US-Immobilienkrise soll 2008 an Brisanz verlieren

Der Begriff „subprime contagion“ wird derzeit von Analysten an der Wallstreet verwendet, um ein mögliches Übergreifen der US-Immobilienkrise unter anderem auf den europäischen Bankensektor zu beschreiben. Die Frage, ob sich diese sogenannte Subprime-Krise durch die aktuellen Entwicklungen noch verschärft, beschäftigt zurzeit den deutschen Finanz- und Immobilienmarkt. Die Analysten der Commerzbank wagen eine Prognose.

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Die aktuelle Situation lässt sich auf die laxen Kreditvergabekonditionen einiger US-Banken zurückführen: Diese hatten mit Blick auf die konstant steigenden Immobilienpreise und niedrigen Zinsen auch an weniger kreditwürdige Kunden Hypothekendarlehen vergeben. Kontinuierliche Zinserhöhungen bei gleichzeitigem Rückgang der Immobilienpreise führten jedoch zu einem hohen Ausfall der Kredite. Ihre Ausfallrate ist in den vergangenen Monaten von ca. 12% auf zuletzt ca. 18% gestiegen.

„Die aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten ergeben sich aber nicht aus diesen Zahlungsausfällen, sondern aus der Intransparenz am Bankenmarkt. Viele Kreditinstitute reichten die schlecht besicherten Darlehen als undurchsichtige Pakete an andere Marktteilnehmer wie z. B. Hedgefonds weiter“, erläutert Gerrit Weber, Leiter Produktmanagement beim Commerzbank Private Banking. Diese mangelnde Transparenz hat zu einer schweren Störung in der Refinanzierung geführt und den Interbankenhandel am Geldmarkt zeitweise zum Erliegen gebracht.

Die Subprime-Krise könnte deshalb durchaus eine Kettenreaktion mit negativen gesamtwirtschaftlichen Folgen auslösen. Sollte die Risikoabneigung der Banken steigen und die Kreditvergabe nachhaltig eingeschränkt werden, würde dies zu einem Rückgang des privaten Konsums führen. Der Verbraucher fiele als Wachstumstreiber aus, eine rasche Erholung der US-Wirtschaft wäre damit hinfällig. Ein weiteres zentrales Risiko liegt in den rückläufigen Immobilienpreisen: Die steigende Verschuldung der Haushalte belastet die Bonität der US-Geschäftsbanken. Die aktuelle Vertrauens- und Liquiditätskrise würde sich so zu einer makroökonomischen Bonitätskrise ausweiten.

Nach Auffassung des Commerzbank Private Banking sprechen jedoch zwei Gründe gegen diese Entwicklung. Zum einen befindet sich die US-Bauwirtschaft bereits seit Ende 2006 in einer tiefen Rezession, die mit einer deutlichen Rückführung der Bauinvestitionen verbunden ist. Hier könnte der Höhepunkt der Belastungen bald erreicht sein. Die gesamtwirtschaftlichen Folgen der rückläufigen Bauleistungen bleiben im Übrigen gering, weil die Bauwirtschaft in den USA nur einen geringen Teil des Bruttoinlandsprodukts ausmacht (etwa 8%).

Zum anderen steuert die US-Geldpolitik einer weiteren Verschärfung der Subprime-Krise gegen. Durch die geringe Zinsbindung besitzt eine Leitzinssenkung (wir berichteten darüber) direkte Wirkung auf das verfügbare Einkommen der Haushalte. Dies könnte nicht nur in direkter Form die privaten Haushalte unterstützen, sondern darüber hinaus zu einer Reduzierung ihrer Verschuldung führen. Zudem ergibt die Senkung des Leitzinses in der Regel eine steilere Renditestrukturkurve, was automatisch mit einer Erhöhung der Ertragskraft der Geschäftsbanken verbunden ist. Seit Wochen schon ist durch die Impulse der FED eine gesamtwirtschaftliche Konsolidierung erkennbar. Das Commerzbank Private Banking geht deshalb davon aus, dass die Subprime-Krise 2008 an Brisanz verlieren wird. (ots/ml)