Bei Bio-Konsumenten rangiert Gesundheit vor Umwelt

Eine aktuelle Studie zum Marktpotential von biologischen Lebensmitteln in Deutschland ergab, dass mittlerweile bereits 93% aller Bundesbürger künftig Bio-Produkte kaufen wollen. Das Kaufmotiv ist allerdings häufiger eine Mehrwerterwartung für die eigene Gesundheit als Sorge um die Umwelt: 43% der Befragten kaufen Bio-Lebensmittel, weil sie diese für gesünder halten, 39% glauben, Bio-Lebensmittel seien qualitativ hochwertiger und nur 37% der Befragten kaufen Bio-Lebensmittel um Umwelt und Ressourcen zu schonen.

Die von der Strategieagentur „diffferent“ initiierte Studie bringt noch mehr Ernüchterndes an den Tag: Zwar spielt bei der Kaufentscheidung das Bio-Siegel eine große Rolle, doch im Mittelpunkt steht der Preis. Die hohe Qualität der Zutaten wird bei Bio-Produkten vorausgesetzt, der Großteil der Bio-Käufer gibt sich aber mit dem Bio-Etikett zufrieden und hinterfragt das Produkt nicht weiter. Auch die Marke und das Verpackungsdesign spielen bisher im Vergleich zum Preis eine eher untergeordnete Rolle. Die Differenzierung zwischen den Bio-Produkten findet noch weitestgehend über den Preis statt. Deshalb werde weiterhin – vor allem durch den Markteintritt der Lebensmittel-Discounter – zunächst der fortgesetzte Preiskampf den Biomarkt bestimmen, so die Macher der Studie.

Auf der Basis von Einkommen und Kaufintensität gruppiert die Studie die Konsumenten in vier Bio-Käufertypen:

  • Die grünen Genießer (Green Indulgence)verfügen über ein hohes Einkommen und zählen zu den Personen, die künftig in mindestens einer Produktkategorie mehr als 50% Bio kaufen. Dieser Käufertypus repräsentiert ein Kaufpotential von ca. 530 Millionen Euro pro Jahr.
  • Die biologisch orientierten Qualitätskäufer (Organic Qualityseeker) verfügen ebenfalls über ein hohes Einkommen und kaufen künftig weniger als 50% in allen Produktkategorien selektiv Bio-Produkte. Dieses Kaufpotential beläuft sich auf ca. 360 Millionen Euro.
  • Die ideologisch motivierten grünen Käufer (Green Attitude) verfügen über ein durchschnittliches Einkommen und zählen zu den Personen, die künftig in mindestens einer Produktkategorie mehr als 50% Bio kaufen. Dieser Käufertypus repräsentiert ein Kaufpotential von ca. 2,44 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Die biologisch orientierten Mainstreams (Organic Mainstream) verfügen ebenfalls über ein durchschnittliches Einkommen und kaufen künftig weniger als 50% in allen Produktkategorien selektiv Bio-Produkte. Dieses Kaufpotential beläuft sich auf ca. 2,15 Milliarden Euro.

Im Rahmen der Studie wurden die entscheidenden Kauffaktoren im Bio-Segment untersucht. Im Ergebnis ist zwar für alle vier Käufer-Typen der Preis das nach wie vor wichtigste Kriterium der Kaufentscheidung, jedoch sind drei der Kundentypen nicht ausschließlich preisgetrieben und somit anderen Bio-Kaufkriterien aufgeschlossen. Diese drei Gruppen stellen insgesamt ca. 60% der Bio-Käuferschaft und somit ein geschätztes Potential von derzeit 3,3 Milliarden Euro der kumulierten Bio-Kaufkraft dar.

Dr. Simon Berkler, Geschäftsführer von „diffferent“, macht der Bio-Branche Mut: „Auch für Bio-Marken gibt es genügend Spielräume für die Profilierung im nach wie vor stark preisgetriebenen Lebensmittelmarkt. Bio-Marken müssen neben dem Bio-Versprechen starke und glaubwürdig differenzierende Nutzenversprechen erarbeiten und besetzen. Auf diese Art und Weise können sich stark positionierte und exzellent geführte Marken eine nachhaltig überlegene Wettbewerbsposition aufbauen. Und das ohne große Budgets und Kampagnen: Mit guten Ideen, intelligenten Umsetzungen und mit Leidenschaft für die eigene Marke.“

(ots/ml)