Ausbildungsbonus für viele Firmen unattraktiv

Trotz finanziellem Anreiz wird die Hälfte aller Betriebe nicht bereit sein, zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche zur Verfügung zu stellen, die sich seit mindestens einem Jahr vergeblich um eine Ausbildungsstelle bemühen. Nur jeder sechste Betrieb wäre dazu bereit. Ein weiteres Drittel der Betriebe ist noch unentschlossen. Das ergab eine aktuelle repräsentativen Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Befragt wurden rund 2400 Betriebe im Rahmen der regelmäßigen Online-Umfrage unter Personal- und Ausbildungsverantwortlichen für den „BIBB-AusbildungsMonitor“.

Der Ausbildungsbonus sieht für Betriebe, die ab dem 1. August einen so genannten „Altbewerber“ zusätzlich aufnehmen, staatliche Förderleistungen von bis zu 6000 Euro vor (wir berichteten mehrfach darüber).

Deutliche Unterschiede bei der Bewertung des Ausbildungsbonus gibt es zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Betrieben. Für zwei von drei nichtausbildenden Betrieben stellt der Ausbildungsbonus keinen Anreiz dar, entsprechende Stellen anzubieten. Dagegen konnte sich jeder vierte Ausbildungsbetrieb vorstellen, sein bisheriges Angebot aufgrund des Ausbildungsbonus um durchschnittlich 20% aufzustocken. Unter den Betrieben ohne Ausbildungsabsichten für das kommende Ausbildungsjahr zieht nur jeder zehnte diese Möglichkeit in Betracht.

In Betrieben mit einem höheren Qualifikationsbedarf werden durch den Bonus voraussichtlich nur wenige Zusatzstellen für Altbewerber geschaffen. Hatten Betriebe im März 2008 schon Verträge mit Realschulabsolventen oder Bewerbern mit Fach- und Hochschulreife abgeschlossen, so nimmt ihre Bereitschaft, zusätzliche Stellen für Altbewerber anzubieten, auf bis zu 9% ab.

Im Gegensatz dazu sind Betriebe mit hohem Arbeitskräftebedarf eher bereit zusätzliche Ausbildungsstellen für Altbewerber zu schaffen. Beabsichtigen Betriebe in den nächsten zwei Jahren, Arbeitsstellen zu besetzen, so will jeder vierte zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten. Von den Betrieben ohne akuten Bedarf können sich allerdings nur weniger als ein Prozent vorstellen, Zusatzangebote zu schaffen.

Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten sind im Vergleich zu größeren mittelständischen Firmen und Großunternehmen weit eher bereit (Faktor 2,7), Altbewerber zusätzlich auszubilden. Damit könnte der Bonus zu einer Stärkung der Ausbildungsbeteiligung kleinerer Betriebe führen, die in der Vergangenheit immer weniger ausgebildet haben.

Besonders im Dienstleistungssektor stößt der Ausbildungsbonus auf Interesse. Aufgeschlüsselt nach unterschiedlichen Branchen zeigen – neben der Verbrauchs- und Produktionsgüterindustrie – insbesondere die Bereiche Verkehr- und Nachrichtenwesen, das Gastgewerbe, Gesundheits- und Veterinärwesen sowie sonstige Dienstleistungen (z. B. Entsorgungswirtschaft, Reinigungs- und Körperpflegebranche) eine überdurchschnittliche Bereitschaft. Auf Ablehnung stößt der Ausbildungsbonus jedoch vor allem bei Unternehmen aus der Kredit- und Versicherungswirtschaft sowie bei Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung.

Ausführlichere Informationen stehen im Rahmen des BIBB REPORT, Heft 5/08 per Download zur Verfügung

(BIBB/ml).

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