WordPress und MediaWiki kombinieren

Aus MittelstandsWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Schlaue Doppellösung nach Art der Inhalte

Von Michael Praschma

© Florian Strohmaier, MittelstandsWiki

© Florian Strohmaier, MittelstandsWiki

Betriebe ohne eigene Website, gibt es das überhaupt noch? – Durchaus: Fast jedes sechste deutsche Unternehmen ist nach wie vor offline. Bei Firmen mit weniger als zehn Beschäftigten sind es nach Angaben des BITKOM sogar 45 %. Diese Kleinunternehmen schließen zwar rasch auf; es ist aber anzunehmen, dass hier oft aus purer Not extrem schlichte (und manchmal schlechte) Baukastenlösungen „für den Kindergarten“ im Einsatz sind.

Doch zur Wahl stehen gar nicht nur die extremen Varianten, nämlich entweder: gratis, Substandard in Optik und Performance, irgendwann stressig und zu klein; oder maßgeschneidert vom professionellen IT-Anbieter, rundum (hoffentlich) sorglos, jedenfalls aber sauteuer. Dazwischen, vielfach unterschätzt und für unternehmerische Zwecke wenig bekannt, liegt jedoch WordPress: ein frei verfügbares CMS (Content Mangement System), das für den größten Teil der kleinen und mittleren Betriebe einen repräsentativen Web-Auftritt ermöglicht und zugleich weitgehend einsteigertauglich ist.

Sofortstart mit viel Spielraum für Wachstum

Wer zunächst wenig Zeit und nur ein Minibudget investieren will, findet mit dem einfacheren Bloghosting-Dienst WordPress.com eine Lösung, die im Prinzip wie jede andere Website aussieht, aber u.a.

  • nach der Anmeldung sofort online gehen kann (ohne dass man Software herunterladen muss),
  • Hosting und Server kostenlos einschließt (wobei der Umzug zu einer selbst gewählten Toplevel-Domain jederzeit möglich ist) und
  • Aktualisierungen und Sicherheitsfeatures auf relativ hohem Niveau automatisch nachliefert.

Daneben gibt es freilich die Möglichkeit, sich WordPress herunterzuladen und auf eigene Faust bei einem kostenpflichtigen Provider der eigenen Wahl zu installieren, was in der Tat der Normalfall ist und sich bei Unternehmensseiten im Grunde von selbst versteht. Auch das ist im Prinzip nicht schwer; manche Anbieter ermöglichen die Installation samt Datenbank bereits automatisiert mit ein paar Mausklicks. Dann hat man auch die Möglichkeit, durch Plugins eine breite Palette von individuellen Anpassungen vorzunehmen und kann sogar selbst im Quelltext herumbasteln. Schon bei der Auswahl und Aktivierung der Extras, bei Updates und Sicherheit muss man aber sehr wohl wissen, was man tut.

WordPress.com ist quasi ein Pkw mit Automatikgetriebe und Werkstatt-Abo für Menschen, die einsteigen und von A nach B wollen. Bei der Installation von WordPress.org hingegen ist man im Handumdrehen unter der Motorhaube und sammelt Tuning-Erfahrungen.

Schon WordPress ist mehr als ein Blog

Der Ruf, vor allem als Tagebuch für profilierungssüchtige Blogger tauglich zu sein, haftet WordPress hartnäckig an – vielleicht gerade wegen seiner Zweidrittelmarktführerschaft als CMS. Das aber sehen selbst große Konzerne anders: Von arte bis ZDF, von Adidas bis VW nutzen Unternehmen diese Software für Inter- wie Intranet. Denn WordPress lässt sich z.B. durch Plugins (von denen es über 25.000 gibt!) in unterschiedlichste Richtungen erweitern und anpassen. Und WordPress bietet längst gut ausgebaute Möglichkeiten, nicht nur aktuelle Blog-Beiträge, sondern auch stabile Seiten zu verwalten.

Wer von dieser Seite des Bedarfs kommt, also z.B. ein Know-how-Archiv aufbauen will, greift oft zu der Software, die hinter Wikipedia steht und als MediaWiki ebenfalls frei verfügbare Open-Source-Software ist. Auf mittelstandswiki.de etwa multiplizieren sich die Möglichkeiten beider Systeme auf derselben Website. Wohlgemerkt: Das volle Potenzial dieser smarten Kombination ist hier bei Weitem noch nicht ausgereizt. Die Traumhochzeit von WordPress und MediaWiki ist allerdings keineswegs zwingend. WordPress macht nämlich schon als Single eine gute Figur.

