Existenzgründungen gehen zurück

Der aktuelle Gründungsreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) stellt ein schwindendes Interesse am Schritt in die Selbstständigkeit fest. Zwar habe die Ich-AG zu mehr Existenzgründungen geführt, doch ein Großteil der neuen Unternehmen werde wegen mangelhafter unternehmerischer Qualifikationen scheitern. Der Anteil der Gründer, die ihre eigene Produktidee nicht klar benennen können, sei im Vergleich zum Vorjahr von 34 auf nunmehr 41% gestiegen.

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Die Sorge des DIHK: Bei Fortsetzung dieses Trends drohe das Unternehmertum als Quelle für Wachstum in Deutschland zu versiegen, denn demografiebedingt werde es rein rechnerisch aus der besonders gründungsaktiven Altersklasse der 30- bis 39-Jährigen bis zum Jahr 2050 etwa 40% weniger Existenzgründungen geben.

Die Studie beruht auf Erfahrungsberichten der IHK-Existenzgründungsberater aus den 81 Industrie- und Handelskammern (IHKs) sowie einer statistischen Auswertung zum IHK-Gründerservice. In diesem Jahr fußt die Untersuchung auf mehr als 380.000 Kontakten der IHK-Existenzgründungsberater mit angehenden Unternehmern. Der DIHK-Gründerreport „Existenzgründung in Zeiten von Hartz IV“ steht kostenlos per Download zur Verfügung. (DIHK/ml)

MittelstandsWiki meint: Der Rückgang ist wohl eher ebenso quantitativ zu betrachten, wie der vorausgegangene Gründungsboom. Wie die Grafik aus dem Report (siehe Bild) zur Entwicklung der Beratungsmotivation in den Jahren 2003 bis 2006 zeigt, stieg vor allem die Zahl der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus. Mit dem Aufschwung im Arbeitsmarkt wird natürlich dieser Anteil der Interessenten wieder abnehmen. Ob die Motivation Arbeitslosigkeit (von Ausnahmen abgesehen) ein Zeichen für unternehmerisches Wollen und vor allem Können ist, darf arg bezweifelt werden. Die Trauer über die Abnahme hält sich damit in engen Grenzen – letztlich helfen unqualifizierte oder unmotivierte Selbstständige und KMUs weder dem Land noch dem Mittelstand. (ml)