Aufschwung mit niedrigerem Tempo

Schon seit Jahren befindet sich die Weltwirtschaft im konjunkturellen Aufschwung. Auch dieses Frühjahr expandierte sie wieder kräftig. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte infolge der steigenden Erträge der Unternehmen, gestiegenen Aktienkurse und der noch vergleichsweise niedrigen langfristigen Zinsen zu. Die steigenden Ölpreise bremsten diese Entwicklung nur wenig. Die Notenbanken in den Industrieländern haben seit Anfang dieses Jahres die Zügel deutlich angezogen. Auf dieser Basis kommt das ifo-Institut in München zu optimistischen Prognosen.

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Die Expansion der Weltwirtschaft werde demnach im Prognosezeitraum schwungvoll bleiben, sich jedoch etwas abflachen. Im Verlauf des Prognosezeitraums dürften die Wachstumsraten leicht über den langfristigen Mittelwert steigen. Der Aufschwung in der Eurozone werde sich zunächst schwungvoll fortsetzen, aber im nächsten Jahr etwas an Dynamik verlieren. Auch in den Schwellenländern expandiere die Wirtschaft weiter, vor allem in China, aber auch in Indien, so das Institut in seiner Studie. In Lateinamerika und in den anderen Ländern Ostasiens werde die Zunahme der Produktion zwar etwas verhaltener aber dennoch robust verlaufen.

Der Anstieg der Preise bleibe, auch infolge mäßig steigender Löhne, moderat. Diese Prognose stützt sich auf die technische Annahme, dass der Ölpreis bei etwa 70 US Dollar und der Euro-Wechselkurs bei etwa 1,35 US-Dollar liegen werden.

In Deutschland hat sich der Aufschwung nach der Jahreswende trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer fortgesetzt. Saisonbereinigt ist die gesamtwirtschaftliche Produktion im ersten Quartal mit einer laufenden Jahresrate von 2,1% gestiegen, zuvor hatte das Expansionstempo allerdings noch bei 4,0% gelegen. Die Konjunkturentwicklung ist anhand der aktuellen Daten zurzeit jedoch nur schwer abzuschätzen.

Insgesamt dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion im zweiten Quartal 2006 gegenüber dem Vorquartal nach Schätzungen des ifo-Instituts saisonbereinigt mit einer laufenden Jahresrate von 1,75% gestiegen sein. Zum etwas geringeren Wachstumstempo im Vergleich zum ersten Quartal trägt vor allem der Rückgang der saisonbereinigten Werte der Bauproduktion bei. Aufgrund der hohen Dynamik in der zweiten Jahreshälfte 2006 ergibt sich für das erste Halbjahr 2007 im Vorjahrsvergleich jedoch immer noch ein kräftiger Zuwachs von 3,0%.

Im Prognosezeitraum dürfte sich der konjunkturelle Aufschwung, nach Einschätzung des Instituts, fortsetzen aber weniger spektakulär als vergangenes Jahr. Die gesamtwirtschaftliche Produktion werde im laufenden Jahr um 2,6% expandieren; arbeitstäglich bereinigt um 2,8%.

Im Prognosezeitraum stütze die anhaltend hohe Kapazitätsauslastung die Arbeitskräftenachfrage. Der Aufbau der Erwerbstätigkeit erfolge dabei hauptsächlich durch sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und ungeförderte Selbständigkeit. Insgesamt werde die Zahl der Erwerbstätigen im Inland im Jahr 2007 um 475 000 und im Jahr 2008 um 380 000 zunehmen Der Abbau der Arbeitslosigkeit setze sich angesichts der günstigen Konjunktur weiter fort, jedoch mit verringertem Tempo. Die Arbeitslosigkeit wird im Jahr 2007 um 675.000 und im Jahr 2008 noch um 285.000 zurückgehen. Im Jahresdurchschnitt 2007 dürfte die Zahl der Arbeitslosen bei 3,8 Mill. liegen, im nächsten Jahr bei 3,5 Mill.

Die wichtigsten Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für die Bundesrepublik Deutschland sind im Internet abrufbar. Gleiches gilt für die Langfassung der Konjunkturprognose. (ifo/ml)