Ökologische und soziale Ziele wichtig – oder nicht?

Unabhängig von eigenen Überzeugungen sind mittelständische Unternehmer im Sinne des Marktes gut beraten, ökologische und soziale Aspekte bei der Unternehmensstrategie zu berücksichtigen, um nicht nur für Kunden, sondern auch für Anleger interessant zu sein. Das zumindest lassen die Antworten der im Rahmen des aktuellen Finanzmarkttests des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Finanzexperten vermuten. Doch Vorsicht: Ein Teil der Antworten offenbart auch einen seltsamen Zwiespalt der Experten in dieser ideologisch aufgeladenen Thematik.

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Die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Ziele im Unternehmensmanagement erachtet nämlich zwar eine breite Mehrheit von mehr als 90% der 297 im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests befragten Finanzmarktexperten als wichtig oder sogar sehr wichtig. Dementsprechend schätzen sie auch das Marktpotenzial so genannter nachhaltiger Kapitalanlagen (Sustainable and Responsible Investments, SRI) sehr optimistisch ein. Mehr als 70% aller vom ZEW Befragten gehen zudem von einem wachsenden oder zumindest konstanten Marktanteil von SRI aus.

Andererseit erwarten die Finanzmarktexperten im Vergleich zu konventionellen Finanzanlagen eine ungünstigere Rendite- und Risikoentwicklung bei SRI: Mehr als 80% prognostizieren höchstens durchschnittliche Renditechancen bei gleichem oder gar höherem Risiko der Anlagen. Dementsprechend würden auch 37% der befragten Experten keinerlei SRI-Produkte in ihr Portfolio aufnehmen. Nur 14% der Befragten geben an, dass sie mehr als die Hälfte ihrer Finanzanlagen aus SRI zusammenstellen würden.

Die Diskrepanz zwischen der Aussage, ökologische und soziale Kriterien hätten eine wichtige Rolle im Management zu spielen, und der eher pessimistischen Einschätzung der Performance von SRI ist offensichtlich und eigentlich nur dadurch zu erklären, dass eine der beiden Aussagen wohl eher einem Wunschdenken und die andere dem Realitätssinn geschuldet ist.

In einer weiteren Frage geben die Experten ihrer Überzeugung Ausdruck, dass ungeeignete Kriterien für so genanntes nachhaltiges Investment angelegt werden. So sind nur 21% der befragten Experten der Ansicht, soziale und ökologische Anliegen seien bei SRI stark berücksichtigt. Mit 37% geben fast doppelt so viele der Befragten an, SRI seien kaum nachhaltig.

Seit mehreren Jahren wächst der Markt für SRI stark. Unter SRI werden Anlageprodukte wie etwa Fonds zusammengefasst, die nicht nur orientiert an ökonomischen Gesichtspunkten investieren, sondern auch soziale und ökologische Kriterien berücksichtigen. Ob SRI nicht nur aus ethischer Sicht sinnvoll sind, sondern auch im Vergleich höhere Erträge bringen, ist umstritten: Während die Befürworter nachhaltiger Anlagen den Wert von verantwortungsvollem Management herausstellen, argumentieren Kritiker, dass die Beschränkung auf nur ein Segment des Marktes – nämlich auf ökologische und soziale Kapitalanlagen – erhöhte Risiken mit sich bringe und die Renditechancen beeinträchtigen könnte.

Weiter Informationen zum ZEW-Finanzmarkttest stehen online zur Verfügung. (idw/ml)