Creditreform sieht Handwerk im Sog der Krise

Zum Download der Studie
Zum Download der Studie

Das deutsche Handwerk befinde sich im Sog des konjunkturellen Abwärtstrends und der Pessimismus überwiege bei den Erwartungen, stellt eine aktuelle Analyse des Dienstleisters Creditreform fest. Die Einschätzung zur Geschäftslage habe sich im Vergleich zum Vorjahr eingetrübt. Auch die harten Indikatoren wie Umsatz- und Personalentwicklung seien schlechter geworden, erreichten aber nicht die Tiefstwerte aus dem Rezessionsjahr 2003. Anders die Erwartungen: Die Prognosen für Ertrags- und Umsatzentwicklung reichten im mehrjährigen Vergleich an Tiefstwerte heran, warnen die Experten der Creditreform angesichts der Antworten von 3000 Handwerksbetrieben auf eine im Februar 2009 durchgeführten Umfrage.

Die Einschätzung der Geschäftslage durch die Befragten als „sehr gut“ und „gut“ ist im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozentpunkte gesunken. Nur noch jeder dritte (31,6%) befragte Handwerker bewertet seine Geschäftslage positiv. Im Jahr 2008 waren es noch 40,8%. Gleichzeitig ist die Zahl der Betriebe, die von einer mangelhaften bis ungenügenden Geschäftslage sprechen, von 8,8% auf aktuell 14,1% gestiegen – ein Zuwachs von 5,3 Prozentpunkten. Stabil geblieben ist die Einschätzung einer befriedigenden oder ausreichenden Geschäftslage: Davon spricht immer noch jeder Zweite (53,6%, Vorjahr: 49,8%). Der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen der Geschäftssituation fällt von 32 Prozentpunkte im Vorjahr auf 17,5 Prozentpunkte und befindet sich damit im mehrjährigen Vergleich im stabilen Mittelfeld. Am schlechtesten fällt der Geschäftsklima-Saldo mit 2,9 Prozentpunkten im Bauhandwerk aus. Am besten ist die Stimmung bei den personenbezogenen Dienstleistungen mit einem Saldo von 30,8 Prozentpunkten.

Die konjunkturelle Schubkraft im Handwerk hat nachgelassen, das zeigt sich auch an den harten Indikatoren wie Umsatz- oder Personalentwicklung.

Innerhalb des vergangenen Jahres ist lediglich bei jedem fünften Unternehmen der Umsatz gestiegen (20,6%). Im Vorjahr war dies noch bei jedem dritten Betrieb (30%) der Fall – ein Verlust von fast zehn Prozentpunkten. Umgekehrt hat sich die Zahl der Betriebe mit Umsatzeinbußen um elf Prozentpunkte erhöht (2009: 33,5%; 2008: 22,5%). Erstmals seit drei Jahren erreicht der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen mit minus 12,9 Prozentpunkten wieder einen negativen Wert. Zuletzt war dies im Jahr 2006 mit einem Saldo von minus 1,7 Prozentpunkten der Fall.

Die Krise beeinflusst aber auch die Personalentwicklung: Per saldo haben die Betriebe ihre Beschäftigung leicht abgebaut, im Westen etwas stärker als im Osten Deutschlands. Kaum jeder fünfte Betrieb (18,3%) hat im vergangenen halben Jahr neue Arbeitskräfte eingestellt – im Jahr zuvor war es noch jeder vierte (25,6%). Von Entlassungen berichten 22,7% der Handwerksbetriebe (2008: 17,1%). Trotz des leichten Abbaus zeigt sich die Beschäftigungslage des Handwerks robust; immerhin hat sich die Zahl der Betriebe, die ihren Personalbestand unverändert ließen, von 56,7% auf 58,8% leicht erhöht.

Zeigen die Einschätzung zur Geschäftslage sowie die Umsatz- und Personalentwicklungen aktuell noch ein stabiles konjunkturelles Bild des deutschen Handwerks, deuten die eingebrochenen Erwartungen eine künftig schlechtere Entwicklung an.

Die Umsatzerwartungen sinken: Nur noch 14,5% der befragten Handwerker rechnen in diesem Jahr mit steigenden Umsätzen. Im Vergleich zum Jahr 2008 entspricht das einer Verschlechterung um 11,2 Prozentpunkte. Von abnehmenden Umsätzen gehen hingegen 37,4% der befragten Handwerksbetriebe aus. Im Vorjahr betrug dieser Wert noch 16,5%. Der Saldo aus erwarteten gesunkenen und gestiegenen Umsätzen erreicht mit minus 22,9 Prozentpunkten immerhin den zweitschlechtesten Wert innerhalb der vergangenen 12 Jahre.

