte und teuerste WLAN-Pärchen auch ein zweites UG versorgt hätte, konnten wir nicht testen, weil wir kein zweites UG hatten.

Serie: WiFi-Mesh-Systeme im Test
Teil 1 stellt die fünf Systeme vor: die AVM Fritz!Box 7580 mit dem Fritz!WLAN Repeater 1750E, das Eero Home WiFi System, Google WiFi, das Luma Surround WiFi System und Netgear Orbi. Teil 2 berichtet, welcher Aufwand jeweils für Installation und Setup erforderlich ist, und Teil 3 erläutert die Messergebnisse bei Stromverbrauch, Speed und Reichweite.

Schon am ersten Repeater fallen alle WiFi-Pärchen ab

Die Marketing-Parole, dass die neuen WLAN-Mesh-Systeme an der ersten WLAN-Verstärkerstation keinen (!) Speed-Einbruch erleiden würden, hat sich in unserer konkreten Testumgebung als völlig falsch erwiesen. Im Gegenteil: Ausgerechnet die WiFi-Mesh-Vertreter Eero und Luma brachen an der ersten Verstärkerstation im OG sogar heftiger ein als das WLAN-Router-und-Repeater-Pärchen von AVM (siehe die Tabelle oben).

Einschränkend muss man sagen: Wir haben sehr frühe Samples aus der ersten Generation der neuen WiFi-Mesh-Systeme getestet. Erfahrungsgemäß können schon kleine Firmware-Updates große Verbesserungen bei frühen WLAN-Versionen bewirken.

Wer jedoch den altbekannten Speed-Einbruch am ersten WLAN-Verstärker komplett vermeiden will, muss per Frühling 2017 halt immer noch eine komplizierte Profiinstallation mit WLAN-Access-Points auf allen Etagen an einem Gigabit-Ethernet-Kabelbackbone vom Keller bis ins Dach realisieren. Mehr zu dieser leistungsfähigsten WLAN-Architektur steht im Beitrag WiFi-Mesh-Netze.

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