Konsum stieg schneller als Gehälter

Im Jahr 2006 sind die Konsumausgaben der privaten Haushalte um 2,1% gestiegen, die Einkommen aber nur um 1,8%, teilte gestern das Statistische Bundesamt mit. Damit verringerte sich die Sparquote von 10,6% im Jahr 2005 auf 10,5% im letzten Jahr. Im Jahr 2000 betrug die Sparquote 9,2%.

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Insgesamt gaben die privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2006 nach Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen knapp 1349 Milliarden Euro aus. Auf jeden Einwohner entfallen damit 16.374 Euro.

Besonders auffällig ist der Anstieg der Ausgaben der privaten Haushalte für Haushaltsenergie (Strom, Gas, Heizöl und andere Brennstoffe) um 9,6% gegenüber dem Jahr 2005. Dadurch stieg der Anteil der Ausgaben für Haushaltsenergie an den Ausgaben für den privaten Konsum im Inland auf 4,7% im letzten Jahr gegenüber 3,5% im Jahr 2000. Dies ist vor allem auf höhere Verbraucherpreise für Gas (+17,7% gegenüber 2005) und Heizöl (+10,7%) zurückzuführen.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Energieausgaben über dem Durchschnitt der EU-Mitgliedsländer: Im Jahr 2005 gaben die privaten Haushalte in den 25 EU-Ländern (ohne Bulgarien und Rumänien) durchschnittlich 3,8% ihrer Konsumausgaben im Inland für Haushaltsenergie aus; in Deutschland waren es 4,4%. (Statistisches Bundesamt/ml) ENGLISH

Kommentar

Michael J.M. Lang

Was ist die Ursache für diese Schere zwischen Konsum- und Gehaltsentwicklung? Für Historiker ist eine solche Entwicklung ein alter Hut.

Wer fürchtet, arbeitslos zu werden, legt sein Geld auf die hohe Kante, wer sicher ist, auch morgen noch einen Job zu haben, konsumiert. Krisenzeiten waren immer Zeiten verstärkten Sparens, Zeiten mit geringen Arbeitlosenquoten gingen umgekehrt mit einer florierenden Binnenwirtschaft einher. Das war während und zwischen den letzten Kriegen so, das war auch in den Auf und Abs der letzten sechzig Jahre so. Wir sind so gestrickt, weil es fünzigtausend Jahre lang sinnvoll war, Dürrezeiten durch das Anlegen von Vorräten vorzubeugen.

Und heute? Mit dem Aufschwung wächst der Glaube an eine sichere Zukunft und die Bereitschaft, Rücklagen abzubauen. Eine Erkenntnis allerdings, die Gewerkschaften wenig schmeckt. Denn sie konterkariert ihre Forderung nach höheren Gehältern als primärem Motor der Binnenwirtschaft. Wahr ist vielmehr: Hohe Gehälter erzeugen im Gegensatz zu sicheren Jobs einen erheblich geringeren Effekt, und sie vertreiben auch noch Jobs ins billigere Ausland, steigern also die Unsicherheit der Menschen im Land.

Das sollte man nicht vergessen bei den kommenden Tarifverhandlungen.

Ihr Michael J.M. Lang (ml)