Ähnlich düster wie die Ertragserwartungen aus: Von zunehmenden Erträgen gehen 13,1% der Befragten aus (2008: 23,0%). Mit sinkenden Erträgen rechnen hingegen 43,2% – im Vorjahr waren es noch 22,6%. Im Westen fällt der Saldo aus erwarteten gestiegenen und gesunkenen Umsätzen mit minus 30,2 Prozentpunkten etwas schlechter aus als im Osten Deutschlands mit 29,8 Prozentpunkten.

Die wichtigste Nachricht im Bereich Personalplanung: Fast drei Viertel der befragten Handwerksbetriebe (69,1%) möchten ihren Personalbestand in diesem Jahr unverändert lassen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer nur leichten Verschlechterung um 4,3 Prozentpunkte. Aber lediglich 9,5% der Betriebe planen, mehr Mitarbeiter einzustellen. Verglichen mit dem Vorjahr entspricht dies einer Verschlechterung um 5,6 Prozentpunkte. Jeder fünfte Handwerker (20,4%) plant, in diesem Jahr Entlassungen vorzunehmen. 2008 gab das nur jeder zehnte Befragte an (10,3%).

Ein Blick auf die Investitionsbereitschaft im Handwerk zeigt: Immer noch jeder Zweite (48,2%) ist bereit, in diesem Jahr Investitionen durchzuführen. Das sind 5,6 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.  Am investitionsfreudigsten sind Betriebe aus dem Nahrungsmittel- und Metallhandwerk mit durchschnittlich 62,8% und 56,3%, Bau- und Ausbauhandwerker sind mit durchschnittlich 44,1% bzw. 44,9% deutlich zurückhaltender.

Das Zahlungsverhalten der Kunden im Handwerk hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechtert. 40,4% der Befragten bezeichnen es als „gut“ oder „sehr gut“. Im Vorjahr waren es 41,8%. Über die Hälfte der Unternehmen (53,4%) beurteilt das Zahlungsverhalten der Auftraggeber mit „befriedigend“ und „ausreichend“ (2008: 52,5%), 6% mit „mangelhaft“.

Die Zahl der Insolvenzen im deutschen Handwerk ist von 6200 (2007) auf 6350 (2008) leicht gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs um 2,4 %. Der Anteil der Betriebe, die Forderungsverluste bis 1% zum Umsatz verzeichnen, hat sich von 44,1% im Vorjahr auf derzeit 46% leicht erhöht. Allerdings haben insgesamt nur noch 15,6% der Betriebe Forderungsverluste über 1% im Verhältnis zum Umsatz. Im Vorjahr waren es noch 18%.

Ein weiterer Grund: Die Zahl der Bauunternehmen, die Insolvenz anmelden mussten, hat sich im vergangenen Jahr von 5330 auf 5440 erhöht. Und da ein Großteil der Handwerksunternehmen der Baubranche zuzurechnen ist, hat sich im Sog dieser Entwicklung auch die Zahl der Insolvenzen im Handwerk erhöht.

Die unterdurchschnittliche Eigenkapitalquote ist ein Hauptproblem der kleinen und mittleren Unternehmen. Über eine robuste Quote von 30% und mehr (im Verhältnis zur Bilanzsumme) verfügt nur jeder fünfte (18,5%) Handwerksbetrieb. Im Jahr zuvor waren es 16,8%. Das entspricht zwar einer leichten Verbesserung, der Großteil der Betriebe (33,3%) bleibt jedoch mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote von weniger als 10% unterkapitalisiert.

Nach ihrer individuellen Finanzierungssituation gefragt, gab jeder dritte (36,0%) Handwerksbetrieb an, dass es schwieriger geworden sei, einen Kredit zu erhalten, 17,9% verneinten dies. Fast die Hälfte der befragten Betriebe (44,8%) konnte darüber kein Urteil abgeben, etwa weil sie derzeit keinen Kredit benötigen oder über genügend Eigenkapital verfügen. Auf die Nachfrage, wie die Verschärfungen bei der Kreditvergabe genau aussehen, sind es 38,7% der Betriebe, die von Schwierigkeiten berichten und, dass die Banken mehr Sicherheiten verlangen.

Da das zweite Konjunkturpaket zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht verabschiedet war, konnte es in der Befragung nur in Aussicht gestellt werden. Drei Viertel der Betriebe (76,1%) rechneten zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht damit, dass derartige  Maßnahmen die Rezession verhindern könnten. Als besonders vorteilhafte Maßnahmen beurteilen 23,6% der Befragten die neuen Regeln zur degressiven Abschreibung und Sonderabschreibungen. Insbesondere die bessere Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen halten 21,8% der Betriebe für wirksam. Das CO2-Programm zur Gebäudesanierung – es soll von 1,4 auf 2,5 Milliarden Euro aufgestockt und die Zinsen verbilligt werden – beurteilen mit 20% vor allem die Betriebe aus dem Ausbauhandwerk erwartungsgemäß positiv.

Die Studie steht als kostenloser Download online zur Verfügung.

(Creditreform/ml)