Anschaffungsneigung trotz Konjunkturtief gestiegen

Entwicklung des GfK-Konsumklimaindex bis Januar 2009
Entwicklung des GfK-Konsumklimaindex bis Februar 2009

Die deutschen Verbraucher sind zwar in Sachen Konjunktur skeptisch, aber erleichtert über die drastisch gesunkene Inflationsrate. In der Summe scheint die Erleichterung zu überwiegen, denn trotz Finanz- und Konjunkturkrise legte die Anschaffungsneigung im Januar deutlich zu, während die Einkommens- und Konjunkturerwartung zurückgingen. Der Gesamtindikator für das Konsumklima erreicht deshalb nach (revidiert) 2,2 Punkten im Januar für Februar ein weiteres Mal 2,2 Punkte.

Die monatliche GfK-Konsumklimastudie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg fällt im Januar erstaunlich neutral aus.

Konjunkturerwartung: Die Konjunkturerwartung hat sich zu Beginn dieses Jahres mit einem Minus von 0,5 Punkten nur minimal verschlechtert. Aktuell weist die Konjunkturstimmung einen Wert von -32,9 Punkten auf. Damit wird das Rekordtief von Ende letzten Jahres noch einmal leicht unterschritten. Einbrechende Exportmärkte, eine stark rückläufige Produktion und vor allem sinkende Neuzulassungen bei Pkws sorgen dafür, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr in einer tiefen Rezession gesehen wird. So geht die Bundesregierung in ihrem jüngst veröffentlichten Jahreswirtschaftsbericht von einem Minus des Bruttoinlandsproduktes in Höhe von 2,25 Prozent aus.

Der nur sehr geringe Rückgang der Konjunkturerwartung könnte jedoch ein Hinweis darauf sein, dass die Bürger nun erwarten, den Tiefpunkt der Prognosen erreicht zu haben.

Einkommenserwartung: Die Einkommenserwartung der Verbraucher hat im Januar zum zweiten Mal in Folge nachgelassen. Der Indikator verlor gut 5 Punkte und steht nun bei -20,5 Punkten. Dies ist der tiefste Stand seit März 2003.

Durch die anhaltend schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft sehen sich die Konsumenten zunehmend persönlich betroffen. Mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit wächst bei den Beschäftigten auch wieder die Angst vor einem Jobverlust. Folglich beurteilen mehr Bürger die Einkommensaussichten wieder pessimistischer.

Anschaffungsneigung: Im Gegensatz dazu machte der Indikator für die Anschaffungsneigung im Januar mit einem Plus von knapp 22 Punkten einen kräftigen Sprung nach oben auf aktuell 15,5 Punkte. Damit ist die Anschaffungsneigung zum ersten Mal seit August 2007 wieder positiv und über dem langjährigen Mittel von 0 Punkten angekommen.

Der wesentliche Grund für die spürbare Besserung der Konsumneigung liegt im nachlassenden Preisdruck der vergangenen Monate, vor allem bei den Energiepreisen. Deutlich geringere Energiekosten schonen aber zum einen die Budgets der privaten Haushalte und sorgen zum anderen generell für eine bessere Stimmung. Sie wirken wie ein Konjunkturprogramm, das ohne zusätzliche Neuverschuldung auskommt. Zudem darf eine Reihe von Arbeitnehmern aus der Rückerstattung der Pendlerpauschale einen zusätzlichen Geldsegen erwarten.

Konsumklima: Der Gesamtindikator für das Konsumklima prognostiziert angesichts der genannten Teilindikatoren für Februar 2009 einen Wert von 2,2 Punkten und damit den gleichen Wert wie jener für den Januar.

GfK-Indikatoren im Überblick
GfK-Indikatoren im Überblick

Inwieweit der Konsum in diesem Rezessionsjahr positiv auf die Wirtschaft wirken kann, wird in erster Linie davon abhängen, wie stark die Krise den Arbeitsmarkt belasten wird. Die Inflationsrate wird voraussichtlich sehr niedrig bleiben und damit die Kaufkraft der Verbraucher stützen.

Der Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung geht von einem Anstieg der Preise in diesem Jahr in Höhe von 0,5 Prozent aus. Zudem werden wahrscheinlich vor allem in der ersten Jahreshälfte 2009 noch die guten Tarifabschlüsse aus dem vergangenen Jahr ihre Wirkung zeigen und die realen Einkommen steigen lassen. Auch dürften von dem kürzlich beschlossenen Konjunkturpaket II in diesem Jahr weitere Impulse für die Verbraucher ausgehen.

Da die Binnennachfrage die einbrechenden Exporte nur teilweise kompensieren wird, können diese Maßnahmen einen möglichen Konjunktureinbruch zwar nicht vollkommen verhindern, aber zumindest abmildern.

(GfK/ml)

Hintergrund der einzelnen Indikatoren:

  • Konjunkturerwartung: Diesem Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde: “Was glauben Sie, wie wird sich die allgemeine wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?” (verbessern – gleich bleiben – verschlechtern)
  • Einkommenserwartung: Diesem Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde: “Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die finanzielle Lage Ihres Haushalts in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?” (verbessern – gleich bleiben – verschlechtern)
  • Anschaffungsneigung: Diesem Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde: “Glauben Sie, dass es zurzeit ratsam ist, größere Anschaffungen zu tätigen?” (Der Augenblick ist günstig – weder günstig noch ungünstig – ungünstig)
  • Konsumklima: Dieser Indikator soll die Entwicklung des privaten Verbrauchs erklären. Seine wesentlichen Einflussfaktoren sind die Einkommenserwartung, die Anschaffungs- und die Sparneigung. Die Konjunkturerwartung wirkt eher indirekt über die Einkommenserwartung auf das Konsumklima

Die genannten Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „GfK-Konsumklima MAXX“ und basieren auf monatlich rund 2000 Verbraucherinterviews. Die GfK-Konsumklimastudie wird seit 1980 erhoben.