Eurozone in der Rezession

Entwicklung der Industrieproduktion
Entwicklung der Industrieproduktion

Die Eurozone befindet sich in einer umfassenden Rezession. So lautet das Fazit der gemeinsamen europäischen Konjunkturprognose „Euro-zone Economic Outlook“ (EEO) des ifo-Instituts, des INSEE in Paris und des ISAE in Rom. Die Experten der Institute erwarten in den folgenden Quartalen einen weiteren Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der EU, nachdem dieses bereits im zweiten und dritten Quartal um jeweils 0,2% geschrumpft ist. Allerdings dürfte der Rückgang infolge der Konjunkturpakete zunehmend verhaltener ausfallen.

Prognosewerte (Quelle: ifo)

In der Eurozone ist die Industrieproduktion nach Aussagen des EEO-Prognoseteams zu Beginn des vierten Quartals 2008 erneut deutlich gefallen (-2% im Oktober). Der Rückgang der Produktion war vor allem in Frankreich, aber auch in Deutschland, besonders ausgeprägt, während er in Italien – nach der kräftigen Abnahme im September – etwas moderater ausfiel. Der Einbruch zeichnete sich bereits in der Entwicklung des Geschäftsklimas ab, das sich in allen großen Ländern merklich verschlechterte.

Die Industrieproduktion wird nach Meinung der EEO-Ökonomen auch in den folgenden Quartalen rückläufig sein. Die Stimmung der Unternehmen sei sichtlich gedrückt, da die sinkenden Auftragseingänge aus dem In- und Ausland sowie die verschärften Kreditkonditionen spürbar belastend wirken. Die Produktion werde im vierten Quartal 2008 um 2,3%, im ersten Quartal 2009 um 1,3% und im zweiten Quartal um 0,7% sinken.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts
Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Das reale Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone dürfte im dritten Quartal um 0,2% gefallen sein – die konkreten Zahlen stehen noch aus. Der private Konsum stagnierte sichtlich. Die Investitionen sackten spürbar ab. Auch der Außenhandel lieferte einen negativen Wachstumsbeitrag. Mit einer raschen Erholung der wirtschaftlichen Aktivität sei daher nicht zu rechnen.

Der Konsum der privaten Haushalte werde in den folgenden Quartalen – trotz der rückläufigen Inflation – real sinken, vermuten die Experten. Das Verbrauchervertrauen habe sich deutlich verschlechtert. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, die hohe Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung sowie die zu erwartende nachlassende Dynamik der Nominallohnzuwächse dürften dazu beitragen, dass die Sparquote stärker zunimmt.

Der Konsum wird im vierten Quartal 2008 um 0,2% fallen, ehe er im ersten Quartal 2009 um 0,1% sinkt und im zweiten Quartal stagniert.

Die EEO-Ökonomen vermuten, dass die Investitionen in den folgenden Quartalen einbrechen werden. Die Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen werde durch die rückläufige Nachfrage aus dem In- und Ausland sowie durch die sinkende Kapazitätsauslastung schwer belastet; zudem dürften sich die Konditionen auf den Kreditmärkten infolge der anhaltenden Verspannungen weiter verschärfen. Die Gefahr einer Kreditklemme sei nicht auszuschließen. Die Entwicklung der Bauinvestitionen werde aufgrund der fortdauernden Verwerfungen auf den Immobilienmärkten in zahlreichen Ländern der Region – Spanien, Frankreich, Irland und Finnland – weiter gebremst. Die Investitionen dürften deshalb im vierten Quartal 2008 um 2,5%, im ersten Quartal 2009 um 1,6% und im zweiten Quartal um 1,2% fallen.

Insgesamt werde das reale Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone im vierten Quartal 2008 um 0,6% sinken, ehe es im ersten Quartal 2009 um 0,4% und im zweiten Quartal um 0,2% zurückgehe. Die Entwicklung der Binnennachfrage werde vor allem durch den starken Einbruch der Investitionen belastet. Der Wachstumsbeitrag des Außenhandels werde negativ sein. Die Prognose basiert auf der Annahme, dass die wirtschaftliche Talfahrt durch die Umsetzung der geplanten Konjunkturpakete etwas gebremst wird. Der Erfolg der Stützungsmaßnahmen sei jedoch ungewiss und mit hoher Unsicherheit behaftet, warnen die Prognostiker

Entwicklung der Inflationsrate
Entwicklung der Inflationsrate

Die Inflationsrate ist im zweiten Halbjahr 2008 infolge des markanten Einbruchs der Ölpreise spürbar gesunken. Sie ging – gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) – im Dezember auf 1,6% zurück, nachdem sie im Juli noch einen Höhepunkt von 4% erreichte.

Die künftige Inflationsrate – so die EEO-Experten – wird im März 2009 bei 1,2% und im Juni 2009 bei 0,6% liegen, vorausgesetzt der Ölpreis schwankt im Prognosezeitraum nur zwischen 45 bis 50 US-Dollar und der Wechselkurs stabilisiert sich bei 1,40 US-Dollar je Euro. Der Rückgang der Inflationsrate resultiert maßgeblich aus dem Basiseffekt, der sich aufgrund der rückläufigen Ölpreise ergibt. Auch die Kerninflationsrate wird sich infolge der schwachen Nachfrage sowie der ungünstigeren Situation auf dem Arbeitsmarkt nur mäßig erhöhen. Sie werde bei durchschnittlich 1,8% liegen, vermuten die Ökonomen der drei Institute.

(ifo/ml)