WM-Report für Fußball- und FIFA-Verdrossene

Es ist zwar modern, aber völlig uncool, affine Mitarbeiter und Kollegen beim Small Talk wie Proleten dastehen zu lassen, indem man ihnen deutlich zu verstehen gibt, wie sehr einem die ganze WM am Allerwertesten vorbeigeht. Denn es gibt zu viele Kunden und Geschäftspartner, die sich eben doch für das Runde interessieren, das im Zweifel ins Eckige muss, wenn ein Spieler gerade nicht weiß, wohin der Ball soll. Deshalb ein Quickie:

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© Heise Events

Ja, die Weltmeisterschaft da draußen, die vielen Menschen ob der penetranten Werbung  massiv auf die Nerven geht, dreht sich immer noch um Fußball. Bei der so genannten FIFA-WM handelt es sich um keine neue Sportart, sondern um einen ausgeklügelten Marketingfeldzug der Veranstalter, die der ganzen Welt einreden wollen, man spiele neuerdings FIFA. Auch wenn Sponsoren es nicht schreiben und viele Offizielle tunlichst vermeiden, das Wort für das Geschäft in den Mund zu nehmen, von dem sie leben – Sie dürfen weiterhin und jetzt mit Recht „Fußball“ dazu sagen (siehe „Bundesgerichtshof hebt Markenschutz der FIFA auf“), selbst wenn sogar der Spruch „Die Welt zu Gast bei Freunden“ in manchen Spots mit einem Warenzeichen versehen ist.

Unsere Eröffnung gegen Costa Rica war wirklich klasse. Und das ohne Ballack! Bereits in der sechsten Minute schoss Lahm das erste Tor. Ein Treffer wie aus dem Bilderbuch, der von einem Linksaußen, so klein und flink wie Lahm, selten zu sehen ist. Das Gegentor knapp fünf Minuten später war kein Abseits! Wieder kaum fünf Minuten danach eine generalstabsmäßige Vorarbeit von Schneider und Schweinsteiger. Hätte Podolski vollendet, wäre das Thema der nächsten Talkshows nur noch das Traumpaar Schweini & Poldi gewesen. Aber es war das Geburtstagskind Klose, das den Ball ungerührt ins Tor schoss. Kurz vor der Halbzeit drohte erneut der Ausgleich. Zum Glück pfiff der Schiedsrichter diesmal falsch (!) auf Abseits. Mit 2:1 in die Pause war gut, aber viel zu knapp.

In der zweiten Spielhälfte wurde es ein wenig schwieriger. Deutsche Abwehrfehler fielen auf. Zum Glück köpfte Klose im Sturm. Zunächst vergeblich. Zwei Sekunden später setzte er aber ohne zu zögern nach. 3:1! Nach dem nächsten Gegentor blieb es lange spannend. Bis zur 87. Minute stand es „nur“ 3:2. Dann machte Frings überraschend Feierabend. Der Langhaarige schoss beeindruckend abgebrüht das 4:2. Jetzt konnte trotz Verlängerung nichts mehr passieren.

Nächste Woche spielen „wir“ gegen Polen, die übrigens im zweiten Spiel an diesem Abend gegen Ecuador verloren haben. Ob das ein Zeichen ist? Vielleicht wird Deutschland ja doch Weltmeister, was die Wirtschaft zusätzlich beflügeln würde.