Mehr kommunizieren oder mehr dokumentieren?

Eine MediaWiki-Seite und ein Blog verfolgen im Grunde genau entgegengesetzte Absichten: Blog-Einträge sind hochaktuell. Jeder neue Eintrag verweist die vorigen weiter nach hinten. In WordPress sind sie meist das belebende Element der Startseite. MediaWiki-Einträge bleiben dagegen auf der Website dort, wo sie sind. Doch an ihrem angestammten Ort werden sie immer wieder auf den letzten Stand gebracht – eben wie Wikipedia-Einträge. Ihr Funktionsumfang steht dem einer „normalen“ Seite an Vielfalt nicht nach. Das Management und Editieren des Inhalts hat etliche Eigenheiten, aber auch daran gewöhnt man sich.

Ein attraktiver Aspekt bei MediaWiki ist, dass Suchmaschinen anscheinend Wiki-Fans sind. Die Entscheidung ist letztlich eine Frage der Gewichtung: Es geht darum „die Halbwertszeit von Content mit dem jeweiligen Werkzeug optimal zu erfassen,“ wie es Thomas Jannot, Herausgeber des MittelstandsWiki, formuliert. „Tausende von Pages im Dashboard, das ist einfach zu blöd.“ Er hat darum bereits vor gut neun Jahren einen Doppelpack aufgesetzt: ein MediaWiki für bleibende Wissensmengen und Beiträge, die auch nächstes Jahr noch Gültigkeit haben. Und eine WordPress-Installation für aktuelle Nachrichten. Durch geschicktes Webdesign ist der Wechsel zwischen den beiden Websites durch einfache Verlinkung für den User nahezu unmerklich. Das ist durchaus kein Einzelfall. Sogar WordPress selbst pflegt seine Dokumentation in einem Mediawiki; die Mediawiki-Macher wiederum nutzen für ihren Blog WordPress.

Praktischer Tipp

Die besondere Herausforderung einer Kombination aus WordPress und MediaWiki liegt darin, das Aussehen, die Navigation und spezielle Funktionen wie z.B. Widgets in der Sidebar weitestgehend zu vereinheitlichen, ohne alles doppelt programmieren und warten zu müssen. Dafür gibt es Plugins und Extensions, die das ermöglichen. Sie haben allerdings den Nachteil, dass sie nach größeren Updates gerne versagen oder zu selten aktualisiert werden. Deshalb haben sich die Programmierer des MittelstandsWiki für eine eigene Lösung entschieden und wesentliche Funktionen von WordPress in MediaWiki integriert. Dazu haben sie die wp-config.php und wp-settings.php von WordPress in einer eigenen mw-wp-config.php zusammengefasst und in die LocalSettings.php von MediaWiki inkludiert. Für Entwickler, die mehr darüber wissen möchten: Die Extension WPMW und die Website Stack Overflow sind ein guter Anfang. (Thomas Jannot)

Fazit: Luxusproblem aus Masse und Klasse

Ist so etwas nachahmenswert? „Es ist ein Luxusproblem, wenn ich zu viele unterschiedliche Seiten habe,“ sagt Jannot. „Dann komme ich schnell an den Punkt, an dem ich merke, dass dieser oder jener Content auf Dauer wertvoller ist“ – und darum bekommt er eine eigene Plattform, die ihn besser im Web präsent hält. Faustregel: „Wo viel Vergängliches zu kommunizieren ist, passt WordPress, wo viel Dauerhaftes zu dokumentieren ist, passt besser MediaWiki.“ Aktuelles Beispiel: der Blog von Heise Media Service, wo man sehr genau wissen dürfte, wie sich das auf die Sichtbarkeit im Web auswirkt. Diese Beiträge im Blog, sagt Jannot, sind seiner Ansicht nach „viel zu wertvoll, um sie als Tagesmeldungen zu publizieren.“

Insgesamt liegt der wesentliche Charme für Unternehmen darin, dass sie – sowohl mit WordPress als auch mit einem Wiki – nahezu ahnungslos, aber mit Anstand die Internet-Bühne betreten können. Und irgendwann kann man auf derselben – nur erweiterten – Basis ganz großes Kino bieten. In jedem Fall gilt es, seine Inhalte so gut wie möglich im Web zu zeigen und dabei die Vorteile der Systeme geschickt zu nutzen. Der Programmieraufwand einer Kombination ist nicht zu unterschätzen, aber, sagt Jannot, „es hat sich in der Praxis durchaus bewährt.“

Nützliche Links

Anzeige
Buying|Butler

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>