Musikindustrie sucht ihr Heil vor allem im Internet

Die deutsche Musikindustrie will den Umsatzanteil neuer Erlösquellen – darunter auch jenen der Internetportale – in den kommenden fünf Jahren von derzeit 5 bis 10 % auf 15 bis 20 % mindestens verdoppeln. Das habe eine Umfrage unter den großen Labels ergeben, meldet der Bundesverband Musikindustrie. Dass nach Jahren erbitterter Feindschaft und zahlreicher Gerichtsverfahren nun ausgerechnet Lizenzgeschäfte mit Internetplattformen wie YouTube oder MySpace der Musikindustrie das Umsatzheil bringen sollen, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie.

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Erst in zweiter Linie setzen die Musikunternehmen in ihrer Umsatzstrategie auf Kooperationen mit Hard- und Softwareherstellern sowie die klassischen Umsatzbringer Konzerte und Merchandising.

Während 2008 weltweit fast alle Länder (außer Japan) mit zweistelligen Umsatzrückgängen zu kämpfen hatten, gingen die Einnahmen in Deutschland um noderate 4,7 % auf knapp 1,6 Milliarden Euro zurück. Damit entwickelt sich Deutschland nach Aussage des Bundesverbands besser als der Rest der Welt. 2008 werde die deutsche Musikindustrie mit einem geschätzten Weltmarktanteil von über acht Prozent den höchsten Wert seit zehn Jahren erreicht haben.

Die Strategie der deutschen Musikfirmen, trotz kontinuierlichen Ausbaus der digitalen Angebote das klassische CD-Geschäft nicht zu vernachlässigen, habe sich im internationalen Vergleich als richtig erwiesen, lobt der Bundesverband sich und seine Mitgliedsunternehmen. Deutschland könne damit seine Position als viertgrößter Musikmarkt der Welt hinter den USA, Japan und Großbritannien weiter festigen.

Der Verkauf der umsatzstarken CD-Alben ging 2008 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht um 3,5 Millionen Stück auf jetzt 145,1 Millionen Einheiten zurück. Stärker rückläufig war nach Aussagen des Verbands das Geschäft mit Musikvideos und Klingeltönen. Dagegen stiegen die Umsätze mit Musikdownloads 2008 erneut um 34 %, wobei das Wachstum vor allem auf den starken Anstieg (+50 %) beim Verkauf von sogenannten Bundles zurückzuführen sei. Der Konsument könne inzwischen online auf ein riesiges Repertoire von rund 10 Millionen Titeln zurückgreifen. Der weitgehende Verzicht auf Kopierschutz (DRM) sei ein weiterer Schritt gewesen, das digitale Angebot noch attraktiver zu machen, begründet der Bundesverband die insgesamt positive Entwicklung.

Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbands, beharrt allerdings darauf: „Das physische Geschäft bleibt das Rückgrat der deutschen Musikindustrie“. Tatsächlich entfielen im letzten Jahr 81 % des Umsatzes noch immer auf CD-Alben. 8 % erreichten Musikvideos, 7 % digitale Angebote (Download und Mobile), 2 % CD-Singles und je 1 % analoge LPs und Musikkassetten.

(ots/ml)