DIW-Konjunkturbarometer sieht schwarz

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sieht schwarz. Die Wirtschaft wird nach Aussagen des Instituts noch im laufenden Quartal um weitere 1,4% schrumpfen. Das würde gegenüber dem  Vorjahreszeitraum einem Rückgang um 4,5% gleichkommen. Dabei ist die Abschwächung der deutschen Wirtschaftsleistung im Schlussquartal des Vorjahres mit nunmehr amtlichen -2,1% bereits kräftiger ausgefallen als erwartet.

Bruttoinlandsprodukt Deutschland
Bruttoinlandsprodukt Deutschland (Quelle: DIW)

Da die deutsche Volkswirtschaft bereits mit einem statistischen Unterhang von 2 Prozentpunkten in das laufende Jahr gestartet ist, liege ein Rückgang der Jahreswirtschaftsleistung von deutlich mehr als 3% nunmehr im wahrscheinlichen Bereich. „Ein derart kräftiger Rückgang der ökonomischen Aktivität wäre in der west- bzw. gesamtdeutschen Nachkriegsgeschichte bislang einmalig“, ordnet DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths diese Entwicklung historisch ein.

Getrieben wird die Abwärtsentwicklung durch die ungewöhnlich starke Abkühlung im Produzierenden Gewerbe, dessen negativer Wachstumsbeitrag nach Aussage des DIW einen Großteil der gesamtwirtschaftlichen Schrumpfung ausmacht.

Die Wertschöpfung im Bausektor dürfte ebenfalls nachgeben, wenn auch deutlich weniger stark als im Verarbeitenden Gewerbe. Die Schwäche in der Industrie strahle mehr und mehr auch auf die unternehmensnahen Dienstleister aus, deren Wertschöpfung ebenfalls abnimmt, warnen die Berliner Experten Die übrigen Dienstleistungen seien bislang weniger stark betroffen, da sie von der stabileren Entwicklung des privaten Verbrauchs profitieren bzw. unmittelbar den konjunkturell kaum schwankungsanfälligen öffentlichen Bereich widerspiegeln.

Für den weiteren konjunkturellen Verlauf spiele die Entwicklung der Auslandsmärkte die entscheidende Rolle. „Die staatliche Stabilisierungspolitik kann dazu beitragen, das Überspringen des Abschwungs auf die konsumnahen Bereiche zu dämpfen. Ein Ersatz für die derzeit abrupt wegbrechende Nachfrage nach Investitionsgütern ist damit aber nicht zu schaffen“, so Stefan Kooths.

Die exportorientierte Ausrichtung auf hochwertige Investitionsgüter sei zwar derzeit hauptverantwortlich für die Heftigkeit, mit der die deutsche Wirtschaft vom Abschwung in weiten Teilen der Welt getroffen wird. Allerdings liege in dieser Spezialisierung – verbunden mit der mittelständischen Struktur und der hohen Kundenorientierung – auch die Chance, durch die Erschließung neuer Märkte und neuer Anwendungsfelder für deutsche Kapitalgüter nach und nach wieder zusätzliche Aufträge hereinzuholen. „Das geht nicht über Nacht, aber hinsichtlich der Aussichten für alternative Absatzfelder sind die deutschen Exporteure sicherlich in einer besseren Position als die meisten Wettbewerber“, so Kooths abschließend.

(DIW/ml)