Rückstand bei Studienanfängern wird größer

Die deutsche Wirtschaft lechzt nach hochqualifizierten Fachkräften, aber Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Nach der heute veröffentlichten OECD-Statistik Bildung auf einen Blick stagniert die Studienanfängerquote in Deutschland, während sie im OECD-Durchschnitt steigt. „Besonders besorgniserregend ist, dass Deutschland bei den Absolventen der Ingenieurwissenschaften weit unter dem OECD-Durchschnitt liegt“, warnte die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Margret Wintermantel bei der Vorstellung des Zahlenwerks.

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Eine Ursache sind die mangelnden Bildungsausgaben. Im Jahr 2005 haben die Länder der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) 6,1% ihrer kumulierten Wirtschaftsleistung für die Finanzierung ihrer Bildungsinstitutionen ausgegeben. In Deutschland lag dieser Wert bei 5,1% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Vergleicht man die Ausgaben pro Schüler in den verschiedenen Bildungsabschnitten, dann zeigt sich, dass in Deutschland die Ausgaben im Primarbereich unter dem OECD-Schnitt liegen, im Tertiärbereich und, bedingt durch das Duale System, im Sekundarbereich hingegen über dem OECD-Schnitt.

In der nichttertiären Bildung (Schule und Duales System) sind die Ausgaben pro Schüler in Deutschland zwischen 2000 und 2005 um 2% leicht gestiegen. Abgesehen von Belgien, wo die Ausgaben pro Schüler in diesem Zeitraum schrumpften, war dies der geringste Anstieg innerhalb der OECD und er kam nur deshalb zustande, weil die Ausgaben langsamer zurückgingen als die Schülerzahlen. In der tertiären Bildung sind die Ausgaben zwischen 2000 und 2005 um 6% gestiegen, konnten aber mit den gestiegenen Studierendenzahlen nicht mithalten, so dass die Ausgaben pro Studierenden im gleichen Zeitraum um 2% gesunken sind.

Anders als in den meisten anderen OECD-Ländern sind die Bildungsausgaben in Deutschland in den vergangenen Jahren langsamer gewachsen als die öffentlichen Ausgaben insgesamt. Stieg im OECD-Mittel zwischen 2000 und 2005 der Anteil der Bildungsausgaben von 12,8 auf 13,2% der Gesamtausgaben der öffentlichen Hand, ist er in Deutschland von 9,9 auf 9,7% gesunken. Nur in Japan und Italien ist der Anteil der Bildungsausgaben an den öffentlichen Ausgaben geringer.

Allerdings gilt auch: In Deutschland verfügen 84% der 25 bis 34-Jährigen mindestens über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur und damit deutlich mehr als im OECD-Schnitt (78%). Gleichzeitig ist unter den 15 bis 19-Jährigen mit 4,2% der Anteil der „Inaktiven“ (weder in Ausbildung noch erwerbstätig) vergleichsweise gering (6,3% in der EU19). Die einst durch das Duale System garantierte schnelle und reibungslose Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt scheint allerdings nicht mehr ohne weiteres zu funktionieren. So ist in der Altersgruppe 25 bis 29 Jahre der Anteil der „inaktiven“ jungen Menschen in den vergangen Jahren deutlich gestiegen und liegt mittlerweile über dem EU-Schnitt. So waren 2006 in Deutschland 20% der 25 bis 29 Jährigen weder in Ausbildung noch erwerbstätig, 1999 waren es dagegen nur 18,1%. Im EU-Schnitt ist der Anteil dieser Gruppe bei den 25 bis 29-Jährigen im gleichen Zeitraum dagegen von 20 auf 17,5% gesunken.

Die gute Nachricht: Stellten Frauen im Jahr 2000 zum ersten Mal die Hälfte der Studierenden, sind sie nun mit einem Anteil von 55% an den Studienanfängern in der tertiären Ausbildung sogar leicht stärker vertreten als im OECD-Schnitt (54%). Bei den Ingenieurswissenschaften liegt der Frauenanteil mit 16% allerdings noch immer deutlich unter dem OECD-Schnitt von 22%. Dafür sind Frauen in Deutschland unter den Anfängern in Mathematik und Informatik mit 35% gegenüber 24% im OECD-Schnitt deutlich überrepräsentiert. Auch in gesundheits- und geisteswissenschaftlichen Fächern ist, wie in den meisten anderen OECD-Ländern, der Frauenanteil besonders hoch.

Positiv ist auch, dass Deutschland weiterhin eines der wichtigsten Zielländer für internationale Studierende darstellt. 8,9% aller 2006 von der OECD registrierten Auslandsstudenten studieren in Deutschland. Nach den USA (20%) und Großbritannien (11,3%) ist das der dritte Platz innerhalb der OECD. Auch bezogen auf die Gesamtstudentenzahl liegt der Anteil der ausländischen Studierenden mit 12,7% über dem OECD-Schnitt von 8,5%. Allerdings hat sich zwischen 2000 und 2006 in den OECD-Ländern die Zahl der ausländischen Studierenden mehr als verdoppelt, während sie in Deutschland im gleichen Zeitraum nur um 40% gestiegen ist.

(OECD.ORG/HRK/ml)