Mittelstand schafft 3,1 Prozent neue Stellen

Der Mittelstand ist nach Aussage des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln die größte Stütze des deutschen Arbeitsmarkts. Zwischen 2003 und 2007 erhöhte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Unternehmen mit 50 bis 499 Mitarbeitern um 300.000, das entspricht 3,1%. Die Großunternehmen haben dagegen in diesem Zeitraum ihre Stammbelegschaften um 150.000 Arbeitnehmer (-2,7%) verkleinert. Ins Zeug legten sich mittelständischen Betriebe auch in puncto Ausbildung. Immerhin 83% aller Lehrlinge lernten dort einen Beruf.

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Allerdings: Mitarbeiter abgebaut haben auch Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern. Das ist ein Alarmzeichen. Wie sich die Beschäftigten- und Ausbildungszahlen im Mittelstand künftig entwickeln, hängt nämlich in erster Linie von den Rahmenbedingungen ab und diese sind für kleine Betriebe derzeit schlechter als für größere mittelständische Betriebe.

Sorgen bereitet allen mittelständischen Unternehmern, dass die Banken angesichts der Finanzkrise die Bedingungen für die Vergabe von Krediten verschärfen dürften – obwohl gerade die kleinen und mittleren Unternehmen nichts mit den Verlusten der Geldinstitute zu tun haben.

Ein zweites Problem ist die Bürokratie, die den deutschen Unternehmen Dokumentations- und Meldepflichten im Umfang von schätzungsweise 3,5% des Bruttoinlandsprodukts auferlegt. Kleine und mittlere Betriebe dürften den Großteil dieser Lasten schultern. Allerdings trifft dieses Problem kleine Betriebe besonders hart: Einer Untersuchung zufolge beliefen sich die Bürokratiekosten in Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern im Schnitt zuletzt auf etwa 4400 Euro je Beschäftigten. In Betrieben mit 100 bis 499 Mitarbeitern kamen pro Kopf nur noch knapp 1000 Euro zusammen, in Großbetrieben ab 500 Mitarbeitern kostet jeder Mitarbeiter lediglich 350 Euro Bürokratieaufwand.

Noch ein Schuh drückt den Mittelstand quer durch die Bank: Mehr als 95% aller mittelständischen Betriebe befinden sich in Familienhand. Deshalb ist in diesen Firmen die geplante Neuregelung der Erbschaftssteuer ein wichtiges Thema. Zwar werden Unternehmensnachfolgern nach heutigen Plänen bis zu 85% der Erbschaftssteuer auf das Betriebsvermögen erlassen. Doch dies ist an einen Wust von Bedingungen geknüpft, die mit den Realitäten des Marktes und damit den Anforderungen an die mittelständischen Betriebe nicht zu vereinbaren sind.

Ob der Mittelstand also auch in Zukunft im vergleichbaren Umfang den deutschen Arbeitsmarkt unterstützen kann, wird wesentlich von den Entwicklungen in den drei genannten Bereichen abhängen. (IW Köln/ml)