Mittelstands-Barometer warnt vor Fachkräftemangel

Die gute Nachricht vorweg: Das derzeitige Stimmungshoch im Mittelstand wird auch in den kommenden Monaten anhalten und zur weiteren Belebung auf dem Arbeitsmarkt führen – so das Ergebnis der zweiten Expertenbefragung des Deutschen Mittelstands-Barometers (DMB). Der anhaltende Wachstumskurs ist jedoch nach Einschätzung der Experten durch einen zunehmenden Fachkräftemangel bedroht. Die Studienergebnisse stehen im Internet kostenlos zur Verfügung.

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Die Stimmung im Mittelstand könnte derzeit kaum besser sein: Die befragten Fachleute aus Mittelstandsverbänden und -unternehmen bestätigen auch für die folgenden Monate eine stabile Konjunktur. Dabei wird die wahrgenommene Geschäftssituation besonders in den alten Bundesländern optimistisch gesehen: Gegenüber der ersten Expertenbefragung im Frühjahr verbesserten sich hier die Werte um 3,7 Punkte. Die gute Geschäfts- und Stimmungslage führt nach Einschätzung der Experten zu einer nachhaltigen Belebung auf dem Arbeitsmarkt. Über 73% der Befragten erwarten, dass die Arbeitsplätze im Mittelstand weiter ausgebaut werden. Damit wird der im Frühjahr in der ersten Expertenbefragung erhobene Wert von rund 59% deutlich übertroffen.

Zugleich führt der Ausbau der Arbeitsplätze zu einem steigenden Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Die Personalsituation wird sich potenziell schon bald zum entscheidenden Hemmfaktor für weiteres Wachstum und somit auch für den Erfolg der Unternehmen entwickeln. Um geeignete Fachkräfte zu halten bzw. ihren Bedarf zu decken, müssen Unternehmen in Zukunft verstärkt ihre Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen und entsprechende Anreize für ihre Mitarbeiter schaffen, wie z.B. durch die Einführung von flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Besonders kritisch sehen die Experten das derzeitige Ausbildungsniveau. Mit einer Zustimmung von über 86% sind sich die Befragten mehrheitlich einig, dass die Qualität der Ausbildung eindeutig zu verbessern sei. Zwar besitzt das im internationalen Vergleich einmalige duale Ausbildungssystem in Deutschland durchaus Zukunftspotential und Akzeptanz. Doch werden speziell der Vermittlung der substanziellen Grundkenntnisse während der Schulausbildung gravierende Versäumnisse vorgeworfen. Demzufolge beklagen sich die befragten Unternehmer verstärkt über die unzureichenden Fähigkeiten ihrer Auszubildenden. Die unlängst von der Koalition beschlossene nationale Qualifizierungsoffensive stelle aber einen ersten Schritt in die richtige Richtung dar.

Die Unternehmer wissen um die Bedeutung von gut ausgebildetem Fachpersonal und sind tendenziell bereit, für die weitere Qualifizierung ihrer Mitarbeiter Sorge zu tragen. Zu über 88% stimmen die befragten Experten der Aussage zu, dass umfassende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen unabdingbar sind, um langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten.

Wie zuvor in der Frühjahrsbefragung bestätigen auch die Ergebnisse der zweiten Expertenbefragung, dass überbordende Bürokratie und Regulierungswut in Deutschland als zusätzliche maßgebliche Störfaktoren für weiteres Wachstum empfunden werden. Das seit längerem in die Kritik geratene deutsche Arbeitsrecht und seine Regularien dürften nicht weiter zu Stolpersteinen des Wirtschaftswachstums werden, so die Experten.

Als weitere Wachstumsstörer sehen die Experten das Unternehmerbild in der Öffentlichkeit. Hier zeichnet sich ein von der guten Stimmungslage abweichendes Bild ab: Insgesamt wird das Unternehmerbild in der Öffentlichkeit vor allem in den neuen Bundesländern ausgesprochen schlecht bewertet.

Für die zweite Expertenbefragung des DMB wurden über 130 Mittelstandsexperten aus ganz Deutschland befragt. Das DMB ist ein Kooperationsprojekt der Forschungsstelle mittelständische Wirtschaft (FMW), des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der BDO Deutsche Warentreuhand. (ots/ml)